Weinproduktion in Handarbeit

Hochstädter Winzer beenden Weinlese: Menge und Qualität diesmal unterdurchschnittlich

Von der Traube bis zum Hochstädter Wein: Isabell Stückenschneider und Gerhard Fehl befüllen die Presse.
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Von der Traube bis zum Hochstädter Wein: Isabell Stückenschneider und Gerhard Fehl befüllen die Presse.

Zu viel Regen, zu wenig Sonne – 2021 ist kein gutes Weinjahr. Der 1. Hochstädter Winzerverein spürt dies vor allem an der geringeren Menge angelieferter Trauben, die die rund 100 in dem Verein organisierten Hobbywinzer diesmal gelesen haben.

Maintal – Beim zweiten und letzten Keltertermin konnten die Weinliebhaber für die diesjährige Lese Bilanz ziehen: Rund 1000 Kilogramm Trauben weniger als im vergangenen Jahr wurden gelesen.

Im Winzerhof an der Bischofsheimer Straße lieferten die Winzer ihre Ernte in Bottichen an und ließen das Ergebnis wiegen. Wichtig war hierbei, dass faule Trauben vorab aussortiert wurden, da diese sich negativ auf die Qualität des Weines auswirken. „Wir hatten in den vergangenen Jahren Sonne pur – daran können wir dieses Jahr nicht anknüpfen, weder bei der Quantität, noch bei der Qualität“, sagt Gerhard Koffler, Präsident des Hochstädter Winzervereins, im Gespräch mit unserer zeitung. „Alle, die Wein in ihren Gärten anpflanzen und nicht gespritzt haben, konnten kaum Verwertbares lesen.“

Er schätzt, dass am Ende rund 1500 Liter Wein in Flaschen abgefüllt und zum Großteil an die Vereinsmitglieder zurückgegeben werden können. „In den vergangenen sehr guten Jahren haben wir 2000 bis 2500 Liter produziert“, erklärt der erfahrene Hobbywinzer.

Insgesamt 35 Prozent des Resultats behält der Verein ein. Die Weine werden bei Festen der Winzervereinigung ausgeschenkt und finanzieren unter anderem die Miete für den Hofs. Doch der Großteil des selbst produzierten Weines fließt an die Vereinsmitglieder zurück – Hauptgrund dafür, warum die Hochstädter Weinliebhaber rund ums Jahr den Weinberg bewirtschaften und die Reben pflegen, um jetzt im Herbst die Früchte ihrer Arbeit zu ernten.

Bei den Lese- und Kelterterminen auf dem Winzerhof kann man hautnah und Schritt für Schritt den Prozess von der Traube bis zum Wein miterleben und mit anpacken. Denn die Weinproduktion, die in großen Weingütern mittlerweile größtenteils industriell in großen Maschinen abläuft, ist eine kräftezehrende und zeitraubende Handarbeit, bei der ebenso viel Erfahrung wie Geduld gefordert ist.

Am vergangenen Wochenende wurde unter anderem Riesling, eine der beliebtesten deutschen Rebsorten überhaupt, gekeltert. Auf dem Wingert am Hohen Rain in Hochstadt baut der Verein aber auch Johanniter, Gutedel, Regent, Cabernet cortis und die Wildrebe Vitis riparia an, aus der der Traditionsrotwein „Roter Hochstädter“ gewonnen wird.

Moment der Wahrzeit: Der Hochstädter Kellermeister Alf Steinbrecher bestimmt den Oechslegrad des Jahrgangs 2021 mit einem Refraktometer.

Dazu werden die nach Rebsorten sortierten Trauben im Kelterhaus zunächst von Stielen und Stängeln befreit. Dies geschieht in einer Entrapp- oder Abbeermaschine, die aus den Früchten eine breiige Masse aus Most, Schalen und Fruchtfleisch produziert. Diese Maische wird in die Pressen gefüllt, die den Saft aus den Trauben holden. Kellermeister Alf Steinbrecher verteilt den Traubenbrei mit den Händen, bis die Pressen bis oben hin gefüllt waren. Anschließend werden die Pressen verschlossen. Ein sich füllender Wasserschlauch drückt die Maische zusammen, sodass der Most nach außen abfließt. Dieser Prozess wird zweimal wiederholt, bis die Maische komplett ausgepresst ist. Die Rückstände werden dem Weinberg als Dünger zurückgegeben.

Der trübe, süßlich-saure Traubensaft wird in Bottichen gesammelt und in Fässer umgefüllt. Dort gärt der Most nun mehrere Wochen durch Zugabe von Hefe, die den Fruchtzucker in Alkohol umwandelt und dabei Kohlenstoffdioxid produziert. „Wenn der Most selbst nicht genug Zucker enthält, müssen wir Zucker zusetzen“, erklärt Steinbrecher.

Wie alle Helfer lässt er sich den fruchtigen, noch unvergorenen Most schmecken und ist von der Süße überrascht. Zur Messung des Oechslegrads gibt Steinbrecher einige Tropfen auf eine kleine Glasfläche im sogenannten Refraktometer, einem optischen Messgerät für den Zuckergehalt. Dieses Instrument macht sich zunutze, dass sich mit wechselndem Zuckergehalt die Lichtbrechung einer Flüssigkeit ändert.

Der Blick in das Refraktometer verrät auf einer Skala, wie viel Zucker in Grad Oechsle der Most enthält. Aus diesem Messwert lässt sich der Alkoholgehalt berechnen, der – da Alkohol ein wichtiger Geschmacksträger ist – als zentrales Qualitätsmerkmal gilt. „82 Grad Oechsle, es geht aufwärts“, gibt Steinbrecher bekannt. Die Winzer freuen sich. Die erste Messung der Maische hatte nur 80 Grad ergeben. „Ziel sind 85 Grad Oechsle. Dann hat der Wein rund elf Prozent Alkohol“, erklärt der Weinmacher und zeigt sich trotz der in diesem Jahr widrigen Umstände zufrieden.

Von Bettina Merkelbach

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