Gespräch mit Stadt im Oktober

Fragezeichen um Hochstädter Weihnachtsmarkt 2020: Fallen Glühwein und Lebkuchen coronabedingt aus?

Weihnachtsmarkt-Organisator
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Gut besucht und äußert beliebt: der Hochstädter Weihnachtsmarkt. Ob er in diesem Jahr stattfinden kann, steht noch in den Sternen.

„Ich sehe schwarz für den Hochstädter Weihnachtsmarkt am zweiten Adventswochenende.“ Skeptisch blickt Hans-Jürgen Schmitt, Organisator der vorweihnachtlichen Großveranstaltung auf der Hochstädter Hauptstraße, auf das Ende des „Corona-Jahres“ 2020.

Maintal –Seit 40 Jahren zieht der Weihnachtsmarkt alljährlich im Dezember jeweils gut 5000 Besucher an Samstag und Sonntag unter die Lichterketten und an die Buden auf der Fachwerkstraße. Der Grund, weshalb Schmitt bereits jetzt – im Hochsommer – Alarm schlägt, ist ein sehr einfacher: Eine solche Festivität braucht lange Vorbereitungszeit und Planungssicherheit.

Die aber sei aktuell nicht gegeben. Rund 70 Standbetreiber und mehr als 50 Künstler, die sich normalerweise am parallel laufenden Hobby-Künstlermarkt im Bürgerhaus beteiligen, hängen derzeit in der Luft. Lassen die Pandemiemaßnahmen das Ereignis überhaupt zu? Und wenn ja: Welche Vorkehrungen sind zu treffen, um den Schutz der Bevölkerung vor Infektion mit dem Sars-Cov2-Virus zu gewährleisten?

Weihnachtsmarkt in Hochstadt: Gespräche mit Stadt Maintal im Oktober

Zum jetzigen Zeitpunkt kann wohl niemand diese Fragen exakt beantworten, ein Gespräch mit der Stadt Maintal als Genehmigungsbehörde über das Procedere soll am 6. Oktober stattfinden. Doch ob sich bis dahin die Corona-Situation grundlegend geändert hat, insbesondere ein international zugelassener Impfstoff gegen das tückische Virus oder ein wirksames Arzneimittel gegen die lebensbedrohliche Erkrankung entwickelt worden ist, ist ungewiss. So hat sich Schmitt an unsere Zeitung gewandt, um bereits jetzt auf die Problematik öffentlich aufmerksam zu machen.

Hans-Jürgen Schmitt ist Weihnachtsmarkt-Organisator in Hochstadt

„Wir haben uns im Förderverein Hochstädter Weihnachtsmarkt schon vor einigen Wochen, als wir die Einladungen an die Standbetreiber aus den Vorjahren verschickt haben, Gedanken über ein Hygienekonzept gemacht“, erklärt der 70-Jährige, der vor seiner Arbeit als Vereinsvorsitzender und Organisator auch jahrzehntelang im Hochstädter Kleingartenverein aktiv war und noch immer ist. „Die Einladungen ergingen natürlich alle unter Vorbehalt. Es gibt jedoch bereits etliche Zusagen für den Fall, dass ein Weihnachtsmarkt am zweiten Adventswochenende stattfindet.“

Weihnachtsmarkt in Hochstadt ist eine Großveranstaltung

Unzweifelhaft ist der Weihnachtsmarkt eine Großveranstaltung, aber auch ähnlich einem Floh- oder Wochenmarkt. Die sind in Hessen derzeit nicht grundsätzlich verboten, solange bestimmte Auflagen erfüllt werden – wie beispielsweise das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung („Maske“) oder das Einhalten eines Mindestabstands von 1,50 Metern zwischen Personen, die nicht dem gleichen Haushalt angehören. Wobei das sowohl für Besucher als auch Betreiber gilt.

Ein Problem scheint aber der Glühweinstand zu sein, und was wäre ein Weihnachtsmarkt ohne das Heißgetränk? Es dürfte zwar verkauft, nicht aber auch am Stand getrunken oder verzehrt werden. „Zum Verzehr müssen Sie sich mindestens an den Rand des Wochenmarktes in einen Bereich außerhalb üblicher Verkehrswege begeben oder in einen allgemeinen, abgesperrten und gekennzeichneten Verzehrbereich des Wochenmarktes“, lautet ein aktueller Passus in der „Corona-Kontakt- und Betriebsbeschränkungsverordnung (CoKoBeV)“. Die Frage, die sich für Schmitt stellt, ist die: Wo in der engen Fachwerkstraße könnte möglicherweise eine solche „Verzehrzone“ eingerichtet werden? Und halten sich alle dann auch noch, wenn sie den entsprechenden Alkoholpegel haben, an den erforderlichen Mindestabstand? Abgesehen davon, dass die Zahl der „Maskenmuffel“ oder gar Maskenverweigerer bereits heute zunimmt, ist der Marktbetreiber – also der Verein – den Gesundheits- und den Ordnungsbehörden gegenüber haftbar für die Einhaltung der Hygienevorschriften. Was der Organisator einer Demonstration jüngst in Berlin, bei der Tausende von Demonstranten keinerlei Mund-Nasen-Bedeckungen trugen, schmerzlich erfahren musste: Die Demonstration wurde von der Polizei aufgelöst, der Veranstalter erhielt eine Strafanzeige.

Maintal: Diverse Möglichkeiten für die Gestaltung des Weihnachtsmarkts in Hochstadt werden diskutiert

„Wer übernimmt die Verantwortung, wenn auf dem Weihnachtsmarkt gegen die Bestimmungen verstoßen wird?“, fragt Schmitt. Eine Überlegung des Vereins ist durchaus, den Markt kleiner zu machen. Etwa beschränkt auf dem Rathaus-Außengelände vor der katholischen Kirche. Oder auch Alkohol grundsätzlich nicht auszuschenken.

Aber ein Weihnachtsmarkt ohne Glühwein? Für das Spülen von Gläsern, Tassen oder Tellern ist im Hygienekonzept vorgesorgt; es soll an zentraler Stelle eine gewerbliche Spülmaschine installiert werden. Desinfektion und Händewaschen seien ebenfalls im Konzept geregelt, so Schmitt. Ein Problem stelle noch die Weihnachtsbeleuchtung dar. Denn dort, wo die Lichterketten an den Hauswänden in der Hauptstraße befestigt werden, müssten wohl die Halterungen neu eingeklebt werden. Sie sind immerhin über 20 Jahre alt.

Der Hochstädter Weihnachtsmarkt hat eine lange Tradition, der erste fand im Jahr 1980 statt. Ob er in diesem Jahr stattfinden kann, steht allerdings derzeit noch in den Sternen.

Von Rainer Habermann

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