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Impfung fast vor der Haustür: Aktion „Dein Pflaster“ macht Station in Bischofsheim

Die Impfung selbst erfolgte im Zelt vor dem Bus.
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Die Impfung selbst erfolgte im Zelt vor dem Bus.

Wenn die Menschen nicht zur Impfung kommen, kommt die Impfung eben zu den Menschen – diese Grundidee steht hinter der Aktion „Dein Pflaster“ des Main-Kinzig-Kreises und der Städte Hanau und Maintal, die am Donnerstag auf dem Parkplatz am Bischofsheimer Bürgerhaus Station gemacht hat.

Maintal – Ohne Termin konnten sich hier alle, die im Quartier rechts vom Kreuzstein wohnen, gegen Covid-19 immunisieren oder zur Impfung beraten lassen. Schlangen bildeten sich vor dem Impfmobil zwar keine, sodass niemand in der brütenden Hitze anstehen musste. Aber rund 40 Menschen nahmen das Impfangebot schon im Lauf der ersten Stunden an. Tatsächlich geimpft wurde allerdings gar nicht in dem von der Hanauer Straßenbahn bereitgestellten und umgerüsteten Bus, sondern in zwei eigens dafür aufgebauten Impfzelten. Rund 500 Impfdosen des Vakzins von Johnson & Johnson standen zur Verfügung, das im Gegensatz zu anderen Impfstoffen den Vorteil hat, dass eine einzige Dosis ausreicht, um vor einer schweren Corona-Erkrankung zu schützen.

Die Impfung direkt vor der Haustür soll Bürgerinnen und Bürger ansprechen, die Sprachbarrieren, der bürokratische und organisatorische Aufwand bislang von einer Anmeldung im Impfzentrum oder beim Hausarzt abgehalten haben. Damit soll die Aktion keine Konkurrenz zur regulären Impfkampagne sein, sondern gezielt Menschen in Wohngebieten erreichen, die auf beengtem Raum leben und daher ein erhöhtes Risiko für eine Covid-19-Infektion tragen. Hier, am Impf- und Infomobil, bekommen sie unbürokratisch und verständlich Antworten auf ihre Fragen. Eine junge Mutter wollte beispielsweise wissen, ob die Impfung auch für sie als Stillende empfohlen wird. „Der Arzt hat mir grünes Licht gegeben“, sagte sie. „Hätte ich ins Impfzentrum fahren müssen, hätte ich mich vermutlich nicht impfen lassen. Aber praktischer als hier geht es ja quasi nicht.“

Im umgebauten Bus werden die Impfwilligen informiert und aufgeklärt.

„Es kommen tatsächlich viele hierher, die eigentlich laut Priorisierung schon längst hätten geimpft werden müssen. Aber da war die Schwelle bisher einfach zu hoch“, sagte Ärztin Colette Siemann. Sie impft sonst im Impfzentrum in Hanau, hat aber zuvor schon Erfahrungen bei mobilen Impfaktionen in Seniorenheimen gesammelt. „Die Sprache ist oft eine Barriere“, sagte Figen Görgün, die Teamleiterin im Hanauer Impfzentrum ist und selbst bei Bedarf die ärztliche Beratung auf türkisch übersetzen kann. „Viele Ältere wissen auch nicht, dass sie sich selbst um einen Impftermin kümmern müssen.“ Fragen zu Nebenwirkungen und zum Impfschutz seien die häufigsten, die ihr gestellt werden. „Aber die meisten Menschen sind einfach nur dankbar, dass sie geimpft werden.“

Sorgten für einen reibungslosen Ablauf: Das Impfteam in Maintal und die Kreisbeigeordnete Susanne Simmler (Dritte von links) sowie Bürgermeisterin Monika Böttcher (Mitte) bei der Eröffnung der Aktion.

„Wir bringen den Impfstoff zu den Menschen. Das ist eine sinnvolle Aktion, die wir sehr gerne unterstützen“, sagte Bürgermeisterin Monika Böttcher (parteilos), die die Impfaktion morgens mit der Ersten Kreisbeigeordneten Susanne Simmler (SPD), der Integrationsbeauftragten Verena Strub und dem ehemaligen Stadtbrandinspektor Andreas Matz eröffnete. „Die Logistik läuft perfekt und es ist toll, dass sich so viele Mitarbeitende hier engagieren. Jetzt gilt es, Erfahrungen zu sammeln, ob die Impflotsinnen und Impflotsen die Menschen tatsächlich erreichen.“

Vorab war die Werbetrommel für die Gemeinschaftsaktion kräftig gerührt worden. Plakate und Flyer sollten über die Impfung informieren. Eines der stadtbekannten Gesichter, die für die Aktion werben, ist Azeeta Sadiqs, die Erzieherin in Bischofsheim und durch ihr ehrenamtliches Engagement bestens vernetzt ist. „Es ist einfacher ohne Termin, es sind Dolmetscher und Ansprechpartner vor Ort, die den Einwilligungs- und Anamnesebogen gemeinsam mit den Impfinteressenten Punkt für Punkt durchgehen – es gibt viele Vorteile, sich hier und heute impfen zu lassen“, sagte Azeeta Sadiq.

Ohne Termin und Reservierung konnten sich die Maintaler gestern impfen lassen.

Ein ganz besonderer Tag wäre es für Renate und Peter Hinkel auch ohne Impfung gewesen: Das Ehepaar feierte gestern seinen 59. Hochzeitstag. „Eine Bekannte hat mich auf diese Aktion aufmerksam gemacht. Wir sind direkt hierher gegangen zum Impfen“, sagte die 80-Jährige, die kurz nach der Impfung für einige Minuten vor den Impfzelten Platz nahm, um von den Sanitätern vor Ort versorgt werden zu können, falls direkt Nebenwirkungen auftreten sollten. „Das ist alles perfekt organisiert hier. Es geht sehr schnell, alle sind nett“, sagte eine ältere Dame, die nach dem Piks mit ihrem Sohn ebenfalls in der Ruhezone Platz genommen hatte. Weitere Aktionstage wie der Gestrige sind geplant. Wann und wo der Impfbus als Nächstes hält, ist aber noch nicht bekannt.

Von Bettina Merkelbach

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