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Großer Streik vor Firmenzentrale von Norma - Das ist der Grund

Am Dienstag gab es einen großen Streik vor der Firmenzentrale von Norma. Knapp 300 Personen waren in Maintal bei Frankfurt vor Ort. 

  • Am Dienstag fand ein großer Streik inMaintal bei Frankfurt statt
  • Die Menschen hatten sich vor der Firmenzentrale von Norma versammelt
  • Über 300 Arbeitnehmer waren vor Ort

„Zukunft wollen wir, deshalb sind wir hier“, skandierten am Dienstag um fünf vor 12 Uhr über 300 Beschäftigte vonNorma Germany vor der Firmenzentrale an der Edisonstraße. Anlass zu dem von IG Metal und Betriebsrat initiierten Warnstreik waren die vor Kurzem bekannt gewordenen Pläne des Managements, mindestens 159 Arbeitsplätze in Dörnigheim zu streichen, das Werk Gerbershausen in Thüringen mit 160 Beschäftigen komplett zu schließen und die Produktion nach Tschechien zu verlagern. 

Unterstützt von Delegationen von ThermoFisher aus Langenselbold, Vacuumschmelze aus Hanau und Honeywell aus Maintal machte die seit dem 1. April in Kurzarbeit geschickte Belegschaft zur parallel stattfindenden virtuellen Hauptversammlung der börsennotierten Norma Group ihrem Unmut über die Pläne der Firmenleitung Luft. „Das ist ein Generalangriff auf alle Beschäftigten, die mögliche Verlagerung der Produktion des Produkts Torro 12 nach Maintal nur eine äußerst vage Zusage, ohne die noch einmal rund 50 Arbeitsplätze in Maintal in Gefahr wären“, stellte der 1. Bezirksbevollmächtigte der IG Metall Hanau-Fulda, Robert Weißenbrunner, fest. 

Maintal bei Frankfurt: Gewerkschaft forderte die Firmenleitung von Norma zur Verhandlung von Zukunftskonzepten auf

„Mit der Drohung der Verlagerung nicht nur der Produktion, sondern auch von Logistik und Verwaltungsaufgaben nach Tschechien will das Management am Standort Maintal massive Einkommenseinbußen und längere Arbeitszeiten durchsetzen. Wir müssen uns auf eine längere Auseinandersetzung einstellen“, beschwor der Gewerkschafter die Kollegen. Er forderte die Firmenleitung auf, statt mit dem Abbau von Arbeitsplätzen in Gerbershausen und Maintal zu drohen, gemeinsam mit dem Betriebsrat und der IG Meta l über Zukunftskonzepte zu verhandeln, um Stellen an beiden Standorten zu erhalten und die Anteile von Norma im Automobilzuliefermarkt zu erhalten und auszubauen. Ein „vergiftetes Angebot“ habe das Management vorgelegt, warf Betriebsratsvorsitzender Klaus Ditzel der Firmenleitung vor, durch den Vergleich mit Löhnen und Kosten in Tschechien soll ein massiver Abbau von Leistungen durchgesetzt werden. 

Damit kein Arbeitsplatz verloren geht: Zum Abschluss des Warnstreiks und der Kundgebung formierten die über 300 Beschäftigten eine Menschenkette vor der Firmenzentrale. Auch die Beschäftigten von ThermoFisher Langenselbold, Vacuumschmelze Hanau und Honeywell Maintal zeigten sich solidarisch.

Wohin die Reise gehen soll beweise, dass die Geschäftsleitung zum Jahresende alle Sozialleistungen aufgekündigt habe. Bereits 2019 seien 50 Beschäftigte freigestellt worden, „wenn das so weiter geht, droht der Abgesang auf den Standort Maintal“. Mit der Aussicht auf Aufwertung zum „Kompetenzzentrum“ soll die Belegschaft geködert werden, stellte Ditzel fest. „Tatsache ist aber, dass der Standort Dörnigheim schon seit 40 Jahren ein Kompetenzzentrum ist, denn ein Großteil der Produktpalette wurde hier von der Vorgängerfirma Rasmussen und später Norma entwickelt. Hier sitzt das Wissen um die Produkte und deren Herstellung“, so der Betriebsratsvorsitzende. 

Norma hat am Standort Maintal 20 bis 25 Prozent des weltweiten Umsatzes erwirtschaftet

In Maintal würde immer noch 20 bis 25 Prozent des weltweiten Umsatzes der Norma Group und vor Corona zehn Prozent der Gewinne nach Steuern erwirtschaftet, rechnete Klaus Ditzel vor, der seinerseits auf die Gesprächsbereitschaft des Betriebsrats über tragfähige Zukunftskonzepte hinwies. „Kapitulieren oder kämpfen, vor dieser Alternative stehen wir jetzt“, rief Tarifexperte Uwe Zabel von der IG Metall Bezirksleitung den Demonstranten entgegen. Bei einer Telefon-Liveschaltung zu den Kollegen in Gerberhausen, die zum gleichen Zeitpunkt wie die Maintaler vor das Werk gezogen waren, betonte Zabel, „kein Standort ist zuviel“, das Norma-Management wolle einen exemplarischen Fall für die gesamte Zulieferindustrie durchboxen.

 „Was wir in dieser Situation brauchen, ist ein hoher Organisationsgrad in allen Firmenbereichen“, forderte Zabel. Ohne massive Gegenwehr sei der Kampf von vornherein zum Scheitern verurteilt. Zum Abschluss der Kundgebung formierten die Beschäftigten eine Menschenkette entlang des Firmengeländes, denn „wir wollen keinen einzigen Arbeitsplatz aus dem Werk verlieren“, begründete Betriebsratsvorsitzender Klaus Ditzel die Aktion.

Quelle: Hanauer Anzeiger

Rubriklistenbild: © Jan Max Gepperth

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