Maintal

Florian Lübke gibt Einblick in die Arbeit als Grafitti-Künstler

Arbeiten zwischen klassischem Graffiti und Pop-Art im Stile der Großen der 1960er Jahre. Der Maintaler Florian Lübke will sich in seiner Arbeit nicht auf Stilrichtungen festlegen lassen. Auch, um sich kreative Freiheiten zu bewahren. Foto: Jan Max Gepperth

Maintal. Das Gebäude des ehemaligen Dörnigheimer Bahnhofs fällt sofort ins Auge. Es ist mit Graffiti verziert, die unterschiedliche Motive der Stadt zeigen. Da sind das historische Schützenhäuschen in Hochstadt oder die Dörnigheimer Kirche nur einige Beispiele.

Von Jan Max GepperthWährend ich noch das Kunstwerk betrachte, nähert sich ein junger Mann mit Sonnenbrille und schwarzer Kleidung. Seine Arme und Beine sind mit Tattoos verziert und er strahlt eine offene Freundlichkeit aus. Der jugendlich wirkende Mann hört auf den Namen Florian Lübke, ist Grafikdesigner und Graffiti-Künstler. Ich treffe mich heute mit ihm, um über seine Arbeit und Erfahrungen zu sprechen.

Bereits zu Beginn diskutieren wir über die Geschlechterverteilung in der Graffiti-Szene. „Ich selbst sehe mich als Feminist“, stellt Lübke zu Beginn gleich klar. „Aber mir fällt auf, dass die Männer in der Kunstszene einfach präsenter sind. Das finde ich schade.“

Arbeit mit Frauen sei angenehmer

In Bezug auf dieses Thema schildert der gebürtige Maintaler auch wie unterschiedlich er die Arbeitsweise der Geschlechter in der Branche wahrnimmt. „Ich habe gemerkt, dass Männer sich eher profilieren und im Fokus stehen wollen. Frauen denken vernetzter. Sie können, meiner Erfahrung nach, wesentlich besser koordinativ-kreativ arbeiten.“, beschreibt er.

Das Gruppengefühl und Gruppenbildung würden heutzutage besser klappen als noch vor einigen Jahren, so Lübke. „Weil man sein Ego hinter die Gruppe stellt, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen. Und hier merke ich immer öfter, dass Frauen kompromissbereiter sind, als Männer“, fasst er zusammen. Eine direkte Auswirkung auf die künstlerische Qualität der Arbeit habe dies zwar nicht, jedoch sei das Arbeiten so angenehmer.

Eltern waren beide in kreativen Berufen

Momentan sei die Branche noch immer sehr maskulin geprägt. Aber das Interesse bei Frauen an der Graffiti-Kunst steige. „Das sehe und merke ich immer stärker bei Workshops oder Projekten.“ Während unseres Gesprächs merkt man, dass Lübke sich wirklich für das Thema interessiert und wie sehr ihn die kreative Arbeit begeistert. Er gestikuliert bei seinen Schilderungen, und seine Stimme sprüht vor Leidenschaft.

Lübke kam zur Kunst wie andere zum Fußball kommen. „Ich habe früh angefangen und wurde dann gefördert.“ Das sei bei seinen Eltern auch nicht verwunderlich. Während seine Mutter als Filmcutterin gearbeitet hatte, war sein Vater Fotograf und Kameramann. Dieser hatten für den Hessischen Rundfunk unter anderem beim Tatort und der Augsburger Puppenkiste gearbeitet.

„Grafik und Design sind einfach perfekt für mich.“

Vor diesem familiären Hintergrund wurde sein künstlerisches Interesse gefördert, das er dann auch in einem Kommunikationsdesign- sowie einem Design-Studium fortführte. „Grafik und Design sind einfach perfekt für mich. Da kann ich alle meine Interessen miteinander verbinden.“

Seinen ersten richtigen Auftrag bekam Lübke übrigens auch über seinen Vater. „Bei Polizeiruf 110 sollte eine Fläche im Graffitistyle gestaltet werden“, erinnert er sich. „Mein Vater hat mich dann mit dem Regisseur in Kontakt gebracht, so dass dieser mir erklären konnte, was er sich vorstellt.“ Diese Arbeit war eine Art Initialzündung für den Gestalter. „Ich habe gemerkt: „Hey, ich krieg dafür ja Geld und habe eine coole Aufgabe.“

„Der Kunde kriegt eine schöne Arbeit, und ich bekomme was für mein Portfolio.“

Jedoch ist Lübke auch für Privatleute verfügbar. „Ich arbeite für jeden, der eine Fläche gestaltet haben möchte“, fasst er sein Prinzip zusammen. Hierbei sei er auch bei dem Budget flexibel. „Je weniger Budget verfügbar ist, desto mehr kreative Freiheit möchte ich gewährt kriegen“, erklärt Lübke. Damit erhoffe er sich eine Art Win-Win-Situation. „Der Kunde kriegt eine schöne Arbeit, und ich bekomme was für mein Portfolio.“

Für die Arbeit brauche er erst seinen Kopf, einen Zettel und einen Stift. „Ich beobachte die Dinge und lasse mich inspirieren.“ Für die Umsetzung benötige er dann klassische Farben, Roller, Pinsel, ganz viel Klebeband und natürlich Sprühdosen. „Da kann man aber nicht jede Dose aus dem Baumarkt nehmen“, stellt er klar. Für Graffiti gebe es spezielle Sprühdosen in Künstlerfachgeschäfte. Diese haben nicht nur eine höhere Qualität und bessere Handhabung, sondern könnten sogar noch mit unterschiedlichen Aufsätzen ergänzt werden. „Insgesamt bewegt man sich dann in einem Bereich von fünf Euro pro Dose.“

Umweltfaktor ist ein Dorn im Auge

Die unterschiedlichen Aufsätze ermöglichen es Lübke, unterschiedlich fein zu arbeiten. An seinem Kunstwerk am Bahnhof zeigt er mir, wie detailreich er wegen der feinen Aufsätze teilweise arbeiten kann. „Ich kann dann beispielsweise Blumentöpfe oder Gardinen an den Fenstern platzieren“, erklärt er und deutet auf eines der Details.

Das Problem bei der Arbeit mit Sprühdosen sei aber vor allem der Umweltfaktor, gibt der bekennende Vegetarier zu. „Wenn das Ding leer ist, hast du halt Müll. Gerade als jemand, der versucht, umweltbewusst zu leben, habe ich einen schwierigen Pfad bei der Arbeit beschritten“, gesteht er. Man merkt bei diesem Thema, dass ihn dieses Problem nicht kalt lässt. Dennoch stellt er klar, dass er trotzdem nie mit dieser Arbeit aufhören würde.

Man muss die Gesundheit immer beachten

Auch verweist Lübke auf die Gesundheitsrisiken bei der Arbeit. „Die Pigmente sind da nicht das Problem“, stellt er klar. „Gefährlicher sind da die ganzen Lösungsmittel. Daher ist es sehr wichtig, auf die Gesundheit zu achten.“ Noch schlimmer seien fast die auf Wasser basierenden Dosen. „Durch das Wasser können die in der Lunge noch stärker aufgenommen werden.“

Wegen dieser gesundheitlichen Aspekte sei auch die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen nicht unproblematisch. Er biete zwar solche Kurse an, stelle jedoch klar, dass man nicht einfach „ein bisschen sprühen könne“, wie sich das manche Lehrer oder Betreuer vorstellen. „Es kann schon einmal passieren, dass die sich versehentlich ansprühen, weil sie den Kopf falsch herum haben. Da muss man auf die Gesundheit achten.“

Als wir uns verabschieden, stellt der als angestellter Designer arbeitende Florian Lübke klar, dass ihn das öffentliche Interesse freue. Es sei schön zu merken, dass die Anerkennung seiner Kunst steige, denn darum gehe es. „Ich denke, dass es nicht darum geht, selbst im Fokus zu stehen, dass es darum geht, etwas Schönes zu erschaffen.“

Quelle: Hanauer Anzeiger

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare