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"Lange Lesenacht" an der Albert-Einstein-Schule wiederbelebt

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Die 16-jährige Clara (links) hat durch Martin Piekar einen besseren Zugang zur Lyrik gefunden. Foto: Gepperth
Die 16-jährige Clara (links) hat durch Martin Piekar einen besseren Zugang zur Lyrik gefunden. Foto: Gepperth

Maintal. Kreativität entfalten, indem ein Künstler seine eigenen Werke und Arbeitsweisen vorstellt. Dies hat sich die „Lange Lesenacht“ der Albert-Einstein-Schule zur Aufgabe gemacht, die am Freitag zum dritten Mal stattfand.

Von Jan Max Gepperth

Zu Gast war der Lyriker Martin Piekar, der es auf eindrucksvolle Weise schaffte, Poesie für die Schüler greifbar zu machen.

„Benutz deine Sprache! Es muss nicht gereimt werden“, war einer der ersten Appelle, die Piekar an die Schüler richtete. Damit ging er auf die weit verbreitete Vorstellung ein, dass sich Gedichte reimen müssten. „Es gibt keine Regeln, es sei denn, du willst sie.“ Dies sei auch der Grund, so Piekar, weshalb viele Schüler Probleme damit hätten, lyrische Werke zu verfassen. Viel zu sehr würde beim Schreiben auf die bekannten Strukturen aus dem Deutschunterricht eingegangen.

Piekar hält dies aber auch nicht für falsch, da die Schüler so die Möglichkeit hätten, sich an etwas festzuhalten. Im Anschluss an seine Vorstellung, die der Autor mit einer Fragerunde zu seiner Person begann, wollte er, dass die Schüler kreativ werden. Hierzu gab er ihnen die Möglichkeit, auf ein Plakat unterschiedliche Worte in zwei Farben zu schreiben. Aus diesen sollten sich die Teilnehmer dann jeweils zwei Begriffe aussuchen und ein Gedicht verfassen.

Die Ergebnisse waren verblüffend und von Grund auf unterschiedlich. Eine Schülerin baute beispielsweise unbewusst einen Stilbruch in der Rhythmik ihres Textes ein, um eine melancholische Stimmung zu erzeugen. Ein Schüler nutzte die Aufgabe, um mehr Kritik an der Umweltverschmutzung zu formulieren. Piekar setzte sich mit jedem der Gedichte intensiv auseinander und hörte vor allem gerne die Interpretationen der Teilnehmer an. Dabei gab er Tipps, wie man mit Sprache arbeiten könne und worauf zu achten sei. Jede seiner Anregungen versuchte er zu begründen und fügte regelmäßig an: „Ihr könnte mir immer gerne widersprechen.“

Im zweiten Teil der Veranstaltung, die von der Bürgerstiftung Maintal unterstützt wurde, stand die Präsentation von Werken auf dem Programm – alles auf Wunsch der Schüler. Also kopierte Piekar einige seiner eigenen Texte und ließ die Schüler diese vortragen. Er selbst erlebte dies als wertvolle Erfahrung: „Es war spannend, einmal die eigenen Gedichte von jemand anderem zu hören.“

Durch seine lockere und vor allem ehrliche Art und Weise mit den Schülern umzugehen, machte er den Zugang zu dieser Kunstform für alle Beteiligten leichter. Auch die drei Lehrkräfte, Judith Nußbaum, Helge Kater und Bettina Lambrecht, welche die Lesenacht betreuten, äußerten sich positiv. So war Nußbaum, die auch die Organisation in weiten Teilen übernommen hatte, vor allem von dem Referenten angetan: „Er hat einen wirklich tollen Zugang zu den Schülern gefunden.

Und auch von den Gedichten der Teilnehmern war ich sehr begeistert.“ Dem stimmt die 16-jährige Clara zu: „Ich habe mich immer für das Schreiben interessiert, konnte aber mit Gedichten nie etwas anfangen. Aber dieser Abend hat mir doch geholfen, einen besseren Zugang dazu zu bekommen.“

Piekar studiert an der Johann Wolfgang Goethe-Universität und kam mit der Einsteinschule über die „Hochstädter Lyriknacht in Erinnerung an Horst Bingel“ in Kontakt, bei der er bereits zweimal las. Er hat mittlerweile zwei Lyrikbände veröffentlicht.

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