Aufruhr um Jungfuchs

Unbekannter zeigt Wildtierfreunde wegen Haltung eines einzelnen Fuchswelpens an

Ferdis neue Freundin ist noch etwas schüchtern und versteckt sich hinter dem etwa anderthalb Wochen jüngeren Fuchsrüden.
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Ferdis neue Freundin ist noch etwas schüchtern und versteckt sich hinter dem etwa anderthalb Wochen jüngeren Fuchsrüden.

Seit einigen Wochen wird das Fuchsjunge Ferdi bei den Wildtierfreunden in Maintal aufgepäppelt – das passt nicht allen: Ein Unbekannter hat den Tierschutzverein angezeigt.

Maintal – Der Medienrummel um Fuchsfindelkind Ferdi hat in Maintal für Aufregung gesorgt. Denn kurz nach den Fernsehbeiträgen und Zeitungsberichten ging beim Veterinäramt des Main-Kinzig-Kreises ein telefonischer Hinweis ein: Der Fuchs werde alleine und damit nicht artgerecht gehalten, darüber hinaus zu sehr an den Menschen gewöhnt. Auch die Kompetenz der Wildtierfreunde wurde offenbar von der Person in Zweifel gezogen, die am Telefon Anzeige gegen den Tierschutz-Verein erstattet hat.

„Wo soll ich denn ein weiteres Fuchsbaby hernehmen?“, fragt Tierschützerin Sabine Klein auf Anfrage unserer Zeitung immer noch sichtlich verärgert über die Anzeigevorwürfe. „Ich kann doch nicht einfach in den Wald gehen und einer Fuchsmutter ihr Kind entreißen.“ Klein hatte das Fuchsbaby Ferdi, das vor einigen Wochen von einem Landwirt mutterseelenallein auf einem Feld gefunden wurde, mit der Flasche aufgepäppelt (wir berichteten). Prinzipiell finde sie es wichtig, dass das Veterinäramt solchen Hinweisen nachgehe – verstehen, warum sie jemand angezeigt habe, könne sie dennoch nicht. „Wir lassen unsere Tiere von Tierärzten versorgen und tragen alle Kosten selbst.“

Wildtierfreunde Maintal kümmern sich regelmäßig um in Not geratene Fuchsbabys

Dass Ferdi alleine gehalten wurde, sei der Notsituation heraus geschuldet, dass er alleine gefunden wurde. „Natürlich nehmen wir lieber mehrere Fuchskinder gleichzeitig auf, aber wenn eines alleine gefunden wird, können wir nicht einfach andere Füchse aus dem Ärmel schütteln.“ Erst wenn weitere Fuchsbabys in einem ähnlichen Alter aufgenommen würden, könne man die zusammensetzten. Auch andere Wildtierpflegestationen würden laut Klein so verfahren. Dass weitere Füchse hinzukommen, sei darüber hinaus sehr wahrscheinlich. Denn die Wildtierpflegestation nehme jedes Jahr rund zehn verwaiste Füchse auf, die auf dem Vereinsgelände in Maintal aufgepäppelt werden, bis sie von einem weiteren Tierschutzverein in ihren natürlichen Lebensraum entlassen werden können.

Tierpflegerin Sabine Klein hat Ferdi mit der Flasche groß gezogen, mittlerweile gehen beide auf Abstand.

So konnte auch Ferdi noch vor Überprüfung der Vorwürfe durch das Veterinäramt mit einer etwa gleichaltrigen Artgenossin zusammengesetzt werden, sodass die Anzeige fallen gelassen wurde. Das Veterinäramt bestätigte auf Anfrage unserer Zeitung, dass sich die angezeigten Vorwürfe bei einer Kontrolle vor Ort als unrichtig herausstellten: „Im Rahmen der Überprüfung der Anzeige stellten sich die angezeigten Vorwürfe als haltlos dar. Die tierschutzrechtliche Erlaubnis der Wildtierfreunde deckt Füchse ab und der Welpe wurde dort nicht alleine gehalten.“

Ferdi Fuchs hat eine neue Spielkameradin bei den Wildtierfreunden in Maintal gefunden

Ferdis neue Mitbewohnerin ist etwa anderthalb Wochen älter als er. Die junge Fähe wurde in Gelnhausen ohne Mutter und Geschwister gefunden und bei den Wildtierfreunden abgegeben. Einen Namen soll sie nicht bekommen. „Wir versuchen natürlich zu den Tieren keine allzu enge Beziehung aufzubauen“, sagt Klein. „Das fällt mir schon schwer genug.“

Von der Flasche ist Ferdi mittlerweile entwöhnt und lässt sich von Menschen nicht mehr so gern anfassen. „Ich füttere ihn auch gar nicht mehr“, sagt Klein. Dass andere Pfleger nach und nach diese Aufgabe übernehmen, sei Teil des Auswilderungsprozesses. „Dadurch verlieren Füchse ganz schnell den Bezug zu Menschen.“

Die Flasche will Ferdi nicht mehr – Geflügel ist die neue Leibspeise des Jungfuchs

An den Geschmack von Geflügel hat der junge Fuchs, der vor einer Woche noch genüsslich schmatzend die Hundeaufzuchtmilch aus der Flasche getrunken hatte, sich gewöhnt. Mit Ferdis Wachstum hat auch sein Appetit zugenommen, wie Klein erzählt. Dass er sein Futter jetzt teilen muss, mache ihm nichts aus. Denn Ferdi freue sich sehr über seine neue Freundin. „Sie verstehen sich sehr gut, schmusen miteinander und teilen sich ihr Fressen“, erzählt Klein. Bis zu ihrer Auswilderung sollen die beiden zusammenbleiben. „Sie sind ein eingespieltes Team“, sagt Klein. „Es kann sein, dass sie als Paar zusammenbleiben oder sich mit Geschlechtsreife trennen.“

Ferdis neue Leibspeise ist Geflügel: Selbst jagen kann der kleine Fuchs jedoch noch nicht.

Beide Fuchskinder werden noch acht Wochen bei den Wildtierfreunden bleiben, bis sie an den Verein Tierart in der rheinland-pfälzischen Gemeinde Maßweiler übergeben werden, wo sie Schritt für Schritt auf die Auswilderung vorbereitet und schließlich in die Freiheit entlassen werden.

Fuchsbabys müssen vor Auswilderung noch Jagen lernen

Bis es so weit ist, müssen die Füchse noch lernen, ihr Essen selbst zu jagen. Wenn sie sich selbst ernähren können, wird die Tür des Fuchsgeheges geöffnet und sie dürfen ihre neue Umgebung erkunden. „In der Regel kommen die Füchse am Anfang noch zum Fressen zur Auffangstation zurück. Dort werden sie anfangs zugefüttert, damit sie einen leichteren Start haben. Irgendwann bleiben sie dann einfach weg.“ Menschenbezogen seien sie dann nicht mehr. (Jasmin Jakob)

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