Maintal

Familie dankt der Stadt Maintal nach der ersten Bestattung in muslimischer Tradition auf dem alten Friedhof in Hochstadt

Eine Familie sitzt auf der Hochstädter Friedhofsmauer
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Esmaeil Maroufi ist der erste, der auf dem alten Friedhof Hochstadt nach muslimischem Glauben bestattet wurde. Wir haben uns mit seiner Witwe und seinem Sohn getroffen, die der Stadt für ihre Kooperation danken wollen.

Die Familie Maroufi hat der Stadt Maintal gedankt, nachdem es möglich gemacht wurde, dass der Familienvater nach muslimischer Tradition auf dem alten Hochstädter Friedhof beigesetzt wurde.

Maintal – „Mein Vater war tief verwurzelt in Hochstadt“, sagt Omid Maroufi und blickt über die Mauer hinunter auf den alten Friedhof. Esmaeil Maroufi ist nach kurzer, schwerer Krankheit am 24. Juni im Alter von 62 Jahren gestorben. Sein letzter Wille: „Auf dem alten Friedhof in Hochstadt bestattet zu werden“, sagt sein Sohn. Diesen Wunsch hat die Familie ihm erfüllt – in enger Zusammenarbeit mit der Stadt Maintal und dem beauftragten Maintaler Bestattungsunternehmen. Doch es war nicht leicht, sagt Omid Maroufi, denn sein Vater war Muslim und sollte auch nach dieser Tradition beigesetzt werden. Das ist in Maintal eigentlich nur auf dem neuen Friedhof im Dörnigheimer Gewerbegebiet möglich. Doch die Friedhofsverwaltung der Stadt Maintal habe alles getan, damit Esmaeil Maroufi nach gewünschter Tradition auf dem alten Friedhof in Hochstadt, nur einen Steinwurf entfernt von dem Wohnhaus seiner Familie, seine letzte Ruhe finden konnte. „Dafür wollen wir uns bedanken“, sagt Omid Maroufi.

Für Esmaeil Maroufi ist Maintal, und speziell Hochstadt, eine neue Heimat geworden. „Mein Vater ist Anfang der 1980er Jahre aus dem Iran nach Deutschland gekommen“, erzählt sein Sohn, der als Gastronom das Restaurant „Django“ in Nidderau betreibt. In Hochstadt sei sein Vater schließlich sesshaft geworden, hat mit Mansoureh Moshayedi eine Familie gegründet und war selbstständig in der Logistikbranche tätig. „Mein Vater kannte hier viele Menschen, wir waren oft auf dem Sportplatz und in Vereinen“, sagt Omid Maroufi. „Und mein Vater hat vor allem den Weihnachtsmarkt sehr geliebt.“ So sei es logisch gewesen, dass sein Vater auch in Hochstadt beerdigt werden wollte.

Vorbereitungen fanden in Dörnigheim statt

Zur traditionellen Bestattung gehört unter anderem das Waschen des Leichnams nach islamischem Ritual. „Das ist nur in Dörnigheim möglich, deshalb haben wir es dort umgesetzt“, sagt Omid Maroufi. Nur beim „Grabfeld der Beigesetzten islamischen Glaubens“ im Gewerbegebiet Maintal-Ost stehen dafür Räumlichkeiten und die benötigten Gerätschaften zur Verfügung. Anschließend sei sein Vater für die Bestattung nach Hochstadt transportiert worden, zu der rund 90 Gäste erschienen sind – natürlich unter Wahrung der corona-bedingten Hygienevorschriften. „Das Gebet haben wir dann nach Absprache über einen Lautsprecher übertragen“, sagt Omid Maroufi.

Besonders wichtig für eine Bestattung nach islamischem Ritus ist außerdem, dass der Leichnam und der Sarg nach Mekka, also nach Südosten, ausgerichtet sind. Auch das hätten die Friedhofsverwaltung und das beauftragte Maintaler Bestattungsunternehmen bewerkstelligen können. „Obwohl die Gräber hier nicht nach Südosten ausgerichtet sind“, sagt Omid Maroufi mit Blick über die Friedhofsmauer. „Aber das Grab meines Vaters wurde nach Süden ausgerichtet und sein Kopf im Sarg nach Osten geneigt. So blickt er nach Mekka und das war so in Ordnung für uns“, erzählt der Sohn des Verstorbenen.

Eine Kombination aus der muslimischen und deutschen Bestattungsart

Auch bei einer weiteren muslimischen Tradition – die, dass der Leichnam nicht in einem Sarg, sondern nackt in Tücher gehüllt, frei der Erde beigesetzt und beerdigt wird – hat die Familie bewusst Kompromisse gefunden. „In Deutschland werden Verstorbene im Sarg beerdigt. Für uns war klar, dass wir uns daran halten und beide Vorgehensweisen zusammenführen und umsetzen. Immerhin leben wir in diesem Land und ich bin hier geboren“, sagt Omid Maroufi.

Der Verlust des Vaters, Ehemanns und Schwagers ist für ihn, seine Mutter und deren Schwester, Mehri Moshidi, kaum zu ertragen. „Wir wollten gerade anfangen, den Ruhestand und das Leben so richtig zu genießen“, sagt Esmaeil Maroufis Witwe, Mansoureh Moshayedi, mit tränenerstickter Stimme. „Zum Glück wurde mein Vater noch Opa und Schwiegervater, er war für viele Menschen ein Freund und Zuhörer“, ergänzt sein Sohn.

Umso dankbarer seien sie der Stadt Maintal und dem Bestattungsunternehmen Lotz für ihr Engagement. „Viele dynamische Entscheidungen, die binnen weniger Tage getroffen wurden, sind für mich ein Zeichen von Gleichberechtigung, Respekt und Akzeptanz in diesem Land“, sagt Omid Maroufi. Alle Beteiligten hätten alles dafür gegeben, um Esmaeil Maroufi ein gebührendes Andenken und eine würdige letzte Ruhestätte zu ermöglichen – in dem Stadtteil, den er so sehr geliebt hat.

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