Gedenken

Abschied von einem Mutmacher: Hans Hiesberger (79), Gründer des Parkinson-Stammtischs Maintal, ist tot

Zahlreiche Menschen gedenken Hans Hiesberger
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Zahlreiche Menschen gedenken Hans Hiesberger

„Wenn ich an ihn denke, dann denke ich an die Worte Pilot, Honda-Goldwing-Fahrer und einen klasse Kerl“, erinnert sich Horst Andes an Hans Hiesberger zurück. Hiesberger war Ende Februar nach jahrelanger Parkinsonerkrankung verstorben.

Maintal – Andes kann sich an seinen ersten Kontakt mit Hiesberger, mit dem er fast 15 Jahre lang den Parkinson-Stammtisch organisierte, noch gut erinnern. Damals hatte Andes ein Gespräch mit dem MAINTAL TAGESANZEIGER geführt, um über die Krankheit Parkinson zu informieren und um andere Betroffene zu finden. „Statistisch gesehen, wohnen ungefähr 40 bis 50 Menschen mit Parkinson in unterschiedlichen Stadien in Maintal. Da wollte ich einfach die Leute finden, denen es ähnlich geht“, so Andes. Nachdem der Artikel Anfang September 2006 erschienen war, bekam Andes einen Anruf von Hiesberger. „Er hat den Artikel gelobt und dann gemeint ‘Hey, ich hab auch die Krankheit. Lass uns mal treffen’“, erinnert er sich zurück.

Aus diesem anschließenden Treffen entstand nicht nur eine tiefe Freundschaft, sondern auch der Parkinson-Stammtisch. „Hans hatte immer einen Haufen Ideen und hat ganz tolle Dinge auf die Beine gestellt. Unter anderem gründete er noch eine Gymnastikgruppe für Parkinsonkranke“, sagt Andes.

Viel Geld für ein Filmprojekt

Hans Hiesberger ist vor kurzem verstorben

Das größte Projekt, das Hiesberger je angeleiert habe, sei ein Film über die Krankheit gewesen. Unter dem Titel „Diagnose Parkinson... was nun?“ produzierte die Gruppe mithilfe von Profis einen Film, der sowohl Betroffenen als auch deren Angehörigen Hilfen biete und Mut machen sollte. Insgesamt kostete das Projekt über 16 000 Euro. Andes war damals überzeugt, dass das viel zu viel Geld sei.

„Ich habe zu Hans gesagt, dass er spinnt. Woher sollen wir denn so viel Geld nehmen? Doch er hat es dann durch seine guten Beziehungen und seine Art, auf Menschen zuzugehen, geschafft, die komplette Summe von Sponsoren zu bekommen“, erinnert sich der Freund des Verstorbenen.

Hiesberger hatte viel Mut gemacht

Auch persönlich hat Andes Hiesberger viel zu verdanken, wie er sagt. „Hans war mein Lebensretter.“ Hiesberger hatte sich zu einer Operation entschieden, die dann auch Andes überzeugte. Zuvor sei er „bewegungstechnisch tot“ gewesen. Nun könne er wieder Fahrradfahren und sogar mit seiner Frau noch einmal ans Meer fahren. „Ohne Hans hätte ich diesen Mut nie gehabt. Und dafür bin ich ihm immer dankbar“, erklärt Andes mit sichtbarer Rührung.

Doch nicht nur ihm habe Hiesberger viel Mut gemacht. Auch in der Station N35, der Klinik für Neurologie am Klinikum der Stadt Hanau, war Hiesberger ein gern gesehener Gast. „Als es ihm noch möglich war, besuchte er die Station manchmal mehrmals in der Woche. Nicht nur als Patient, sondern auch, um mit den Menschen ins Gespräch zu kommen, auf unsere Gruppe aufmerksam zu machen und den anderen Mut zuzusprechen.“ Alle Aktivitäten Hiesbergers könne Andes gar nicht aufzählen. Unter anderem bekam Hiesberger die Ehrenmedaille der Stadt Maintal für sein soziales Engagement. Auch über die Grenzen Maintals hinaus war er in der „Parkinsonszene“ engagiert, veröffentlichte Artikel, hielt Vorträge über die Krankheit.

„Es ist schon so, dass viele Menschen Hans Hiesberger dankbar sind“, sagt Andes. Daher möchte er den Parkinsonstammtisch weiter fortführen, insofern es ihm gesundheitlich möglich sei. „Hans würde sich im Grab umdrehen, wenn ich aufhören würde. Das bin ich ihm einfach schuldig“,so Andes. (Von Jan Max Gepperth)

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