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Feuerwehr braucht mehr Hauptamt: Maintal laut Analyse in höchster Gefahrenstufe

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Von: Michael Bellack

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Die Feuerwehren in Maintal geraten werktags an ihre personellen Grenzen. Hauptamtliche Kräfte könnten Abhilfe schaffen.
Die Feuerwehren in Maintal geraten werktags an ihre personellen Grenzen. Hauptamtliche Kräfte könnten Abhilfe schaffen. © Mike Bender (Archiv)

Maintal – In einer Sondersitzung hat sich der Haupt- und Finanzausschuss mit der Frage beschäftigt, wie die Maintaler Feuerwehr zukunftsfähig aufgestellt werden kann und muss. Klar ist, dass mehr hauptamtliche Stellen geschaffen werden müssen, um den Anforderungen gerecht zu werden.

Die Beratungsfirma Dr. Ruhrmann und Kollegen, die ihren Schwerpunkt auf Gefahrenabwehr gelegt hat und mehr als 300 Feuerwehren betreut, hat die bisherige Ausgangssituation und Herausforderungen in der Zukunft analysiert. Wie Referent Sebastian Opper erläuterte, habe man sich dabei an den gesetzlichen Anforderungen und den Anforderungen der Stadt Maintal an die Feuerwehr orientiert. Denn wie und in welchem Maße die Feuerwehr ausgerüstet sein muss, ist in Deutschland klar geregelt.

„Die Feuerwehr muss leistungsfähig innerhalb von zehn Minuten nach Alarmierung vor Ort sein. Leistungsfähig bedeutet, dass eine Staffel, das sind sechs Leute, am Einsatzort ist und eine Führungskraft mit der Erkundung begonnen hat“, erklärte Opper. Ob die Feuerwehren ehrenamtlich oder hauptamtlich besetzt sind oder es eine Mischform gibt, spielt dabei keine Rolle. Neben der Personenzahl ist auch die nötige Ausstattung für die jeweiligen Alarmstufen klar geregelt und auch, welche Feuerwehrleute mit welcher Ausbildung vor Ort sein müssen.

Die entsprechenden Vorgaben richten sich auch nach den Gegebenheiten in einer Kommune selbst. Die sogenannte Risikostruktur wird ermittelt durch die Art der Gebäude und der Nutzung, die Verkehrsinfrastruktur, Gefahren auf und an Gewässern sowie mögliche chemische oder atomare Gefahren durch ansässige Betriebe.

„Für das Stadtgebiet in Maintal gilt in allen Bereichen die höchste Gefährdungsstufe“, stellt Opper klar – dementsprechend höher müssen auch die personellen und technischen Kapazitäten sein. Und auch wenn man die gesetzliche Pflicht erfüllt, können in Einsatzsituationen mehr Einsatzkräfte und Fahrzeuge benötigt werden.

Bei den Feuerwehren in Maintal hat die Analyse ergeben, dass die Problematik beim Personal liegt. Vor allem in Bischofsheim und Wachenbuchen, aber auch in Hochstadt, wenn man eine Ausfallreserve berücksichtigt. Hauptproblem: Die freiwilligen Feuerwehrleute sind berufstätig. 71 Prozent der Einsätze finden werktags statt, 66 Prozent davon zwischen sechs und 18 Uhr. „Ein klassischer Einsatz ist zum Beispiel eine Türöffnung. In der Alarmstufe eins sind da schon sieben Feuerwehrkräfte im Einsatz“, rechnete Opper vor. Beim ersten Alarm des Tages seien statisch gesehen 100 Prozent der Kräfte einsatzbereit.

Beim zweiten Alarm am Tag jedoch nur noch 50 Prozent. „Das liegt einfach oft daran, dass die Feuerwehrleute nicht mehrmals am Tag von der Arbeit wegkönnen. Beim ersten Mal ist das für den Chef in Ordnung, beim zweiten Mal sagt er: Du bleibst hier“, sagte Opper. Ist der zweite Alarm des Tages ein größerer Einsatz, stehe man bereits vor einem großen Problem. „Das ist dann oft Zufallsprinzip, wer da ist.“ Dementsprechend klar fiel das Fazit der Analyse aus: Eine Etablierung einer hauptamtlichen Feuerwehr in Größe einer Staffel (sechs Personen) ist in Maintal erforderlich.

Die Feuerwehren in Maintal geraten werktags an ihre personellen Grenzen. Hauptamtliche Kräfte könnten Abhilfe schaffen. Archiv
Die Feuerwehren in Maintal geraten werktags an ihre personellen Grenzen. Hauptamtliche Kräfte könnten Abhilfe schaffen. Archiv © Mike Bender

In der anschließenden Diskussion im Ausschuss wurde deutlich, dass die Stadtverordneten und der Magistrat eine Aufstockung der Feuerwehr, bisher stehen zwischen zwei und drei hauptberufliche Feuerwehrleute in Dörnigheim bereit, befürworten. Noch nicht geklärt werden konnte, wie diese Aufstockung umgesetzt wird.

Schließlich unterschreitet man bei sechs hauptamtlichen Stellen im Falle von Urlaub und Krankheit wieder die Staffelstärke. „Gehen wir von einem Trupp von sechs Personen aus. Diese arbeiten von 6 bis 18 Uhr, fünf Tage die Woche. Das sind schon anderthalb Stellen. Schon werden aus sechs Personen neun“, gab Friedhelm Duch (Grüne) zu bedenken. Ähnlich sah es Jörg Schuschkow (WAM): „Wir wollen wissen, wo die Reise hingeht. Wie viele hauptamtliche Stellen brauchen wir? Wir wollen der Feuerwehr nichts vorenthalten, sondern ihr geben, was sie braucht“, so Schuschkow. Er erwartet vom Magistrat eine Vorlage, wie viele Stellen benötigt werden, um die Anforderungen zu erfüllen. „Wir stimmen für jede Stelle, die erforderlich ist“, stellte er klar.

Von Michael Bellack

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