Maintal

Kommentar zur Mainfähre: Den Mut haben, Nein zu sagen

Von David Scheck

Von David Scheck

Nach monatelangem Schweigen ist nun die sprichwörtliche Katze aus dem Sack: Die Mainfähre wird ein Zuschussgeschäft, und zwar ein ziemlich teures. Angesichts der vorliegenden – und immer noch nicht vollständigen – Zahlen und vor allem des Prozederes, wie die Subventionierung ablaufen soll, bleibt nur ein Rat: Maintals Stadtverordnete sollten den Mut haben, Nein zu sagen.

Spätestens seit dem deutlichen Statement des Offenbach-Landrats Oliver Quilling – „wenn Maintal nicht zahlt, unterschreiben wir den Pachtvertrag nicht“ – haben Maintals Stadtverordnete die Pistole auf der Brust sitzen. Schon dieses Vorgehen war so fragwürdig, dass man es mit Fug und Recht Erpressung nennen könnte. Doch das seltsame Geschäftsgebaren des Kreises Offenbach setzt dem nun noch die Krone auf: Die Stadt Maintal soll zunächst einen Pauschalbetrag in Höhe von über 3200 Euro monatlich an den Kreis Offenbach überweisen. Darauf, dass dieser das Geld dann auch in voller Höhe an den Betreiber weitergibt, muss man im Rathaus an der Klosterhofstraße wohl hoffen.

Zwar ist es laut dem vorgeschlagenen Modell auch möglich, dass Maintal einen Teil seines Zuschusses am Ende eines Jahres wieder zurückbekommt. Doch man muss kein Experte für Bilanzen sein, um zu wissen, dass Kalkulationen so gemacht werden können, dass am Ende – zufälligerweise – kein Cent übrig bleibt.

Und selbst mit einem Ja aus Maintal ist die Zukunft der Fähre alles andere als sicher: Der Vertrag läuft nur bis Mai 2021, im selben Jahr läuft auch das Fährzeugnis aus. Sollten dann unerwartete Reparaturen an dem über 55 Jahre alten Schiff fällig werden, wer würde diese bezahlen? Der Kreis Offenbach hat auf diese Frage sicher schon die Antwort in der Schublade: „Wenn Maintal nicht zahlt, . . .“

Der Sinn und Zweck einer Fährverbindung zwischen Dörnigheim und Mühlheim mag zweifellos vorhanden sein. Aber erpressen lassen sollten sich die Maintaler Stadtverordneten dafür noch lange nicht.

Quelle: Hanauer Anzeiger

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