Feier soll nachgeholt werden

Corona überschattet freudigen Anlass: Krankenpflegeverein Wachenbuchen wird 70 Jahre alt

Corona verhindert vorerst gemütliches Beisammensein: Werner Huhn und Bernhard Arndt (von links) planen zum 70. Vereinsgeburtstag eine große Feier wie vor fünf Jahren, als das Wachenbucher Blasorchester im voll besetzten Gemeindehaus spielte. Zurzeit darf der KPV jedoch nur Pflegehilfsmittel ausgeben. Archiv
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Corona verhindert vorerst gemütliches Beisammensein: Werner Huhn und Bernhard Arndt (von links) planen zum 70. Vereinsgeburtstag eine große Feier wie vor fünf Jahren, als das Wachenbucher Blasorchester im voll besetzten Gemeindehaus spielte. Zurzeit darf der KPV jedoch nur Pflegehilfsmittel ausgeben. Archiv

Der Krankenpflegeverein Wachenbuchen wird 70, an eine Feier ist in der Corona-Zeit jedoch nicht zu denken und auch die übrigen Aktivitäten des Vereins ruhen.

Maintal – Vor fünf Jahren haben sie ihren Vereinsgeburtstag noch im voll besetzten Saal des evangelischen Gemeindehauses mit Blasmusik und ausgelassener Stimmung gefeiert: Die Feier zum 70. Geburtstag des Krankenpflegevereins (KPV) Wachenbuchen fällt indes coronabedingt vorerst ins Wasser. Eine würdige Geburtstagsfeier soll aber auf jeden Fall nachgeholt werden, wie der KPV-Vorsitzende Werner Huhn betont: „Sobald es die Vorschriften wieder zulassen, werden wir unsere Mitglieder zu einer Jahreshauptversammlung inklusive Jubiläumsfeier einladen.“

Gegründet wurde der Krankenpflegeverein Wachenbuchen aus einer Bürgerinitiative heraus. Denn die Gemeinde hatte 1949 eine Schwesternstation eingerichtet, die nach Streitigkeiten wieder aufgelöst wurde – zum Ärger der Wachenbucher, die über den neu gegründeten Verein in Eigenregie Krankenschwestern beschäftigten. Die erste ordentliche Mitgliederversammlung fand am 7. Mai 1951 statt. Der KPV verstand sich von Anfang an als „Hilfsgemeinschaft für jedermann“. Bereits im Gründungsjahr konnte der Verein durch Werbemaßnahmen 430 Mitglieder gewinnen und hatte 227 Mark Kapital zur Verfügung.

Krankenpflegeverein Wachenbuchen zählt mittlerweile über Tausend Mitglieder

Mittlerweile zählt der Verein 1145 Mitglieder, davon 676 Haupt- und 469 Familienmitglieder. Neben den beiden Vorsitzenden Werner Huhn (70) und Bernhard Arndt (74) engagieren sich drei weitere Ehrenamtliche im Vorstand sowie sechs Beisitzer für die Belange der Mitglieder. Sie koordinieren Begleit-, Hilfs- und Besuchsdienste.

Wenn ein Angehöriger pflegebedürftig wird, stellt das für Familien mitunter nicht nur eine körperliche und physische Belastung dar, sondern kann auch finanziell zur Zerreißprobe werden. Der KPV bietet daher – wenn kein Kostenträger aufkommt – zeitweise Entlastungsmöglichkeiten für Angehörige an, berät diese, organisiert Hilfsdienste wie Einkaufs-, oder Krankenfahrten und verleiht Pflegehilfsmittel wie Rollatoren oder Toilettenstühle. „Diese kosten schnell mal über 200 Euro“, sagt Bernhard Arndt, der 2. Vorsitzende des Vereins. „Wir verleihen die Pflegehilfsmittel an unsere Mitglieder kostenlos für die Dauer von einem Jahr.“

Hilfe und Gemeinschaft werden im KPV Wachenbuchen großgeschrieben

Darüber hinaus engagiert sich seit Gründung jeweils eine Krankenschwester im Verein, die für die Mitglieder ansprechbar ist, bei Bedarf mal einen Verband wechselt oder beim Waschen behilflich sein kann.

Doch auch die Gemeinschaft wird neben den Hilfsangeboten im Verein großgeschrieben. So plant der KPV regelmäßig Weihnachtsfeiern oder Kaffeenachmittage für die Mitglieder, organisiert den Wachenbucher Weihnachtsmarkt mit sowie einmal im Jahr eine Ausflugsfahrt. 2019 fuhren zuletzt rund 100 Mitglieder mit zwei voll besetzten Reisebussen nach Würzburg zur Stadtbesichtigung. Neben einem üppigen Abendessen in geselliger Runde standen eine Schiffstour und die Besichtigung der Rokokogärten auf dem Plan.

Corona hat im Verein Spuren hinterlassen: Sterberate unter Mitgliedern steigt

Zurzeit ruhen jedoch zum Schutz der Mitglieder und der Betreuer sämtliche Vereinsaktivitäten außer der Hilfsmittelausgabe. So konnten im vergangenen Jahr wegen der Abstands- und Hygieneregeln beispielsweise keine Ausflüge, Geselligkeitsabende oder Fahrdienste stattfinden. Auch persönliche Besuche zur Vermeidung von Einsamkeit oder bei runden Geburtstagen fallen vorerst auf unbestimmte Zeit weg. „Normalerweise übergeben wir auch gerne bei runden Geburtstagen ein kleines Geschenk“, sagt Huhn. „Jetzt können wir nur noch Glückwunschkarten einwerfen. Wir freuen uns, wenn wieder mehr möglich ist.“

Auch bei den Mitgliederzahlen habe Corona Spuren hinterlassen: „Unsere Mitgliederzahl sinkt durch Todesfälle mit und ohne Corona-Erkrankungen, da der Altersdurchschnitt unserer Mitglieder sehr hoch ist“, so der Vorsitzende. Der Verein verzeichne etwa 30 bis 40 Sterbefälle pro Jahr, seit Beginn der Pandemie sei rund die Hälfte davon dazugekommen.

Neue Mitglieder anwerben ist eine Herausforderung in der Corona-Zeit

Dadurch, dass die Aktivitäten des Vereins größtenteils ruhen, sei es auch schwer, neue Mitglieder oder Helfer anzuwerben. „Wir würden uns natürlich freuen, wenn wir für unsere ehrenamtliche Tätigkeit auch junge Leute gewinnen könnten, die sich im Vorstand engagieren möchten.“

Hilfsmittel können über Bernhardt Arndt unter Telefon 06181 492264 angefragt werden. Die ehrenamtlich tätige Krankenschwester Karla Srostlik ist unter Telefon 06181 84977 erreichbar. Alle Leistungen sind für KPV-Mitglieder kostenlos, der Jahresbeitrag pro Familie liegt bei acht Euro. (Jasmin Jakob)

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