Wahlkampf in Hochstadt

Gesundheitsminister Jens Spahn in Maintal: Impfgegner begleiten seine Wahlkampf-Auftritte

In Pandemiezeiten ist ein Gesundheitsminister ein gefragter Mann: Es blieben beim Wahlkampfauftritt von Jens Spahn keine freien Plätze im Hochstädter Bürgerhaus.
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In Pandemiezeiten ist ein Gesundheitsminister ein gefragter Mann: Es blieben beim Wahlkampfauftritt von Jens Spahn keine freien Plätze im Hochstädter Bürgerhaus.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ist im Rahmen des Wahlkampfs in Maintal zu Gast. Sein Besuch in Maintal wird von Demonstranten begleitet.

Maintal - Jens Spahn lässt sich nicht aus der Ruhe bringen – weder von kniffeligen Fragen noch von lärmenden Impfgegnern vor Tür. Letztere, vielleicht 30, 40 Männer und Frauen, sind ihm schon den ganzen Tag durch Hessen gefolgt. Die Polizei ist fast in gleicher Mann-Stärke vor Ort. Für Spahn sind die Fragesteller die Wichtigeren, „mit den anderen kommen Sie eh nicht ins Gespräch“.

Auf Einladung der CDU-Bundestagsabgeordneten Dr. Katja Leikert ist Spahn an diesem Freitagnachmittag ins Bürgerhaus Hochstadt gekommen. Mehr als eine Stunde nimmt er sich Zeit. Die zehn Stuhlreihen stehen akkurat, alle Plätze sind gefüllt, etwas mehr als 80 Zuhörer sind im Saal. In der ersten Reihe sitzen Katja Leikert, der Landtagsabgeordnete Max Schad und der Maintaler CDU-Bürgermeisterkandidat Götz Winter.

Jens Spahn verspricht: Kein Lockdown mehr für Geimpfte

Die Menschen im Saal haben jede Menge Fragen. Bevor sie sie stellen dürfen, hat der Bundesgesundheitsminister das Wort. „Die Corona-Pandemie war und ist Stress, aber wir haben sie in Deutschland bisher gut gemeistert“, so Spahn. In Großbritannien seien die Todeszahlen doppelt so hoch wie in Deutschland.

Einschränkungen? Nächster Lockdown? Für die Geimpften werde es das mit ihm nicht geben. „Die Pandemie ist längst eine der Ungeimpften.“ 95 Prozent der an Corona Erkrankten in den Kliniken seien ungeimpft.

Auch er bekam Redezeit: Maintals CDU-Bürgermeisterkandidat Götz Winter.

Gesundheitsminister Jens Spahn sucht den Dialog

Miteinander im Dialog bleiben, sich Kritik stellen: Wer Jens Spahn in den vergangenen Monaten beobachtet hat, weiß, dass das keine Floskeln sind. Und so sucht er auch in Maintal den Dialog. Da ist eine Frauenärztin aus Erlensee, die die überbordende Bürokratie in Deutschland bemängelt. Spahn erwidert, durch eine starke Digitalisierung bekomme man auch dieses Problem in den Griff, räumt aber ein, dass da in der Vergangenheit zu wenig geschehen sei: „Das Fax vom Labor ins Gesundheitsamt ist ja keine Legende gewesen. Es war Realität.“

„Warum gibt es keine Impfpflicht“, will ein zwölf Jahre alter Junge wissen. „Weil freiwillig besser als verpflichtend ist“, sagt Spahn, sonst sei Spaltung vorprogrammiert. Er stellte in Aussicht, dass es eine Frage von Monaten, vielleicht sogar nur Wochen sei, bis auch Kinder unter zwölf Jahren geimpft werden könnten. Bis dahin, appellierte er an die Bürger, liege es an ihnen, die Kleinen, die so viel entbehren mussten, zu schützen.

Jens Spahn besucht Maintal: Pfleger übt Kritik an Politik

Philipp Lorenz will Pfleger werden, ist mit zwei weiteren Pflegeschülern der Hanauer Martin-Luther-Stiftung und einer Ausbilderin ins Bürgerhaus gekommen. Er will wissen, warum den vielen Ankündigungen über Verbesserungen im Pflegesektor nur wenige Taten gefolgt seien. Dazu Spahn: „Wir sind auf dem Weg dahin, Politik kann aber die offenen Stellen nicht besetzen.“ Spahn appelliert an die Beschäftigten im Pflegesektor, für ihre Berufe zu werben und sich besser zu organisieren.

„Sie sitzen am längeren Hebel. Ich will zwar nicht zum Generalstreik aufrufen, aber wir können in Berlin nicht alle Probleme lösen.“ Gar nicht so einfach, bemerkt der angehende Pfleger Philip Lorenz in der Nachbetrachtung der Diskussion: „Anders als beispielsweise die Bahngewerkschaft GDL können wir nicht massiv streiken, weil wir die Menschen dann im Stich lassen würden“, sagt er.

Gut geschützt: Ein großes Polizeiaufgebot schirmte den Minister vor der Halle ab.

Pflegekräfte im Ausland zu akquirieren, wie beispielsweise aus Rumänien und anderen osteuropäischen Staaten, wie es ein Zuhörer fordert, ist für Spahn keine Lösung. „Ich kann meinen Kollegen in Rumänien nicht noch mehr Personal wegnehmen. Die Kliniken haben dort ohnehin schon keine Leute mehr.“ Abkommen seien bestenfalls mit Staaten wie Mexiko möglich, in denen es in diesem Sektor eine hohe Arbeitslosigkeit gebe.

Gesundheitsminister Jens Spahn mit weiteren Auftritten im Wahlkampf

Die Frage einer selbstständigen Physiotherapeutin, die seit ihrer Impfung im April nach wie vor berufsunfähig ist, umschifft der Berufspolitiker Spahn galant. Sie will wissen, wie die Regierung in ihrem Fall unterstützen kann. Spahn verweist auf die allgemeinen Überbrückungshilfen für Solo-Selbstständige. Dann neigt sich die Zeit bei Spahns siebten Wahlkampfauftritt des Tages dem Ende entgegen.

Die Demonstranten stehen immer noch am Eingang, Spahn verschwindet durch die Hintertür. Seine Reise wird ihn jetzt in die Main-Kinzig-Kliniken nach Gelnhausen führen, um ins Gespräch zu kommen. Diesmal aber nur im kleinen Kreis. (Von Yvonne Backhaus-Arnold Und Holger Weber-Stoppacher)

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