Tausende Masken eingesammelt

Kampf gegen den Masken-Müll: Maintals Müllsammlerin Grit Schneider hat wegen Corona noch mehr Arbeit

Achtlos weggeworfen: Grit Schneider, Maintals wohl bekannteste Hobby-Müllsammlerin, mit 400 Masken, die sie in den vergangenen drei Wochen gesammelt hat.
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Achtlos weggeworfen: Grit Schneider, Maintals wohl bekannteste Hobby-Müllsammlerin, mit 400 Masken, die sie in den vergangenen drei Wochen gesammelt hat.

Manchmal will Grit Schneider einfach nur Fahrrad fahren. Die Landschaft genießen, Kopf nach oben, Blick nach vorn. Es klappt selten, auch an diesem Dienstagmorgen nicht. „Acht Einwegmasken habe ich gefunden. Und das auf einer Strecke von gerade mal 1,4 Kilometern“, sagt die 45-Jährige und zeigt auf den Müllbeutel in ihrer Hand.

Maintal – Grit Schneider ist Maintals wohl bekannteste ehrenamtliche Müllsammlerin. Seit drei Jahren hebt sie in ihrer Freizeit auf, was andere achtlos wegwerfen: Zigarettenkippen, Glasflaschen, Dosen, Plastikmüll. „Leider stelle ich fest, dass die Natur immer schneller vermüllt. Selbst an den entlegensten Orten finde ich Abfall“, erzählt die Hochstädterin.

Zu Ihrem ungewöhnlichen Hobby kommt die gelernte Bankkauffrau durch Zufall. 2017 lädt die Geocaching-Gruppe ihrer beiden Söhne zum Müll-Sammel-Tag ein. Die gesamte Familie macht mit, „obwohl es uns fast ein bisschen peinlich war“, erinnert sich Grit Schneider. Ein paar Stunden durchkämmen sie den Wald rund um das Dörnigheimer Sportzentrum „Dicke Buche“ – und trauen ihren Augen kaum. „Wir waren wirklich erschrocken, wie viel Müll wir da rausgeholt haben“, so Schneider. Der Tag ist die Initialzündung. 2018 fängt sie an, während ihrer Jogging- und Walkingrunden Müll aufzuheben und in den nächsten Abfalleimer zu werfen.

Die schwarzen Masken sind schlecht zu sehen.

Dann sieht sie einen TV-Beitrag über Plogging, eine Kombination von Müllsammeln und Joggen, und gründet eine Maintaler Plogger-Gruppe.

Die Teilnehmer treffen sich bis heute jeden letzten Samstag im Monat. Gejoggt wird allerdings nicht mehr. „Die Müllsäcke sind einfach so schnell voll und so schwer, wir beschränken uns aufs Einsammeln“, sagt Grit Schneider. Die Gruppenaktionen sind ihr trotzdem wichtig. Denn das Müllsammeln belastet die Seele.

Eine Maske am Bahnhof Hanau-Wilhelmsbad.

„Je mehr man findet, desto depressiver wird man. Man verzweifelt an der Menschheit“, so die Hochstädterin. Seit Corona hat Grit Schneider noch mehr Arbeit. Schuld sind die Einwegmasken. Täglich sammelt die 45-Jährige die blauen oder weißen Mund-Nasen-Bedeckungen auf Wiesen, Spielplätzen und Straßen ein, inspiriert von der sogenannten „November-Masken-Challenge“, die eine Umweltaktivistin aus dem Landkreis Osnabrück ins Leben gerufen hatte. Die traurige Bilanz seit November 2020: mehr als 2750 Masken. Ob auf dem Weg zum Bäcker oder der Radtour zum Supermarkt, etwa 15 Masken kommen jedes Mal zusammen, erzählt Schneider, die jeden gefundenen Mund-Nasen-Schutz in eine Tabelle einträgt. Dabei gehe sie nicht gezielt auf die Suche. „Die Masken liegen einfach herum, werden aus dem Auto geworfen, an Zäune gehängt oder sie stecken zwischen den Brettern von Parkbänken.“

Achtlos weggeworfen am Feldrand.

Vom Winde verweht wird der Corona-Schutz zum echten Umweltproblem: Sowohl OP- als auch FFP-Masken bestehen teilweise aus Plastik und verrotten erst nach 450 Jahren, so eine Greenpeace-Schätzung. Bei allem Unmut ist Grit Schneider eins jedoch wichtig: „Ich bin definitiv für die Verwendung der Masken. Wir brauchen sie als lebenswichtigen Schutz. Aber warum schaffen die Menschen es nicht, ihren eigenen Müll ordnungsgemäß zu entsorgen?“ Für die Einwegmasken, die nicht recycelbar sind, bedeutet das: ab in die Restmülltonne und nicht in den gelben Sack. Am Ende sei es mit den Masken wie mit anderem achtlos weggeworfenem Müll. „Er landet im Wasser, im Wald, wird zur Gefahr für Tiere und am Ende auch für uns Menschen.“

Masken, liegengelassen am Surfsee.

Wenn sie in ihrer Freizeit unterwegs ist, sieht Grit Schneider den Müll in jeder Ritze kleben. Manchmal versuche sie, sich zusammenzureißen. Ein paar Handschuhe für den Notfall hat sie allerdings immer dabei. „Ich kann es einfach nicht hinnehmen. Diese Gleichgültigkeit, mit der die Menschen unseren Planeten vermüllen, dagegen muss man doch ankämpfen“, sagt sie.

Von Kristina Bräutigam

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