Übertragung ins Internet

„The Voice of Germany“-Gewinner Andreas Kümmert rockte in Bischofsheim

Begeistert in Bischofsheim: Andreas Kümmert erntet viel Applaus aus dem Internet.
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Begeistert in Bischofsheim: Andreas Kümmert erntet viel Applaus aus dem Internet.

Was machen Rockmusiker in der Pandemie? Not macht erfinderisch. Einige Künstler treten vor spärlich besetzten Hallen oder Zuhörern in Plastikkugeln auf, viele streamen Songs über Social Media, um trotz Corona mit ihren Fans in Kontakt zu bleiben.

Das aus dem Gitarrenladen „GuitarPoint“ über Facebook gesendete Konzert von Andreas Kümmert war Auftakt einer Streaming-Konzertreihe: „GuitarPoint in Concert“ soll Künstlern in Maintal und auf der Facebook-Seite der international renommierten Gitarrenspezialisten eine Bühne geben. Das Besondere an dieser Location: Die Band kann auf den einzigartigen Vintage- und Custom-Shop-Gitarren spielen, die Simon Gauf in Bischofsheim verkauft. „Dadurch ist der Aufwand für die Musiker minimal. Die Jungs heute kamen einfach in ihrem VW-Bus an und haben auf den Instrumenten im Wert von insgesamt 150 000 Euro gespielt“, beschreibt der -Geschäftsführer das digitale Format.

Aus der goldenen Ära des Gitarrenbaus

„Das ist zum einen eine tolle Werbung für uns – für die Bands eine tolle Kulisse.“ Versteckt in einem unauffälligen Haus in der Bischofsheimer Jahnstraße ist GuitarPoint wortwörtlich ein Hidden Champion und ein Geheimtipp, wenn es um wertvolle Vintage- und Custom-Shop-Gitarren geht. Zu teilweise schwinderregend hohen Summen gehen hier Instrumente von den großen Marken Gibson, Fender, Martin und Gretsch aus der goldenen Ära des Gitarrenbaus vor 1965/66 oder detailgetreue Repliken über den Ladentisch. Die Instrumente, die hinter Andreas Kümmert an den Wänden hängen, haben Musikgeschichte geschrieben. Dass er mit seiner Band perfekt hierhin passt, merkte man spätestens bei den ersten Gitarrensoli, bei denen Kümmert und Stefan Kahne alles handwerklich und technisch Mögliche aus sich und den Instrumenten herausholten. Besonders viel digitalen Applaus ernteten die beiden, wenn sie sich im musikalischen Zwiegespräch die Bälle gegenseitig zuspielten.

200 Fans bei Facebook begeistert

Zusammen mit Bassist Asbjörn Gärtner und Drummer Michael Germer begeisterten die zwei Gitarristen über 200 Fans im Facebook-Stream eine Stunde lang mit lässigem handgemachtem Bluesrock. „Wann hat man schon einmal die Möglichkeit, im Licht solch wunderschöner Gitarren spielen zu dürfen?“, fand Kümmert und spielte eine Mischung aus Bluesrock-Klassikern wie „The Wind cries Mary“, „Holding back the Years“, „One way out“ oder „Have Mercy“ und eigenen Songs von seinem aktuellen Album „Harlekin Dreams“. Bei diesen rockigen Songs wurde schnell klar, dass Kümmert die Zeiten, in denen er als „The Voice of Germany“-Gewinner und als derjenige, der trotz gewonnenem Vorentscheid nicht zum Eurovision Song Contest antreten wollte, hinter sich gelassen hat.

1200 Euro an Spenden eingesammelt

„Er ist zwar in der Popszene bekannt, aber im Herzen ist er Bluesrocker“, beschreibt Simon Gauf die Verbindung zu dem aus Gemünden am Main (Main-Spessart-Kreis) stammenden Singer und Songwriter. Sein neuer Gitarrist Stefan Kahne, eingefleischter Vintage-Gitarren-Freak, Promoter und Dauerkunde im GuitarPoint, hat den Unterfranken mit dem markanten rötlichen Krausbart nach Maintal gebracht. „Uns geht es im Lockdown nicht schlecht, da wir viel über unseren Online-Shop verkaufen, vielen Künstlern aber eben schon. Sie wollen wir gerade jetzt unterstützen“, sagt Gauf. Über 1200 Euro haben die Zuschauer auf Facebook gespendet und ihre Begeisterung in den Chat eingetippt. Das Streaming-Konzert schloss Kümmert mit „Rocket Man“, dem Song, der schon alle Juroren bei den Blind Auditions von den Drehstühlen gerissen hat. Als Musikfan hofft man dennoch, dass sich seine letzten gesungenen Worte nicht bewahrheiten und keine allzu lange Zeit mehr vergehen wird, bis Live-Konzerte hautnah vor der Bühne wieder möglich sind. (Von Bettina Merkelbach)

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