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Hochstädter Humoristen läuten den Sitzungsreigen ein

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Das Männergruppenstück nimmt das Treiben auf dem Hochstädter Wochenmarkt aufs Korn. Foto: Kalle
Das Männergruppenstück nimmt das Treiben auf dem Hochstädter Wochenmarkt aufs Korn. Foto: Kalle

Maintal. „Heut' ist Karneval im Bürgerhaus in Hochstadt.“ Mit dieser Liedzeile beginnt jede Sitzung des Humor-Musik-Vereins „Edelweiß“. Auch am vergangenen Samstag gab Klaus Hahn den Startschuss für das gut vierstündige Programm mit einer Mischung aus Tanzdarbietungen, Wortbeiträgen und Gesang.

Von Martina Faust

Karneval kann jeder, mag man leichthin sagen. Doch ganz so einfach ist die Sache nicht. Erst recht nicht, wenn der eigene Anspruch Material aus der Konserve oder den Weiten des Internets verbietet und stattdessen auf handgemachte Fastnacht setzt – wie der HMV. Ob Textbeitrag, Choreographie oder Kostüme, alles entsteht in den vereinseigenen „Werkstätten“. Und gerade das macht die Sitzungen der Humoristen so interessant. Denn hier findet sich neben allgemeinpolitischer Satire oder Persiflagen zwischenmenschlicher Erlebnisse noch eine ordentliche Prise Lokalkolorit.

Vor allem Colin Stein und Frank Walzer sind hier seit vielen Jahren Jahren die Aushängeschilder und drücken den Sitzungen ihren Stempel auf. In diesem Jahr mussten Fans der beiden spitzzüngigen Redner leider einen Abstrich hinnehmen und auf Frank Walzer verzichten. Doch für Trauer ließ Colin Stein wenig Raum.

Power-Emanze vs. Testosteron-Verfechter Als nachdenklicher Clown ließ der Hochstädter das vergangene Jahr Revue passieren, setzte sich unter anderem mit der Neuschöpfung des Begriffs „postfaktisch“ auseinander, thematisierte die Wahl des US-Präsidenten Trump, die Migrationspolitik oder die Vorwürfe des „Racial Profilings“, das er auch in Maintal entdeckte, und natürlich mit der Kommunalpolitik und Bürgermeisterin Monika Böttcher, der er bescheinigte: „Authentisch scheint se ja zu sein: Nix hat se versprochen und des hält se auch ein.“

Es sollte nicht der einzige Programmpunkt bleiben, der das parteilos Stadtoberhaupt aufs Korn nahm. Auch das „Trio“ thematisierte das moderierende Geschick Böttchers (Silvia Koffler), die sich in den Kampf der Geschlechter zwischen Power-Emanze Pia Jost und Testosteron-Verfechter Stefan Lohr einschaltet, darauf bedacht, keine Angriffsfläche, dafür aber ein fotogenes Lächeln zu bieten.

Passende LiedauswahlNicht zuletzt war das wenig pulsierende Leben auf dem Hochstädter Wochenmarkt, welches das Männergruppenstück thematisierte, ein Programmpunkt. Ernüchternd fällt für drei neugierige Kinder die Begegnung mit einem feilschenden Gemüse-, einem gelangweilten Wurstverkäufer und einem Lokalpolitiker aus, der gar nicht so genau weiß, wofür, aber zumindest für wen er wirbt.

Erneut war es eine Freude, die „Humorias“ zu erleben, die ihre Lieder seit der vergangenen Session in eine Geschichte einbinden und in diesem Jahr mit einer musikalischen Version von „Schneewittchen und die sieben Zwerge“ überzeugten. Dabei begeisterten vor allem der hör- und sichtbar genervte Spiegel, aber auch die thematisch passende Liedauswahl. Und auch Johannes Rosbach, der mit seiner Mischung aus Erzählstück und Stimmungsliedern längst zu einer festen Größe bei den Sitzungen geworden ist, heizte dem Saal ein.

TanzprojekteTänzerisch bewegten sich auch die Gruppen erneut auf hohem Niveau, begeisterten mit ihren Motiven, der Choreographie und vor allem den Kostümen, wobei hier insbesondere die Hommage an die 20er Jahre durch die Gruppe „Greenrhythm“ hervorzuheben ist, aber ebenso die Reise „Rund um die Welt“ vom Tanzprojekt.Die Idee der Humoristen, das Bühnengeschehen durch Projektionen zu ergänzen, ist aus Zuschauersicht gelungen.

Doch durch den „Umzug“ des Elferrats, der seitlich vor der Bühne sitzt, fehlt ein Element. Vielleicht ist das – neben dem Fehlen von Bühnenstar Frank Walzer oder schlichtweg der Grundstimmung des jeweiligen Publikums – ein Grund dafür, dass der Funke am Samstag nicht so leicht überspringen wollte. Auch wenn davon beim Einzug der Guggemusiker der „Hochstädter Lärmbelustigung“ längst nichts mehr zu spüren war.

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