Klock-Prozess geht in die dritte Runde

Bundesgerichtshof ordnet in Frankfurt weiteren Prozess an

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Der Klock-Prozess wird neu verhandelt werden.

Der Mordfall Klock wird in die Rechtsgeschichte eingehen: Nach zwei Freisprüchen vor dem Landgericht Hanau wird es bald einen dritten Schwurgerichtsprozess geben.

Das grausame Geschehen auf der heruntergekommenen „Main River Ranch“ in Dörnigheim soll nun vor dem Landgericht Frankfurt komplett neu aufgerollt werden. Das hat gestern Nachmittag der 2. Strafsenat des Bundesgerichtshofs (BGH) in Karlsruhe entschieden. 

Die höchsten deutschen Strafrichter verkündeten nach einer zweistündigen Verhandlung überraschend schnell ihre Entscheidung: Sie gaben der Revision der Hanauer Staatsanwaltschaft sowie der Nebenklage statt und kassierten damit auch den zweiten Freispruch der 2. Schwurgerichtskammer vom März 2018. „Der BGH hat das Urteil komplett aufgehoben – sowohl in den Feststellungen als auch in den rechtlichen Fragen“, berichtet der Hanauer Oberstaatsanwalt Jürgen Heinze aus Karlsruhe. Der Senat habe eine „Vielzahl von Rechtsfehlern im Urteil“ festgestellt. 

Oberstaatsanwalt Heinze hatten in beiden Prozessen lebenslange Haft gefordert

So sei unter anderem „die Einlassung der Angeklagten falsch dargestellt und falsch gewürdigt worden“. „Der Senat hat sich veranlasst gesehen, das Verfahren letztlich an das Landgericht Frankfurt abzugeben, damit dort eine objektive, neue Verhandlung beginnen kann“, sagte Heinze auf Anfrage unserer Zeitung. Es ist bereits das zweite Mal, dass der BGH in diesem Fall das Urteil kassiert hat – zuvor war der Freispruch der 1. Schwurgerichtskammer vom August 2015 aufgehoben worden. 

In beiden Prozessen hatte Oberstaatsanwalt Heinze wegen Mordes die lebenslange Freiheitsstrafe für Klaus-Dieter B. und dessen Sohn Claus Pierre, die Pächter der „Ranch“, beantragt. Beide hatten zugegeben, am 6. Juni 2014 Harry und Sieglinde Klock, die Besitzer des Anwesens, auf dem Gelände getötet zu haben. Die Leichen des Paars waren danach unter einem Misthaufen versteckt worden. Erfolglos hatte die Polizei nach dem zunächst spurlos verschwundenen Paar gefahndet. Erst vier Monate später meldete sich Klaus-Dieter B. und führte die Ermittler zum Versteck der Leichen. Die Angeklagten hatten in beiden Prozessen ihre eigene Version des Geschehens vorgetragen und beteuert, sie seien von dem Paar mit Messer und Axt angegriffen worden und hätten sich verteidigt. Harry Klock wurde erstochen, seine Frau erschossen. 

Frankfurter Justiz übernimmt

Hintergrund des Streits soll eine Kündigung gewesen sein, die Stadt Maintal wollte das Gelände am Mainufer räumen. Am Tag der Bluttat soll das Ehepaar Klock versucht haben, die Pacht von 450 Euro einzutreiben. In beiden Prozessen wurden Vater und Sohn von den Mordvorwürfen freigesprochen, weil Notwehr und Nothilfe nicht auszuschließen seien, urteilten die Hanauer Richter – jetzt muss die Frankfurter Justiz den Fall übernehmen.

Quelle: Hanauer Anzeiger

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