Norma Group

Fast 26 Stunden verhandelt: Norma Group und IG Metall erzielen Einigung

Ende in Sicht: Im Streit um den geplanten Abbau von Arbeitsplätzen bei der Norma Group mit Hauptsitz in Maintal haben sich Arbeitgeber und Gewerkschaft geeinigt.
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Ende in Sicht: Im Streit um den geplanten Abbau von Arbeitsplätzen bei der Norma Group mit Hauptsitz in Maintal haben sich Arbeitgeber und Gewerkschaft geeinigt.

Weißer Rauch bei der Norma Group. Die IG Metall Hanau-Fulda und das Unternehmen mit Sitz in Maintal haben einen Kompromiss zur geplanten Sanierung gefunden: Es sollen weniger Stellen wegfallen als zunächst befürchtet.

Maintal – Vorausgegangen war der Einigung am Wochenende ein Verhandlungsmarathon. Gestartet waren die Tarifverhandlungen am Samstag um 9 Uhr, unterschrieben wurde der Vertrag am Sonntag um 10.45 Uhr. „So etwas ist absolut nicht üblich. Beide Seiten wollten unbedingt eine Lösung. Wir haben klar gesagt, entweder es gibt bis Sonntag eine Lösung oder die Verhandlungen scheitern“, berichtet Robert Weißenbrunner, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Hanau-Fulda.

Die ausgehandelte Einigung bedeutet zumindest für einen Teil der Belegschaft Erleichterung. Am Firmensitz in Maintal sollen nun maximal 100 Stellen wegfallen, zuletzt war von Arbeitgeberseite der Abbau von 160 Stellen geplant. Ursprünglich sollten laut Weißenbrunner mehr als 200 Arbeitsplätze wegfallen. Die Stellen sollen bis Juni 2022 sozialverträglich abgebaut werden, betriebsbedingte Kündigungen sollen möglichst vermieden werden. Daher greift laut Norma zunächst ein Freiwilligenprogramm, das bis Ende dieses Jahres laufen soll.

Außerdem wurde für den Standort eine Beschäftigungssicherung bis Jahresende 2025 vereinbart. Der geforderte Entgeltverzicht konnte laut Mitteilung der IG Metall Hanau-Fulda „erfolgreich abgewehrt werden“. Dieser hätte bei bis zu 1000 Euro monatlich pro Mitarbeiter gelegen.

IG Metall ist mit Lösung für Norma in Maintal sehr zufrieden

Die IG Metall ist laut Weißenbrunner mit der Lösung sehr zufrieden: „Wir haben Zukunft gefordert und wollten eine Lösung mit Perspektive. Das haben wir hinbekommen. Auch wenn die 100 Arbeitsplätze ein Wermutstropfen sind.“

Auch die Norma Group ist mit dem gefundenen Kompromiss zufrieden. In einer Mitteilung spricht Dr. Michael Schneider, der Vorstandsvorsitzende der Norma Group, von „einem wichtigen Meilenstein in unserem Transformationsproramm“. Die Einigung unterstreiche das Bestreben, die Wettbewerbsfähigkeit des Produktionsstandorts wiederherzustellen und die Zukunft der Norma Group zu sichern. Die Verhandlungsparteien hätten das „bestmögliche Ergebnis für die Mitarbeiter der Norma Germany und das gesamte Unternehmen erzielt.“ Die IG Metall spricht von einem „Erfolg der Solidarität.

Zunächst müssen jedoch noch die Gremien der Gewerkschaft über das Verhandlungsergebnis beraten, die Mitgliederversammlungen sollen in dieser Woche stattfinden. Außerdem werden einzelne Reglungen mit den örtlichen Betriebsräten abgestimmt, laut Mitteilung der Norma bis zum 9. Oktober. „Ich gehe nicht davon aus, dass das abgelehnt wird“, gibt sich Weißenbrunner optimistisch.

Auch für den Standort in Gerbershausen (Thüringen) wurde eine Einigung erzielt. Es bleibt aber bei der geplanten Schließung des Werks Ende 2022. Betroffen sind rund 160 Vollzeitstellen. Dennoch konnte laut IG Metall „eine Perspektive für die Arbeitsplätze geschaffen werden.“ Unter Beteiligung der Landesregierung soll eine Strukturgesellschaft Investoren suchen und Perspektiven über 2022 hinaus entwickeln.

IG Metall: 200 Mitarbeiter von Norma aus Maintal bei Protest in Gerbershausen

Erst am vergangenen Donnerstag hatten rund 450 Mitarbeiter des Automobilzulieferers in Gerbershausen gegen die Schließung des Werks protestiert. Auch rund 200 Mitarbeiter aus Maintal hatten sich an dem Protest beteiligt. In Maintal hatten zuletzt Mitte September rund 500 Mitarbeiter an einem Warnstreik mit Autokorso nach Offenbach teilgenommen (wir berichteten). Die IG Metall hatte dabei die mangelnde Gesprächsbereitschaft der Arbeitgeberseite kritisiert.

Die jetzt erzielte Einigung erfolgt auf den letzten Drücker. Wäre es zu keiner Lösung gekommen, hätte eine Urwahl stattgefunden, in der die in der IGM organisierte Belegschaft über einen befristeten oder unbefristeten Streik entschieden hätte. Ein Druckmittel, dass die IG Metall durchaus einzusetzen wusste. „Das hat geholfen. Die Arbeitgeberseite hat uns abgenommen, dass wir das absolut ernst meinen“, so Weißenbrunner. Die nächste Eskalationsstufe im Streit um den Erhalt der Arbeitsplätze konnte somit verhindert werden.

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