Es mangelt nur am Impfstoff

„Endlich können wir etwas machen“: Corona-Impfungen bei Hausärzten in Maintal gestartet

Franziska Grimm lässt sich in der Kinderarztpraxis gegen Corona impfen. Die Lehrerin ist glücklich über den kleinen Pieks.
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Franziska Grimm lässt sich in der Kinderarztpraxis gegen Corona impfen. Die Lehrerin ist glücklich über den kleinen Pieks.

Die Freude ist Franziska Grimm anzumerken, als sie die Praxis für Kinder- und Jugendmedizin von Dr. Claudia Schramm und Dr. Maja Schulze in Maintal betritt. In wenigen Minuten bekommt sie einen Pieks, der für sie eine große Erleichterung bedeutet. Sie ist eine der Ersten, die in der Praxis gegen Corona geimpft wird.

Maintal – Hände desinfizieren, Fieber messen, anmelden. Kurz warten, dann folgt ein Aufklärungsgespräch mit Dr. Schulze. Es geht in den nächsten Raum, Daten werden abgeglichen, Papiere unterschrieben, letzte Fragen gestellt. Die Spritzen sind aufgezogen und liegen schon bereit. Grimm macht ihren Oberarm frei und es folgt ein kleiner Pieks. Nach wenigen Sekunden ist es geschafft. Unspektakulär und einfach.

Im Labor werden die Spritzen mit dem Impfstoff von Astrazeneca befüllt.

In der Praxis an der Berliner Straße spürt man dennoch, dass dies keine normale Impfung ist. Die Freude und Erleichterung der Geimpften ist greifbar, nicht anders geht es allen Angestellten der Praxis. „Wir haben endlich das Gefühl, dass wir etwas gegen dieses Virus machen können“, berichtet Ärztin Claudia Schramm in einer der wenigen ruhigen Minuten in diesen Tagen. Nach über einem Jahr der Pandemie verspürt sie Hoffnung und Zuversicht.

Praxen erhalten kurzfristig Impfstoff und legen sofort los

Die Praxis von Dr. Schramm und Dr. Schulze gehört zu einem Pilotprojekt im Main-Kinzig-Kreis, im Rahmen dessen jetzt auch in Hausarztpraxen geimpft wird. Dafür haben sich die Praxen freiwillig gemeldet. Vergangenen Freitag wurde die Praxis informiert, dass es demnächst losgehen kann. Am Dienstag kamen dann der Impfstoff und die erforderlichen Unterlagen. Spontanität war gefragt und Einsatz.

Bürokratie: Tugba Öskan füllt die nötigen Papiere aus. „Es ist etwas Neues – aber auch etwas Schönes“, sagt sie.

Bis spät in die Nacht wurden in den letzten Tagen Termine vergeben, wurde „priorisiert“, wie es heißt. Die Lagerung und Verwendung des Impfstoffs war kein Problem. Das Komplizierteste am gesamten Vorgang war die Bürokratie, berichtet Schramm: „Wir organisieren uns in Deutschland zu Tode. Wir impfen normal täglich 50 bis 60 Kinder, das ist eigentlich nichts anderes.“

Ärzte sind frustriert über Impfkampagne in Deutschland

Man spürt, dass sich bei ihr und ihren Kollegen Frust aufgebaut hat. Frust über die mangelnde Organisation, über fehlenden Impfstoff und schließlich über das Hin und her mit dem Impfstoff von Astrazeneca. Dass es jetzt endlich auch bei den Hausärzten losgehen kann, hält Schramm für sehr wichtig.

Vor dem Betreten der Praxis wird bei Franziska Grimm die Temperatur gemessen.

Wir kennen die Hintergründe der Familien, wer besonders auf wen aufpassen muss. Deshalb fällt uns das Priorisieren einfacher“, erklärt sie. Etwa 120 Impfungen gibt es in der Praxis bis Ende der Woche, dann wird auf Impfstoff-Nachschub gehofft. Denn die Nachfrage ist hoch.

Ärzte würden am liebsten den ganzen Tag impfen

Das hat auch Thomas Blaschek vom Medizinischen Versorgungszentrum Maintal erfahren. Er war mit seinem Team am Dienstag bis spät abends im Einsatz, konnte allein an diesem Tag 120 Patienten impfen. „Wenn wir genug Impfstoff hätten, würden wir von morgens bis abends nichts anderes machen“, sagt er. Auch er berichtet von einer besonderen Stimmung in seiner Praxis, trotz der Anstrengungen und vielen Überstunden. „Die Menschen sind dankbar und gelöst, das gilt natürlich auch für unser ganzes Team“, berichtet er.

Kinderärztin Dr. Claudia Schramm ist froh, dass sie endlich impfen darf.

Auch Franziska Grimm ist erleichtert. Als Lehrerin kommt sie täglich mit vielen Menschen in Kontakt, ihr Mann ist Risikopatient. Seit einem Jahr isolieren sie sich komplett. „Die Arbeit ist das größte Risiko. Wie das alles mit der Priorisierung der Lehrer ablief, war für mich sehr frustrierend“, sagt sie. Noch bevor sie die Impfung in der Kinderpraxis bekommt, erhält sie die Nachricht, dass auch ihr Mann heute noch geimpft werden kann. Die Erleichterung ist ihr ins Gesicht geschrieben. Sie blickt zu Dr. Schulze und sagt: „Danke, danke, danke.“

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