Maintal

Kopfschuss in Berliner Straße: Anklage wegen versuchten Mordes

Maintal/Hanau. Mehr als drei Monate nach dem Verbrechen haben Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft den Fall aus ihrer Sicht aufgeklärt: Der 35-jährige Afewerki W. soll versucht haben, in den Morgenstunden des 2. September in Dörnigheim seine elf Jahre jüngere Ex-Freundin zu ermorden. Das Opfer überlebte wie durch ein Wunder.

Von Thorsten Becker

W. wird sich dafür in in wenigen Wochen vor dem Schwurgericht verantworten müssen. Wie jetzt bekannt wurde, hat der 35-Jährige bereits einiges auf dem Kerbholz und der beinahe tödliche Angriff kam nicht von ungefähr.

Bereits in den Wochen vor den Schüssen soll der Mann seine Freundin dreimal in Folge angegriffen haben. „Wir gehen in der Anklageschrift von einem versuchten Mord aus“, erklärt Dominik Mies, Pressesprecher der Hanauer Anklagebehörde, auf Anfrage. Und der Oberstaatsanwalt liefert auch ein Motiv für die schreckliche Tat: übersteigerte Eifersucht. „Das ist aus unserer Sicht ein niedriger Beweggrund“, so Mies zum Mordmerkmal.

Polizisten finden schwer verletzte 24-Jährige

Rückblende, Montag, 2. September, 5.20 Uhr: Schüsse schrecken Anwohner an der Berliner Straße in Dörnigheim auf. Schnell macht das Gerücht die Runde, dass ein bewaffneter Mann auf der Flucht ist – Zeugen schlagen Alarm. Als die ersten Polizisten am Tatort eintreffen, finden sie das Opfer: Eine 24-jährige Frau, die einen Kopfschuss erlitten hat. Während ein Notarzt die Schwerverletzte so schnell wie möglich ins Krankenhaus bringt, suchen Beamten die Umgebung nach dem mutmaßlichen Täter ab.

Die Besatzung eines Polizeihubschraubers aus Egelsbach kreist minutenlang über Dörnigheim und informiert ihre Kollegen am Boden. Die Schutzleute werden schnell fündig und verhaften W. in Tatortnähe. Er wird vom Amtsgericht Hanau in Untersuchungshaft geschickt.

Tatwaffe noch nicht gefunden

Oberstaatsanwalt Mies, zugleich Leiter der Abteilung für die Verfolgung von Kapitalverbrechen, berichtete nun, dass die Abklagebehörde die Mordanklage vorgelegt hat. Es dürfte ein Indizienprozess werden. Denn trotz intensiver Suche fehlt den Ermittlern noch ein Beweisstück. „Die Tatwaffe ist bislang nicht gefunden worden“, so Mies.

Doch es gibt auch gute Nachrichten. Das Opfer, so Mies, habe den Schuss, der aus nächster Nähe abgefeuert worden sein soll, zumindest körperlich gut überstanden. Was an ein Wunder grenzt. Das Projektil soll im Schädelknochen stecken geblieben sein, ohne weitere schwere Schäden zu verursachen.

Angeklagter fiel schon früher wegen Eifersucht auf

Doch die Schüsse auf die 24-Jährige sind nicht die einzigen Anklagepunkte. „Das Verfahren umfasst drei weitere Vorwürfe“, so Mies. Die Frau hatte W. bereits am 24. Juli angezeigt. An diesem Tag soll der Angeklagte – offenbar ebenfalls aus Eifersucht, versucht haben, das Smartphone seiner Freundin zu kontrollieren.

„Das Handy war jedoch durch eine PIN gesichert“, so Mies weiter. W. soll die Frau bedroht und zunächst geschlagen haben. „Dann soll er ihr ein Kissen ins Gesicht gedrückt haben bis die Frau ihm die Nummer zum Entsperren des Handys sagte.“ So lautet die Anklage auch auf gefährliche Körperverletzung sowie Nötigung.

Doch das ist noch nicht alles: Am 31. Juli sowie am 1. August soll es ebenfalls zu Übergriffen gekommen sein. So füllen zwei weitere Anklagepunkte wie versuchte gefährliche Körperverletzung und versuchte Nötigung die Akte.

Wegen Einbruchs verurteilt worden

Am Hanauer Gericht ist W. zudem kein unbeschriebenes Blatt. Erst vor wenigen Wochen ist er vom Schöffengericht sowie in der Berufung vom Landgericht wegen gemeinschaftlichen Einbruchs in Dörnigheim zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und acht Monaten ohne Bewährung verurteilt worden.

Nun droht ihm im Falle eines Schuldspruchs eine deutlich höhere Strafe, denn der versuchte Mord kann ebenfalls mit einer lebenslangen Freiheitsstrafe geahndet werden. Der Auftakt der Hauptverhandlung ist von der 1. Schwurgerichtskammer für Donnerstag, 27. Februar, anberaumt worden.

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