Natur

Äpfel in Szene gesetzt: Maintaler Pomologen bringen Kalender mit verschiedensten Apfelsorten heraus

Kunst mit Äpfeln: Ralf Vandamme und Maja Becker haben ihren Kalender „Apfeltypen“ vorgestellt.
+
Kunst mit Äpfeln: Ralf Vandamme und Maja Becker haben ihren Kalender „Apfeltypen“ vorgestellt.

Wissenschaft und Kunst unter einen Hut zu bringen, dabei auch für Laien verständlich heimische Apfelsorten und deren charakteristische Erkennungsmerkmale ansprechend optisch und textlich zu präsentieren – diese nicht ganz einfache Aufgabe hatten sich die Pomologen Maja Becker und Dr. Ralf Vandamme gestellt.

Maintal – Ein Jahr der Vorbereitung und Umsetzung hat es schließlich gedauert, ehe vor einigen Tagen das Ergebnis der Kooperation im MainÄppelHaus am Frankfurter Lohrberg vorgestellt werden konnte: ein Kalender mit dem Titel „Apfeltypen“.

Pomologie, die Lehre von den Äpfeln, sei früher vor allem von Lehrern und Pfarrern wissenschaftlich betrieben worden, aber etwas in Vergessenheit geraten, was sehr schade sei, denn es drohe damit viel Wissen um den heimischen Apfelsortenbestand in Vergessenheit zu geraten. Und das in einer Region, in der der Apfelwein Nationalgetränk ist, stellte der Bischofsheimer Dr. Ralf Vandamme bei der Präsentation fest. Er ist im Zivilberuf Politikwissenschaftler an der Hochschule in Mannheim und engagiert sich ehrenamtlich im Arbeitskreis Streuobst Maintal und als Mitglied im Verein Apfelwein Centrum Hessen (ACH!).

Der ambitionierte Hobby-Fotograf ist erblich vorbelastet, denn sein Vater war Mitbegründer der Foto-Amateure Maintal (FAM). So lernte er das analoge Handwerk nebst der Arbeit im Labor von der Pike auf. Später war er Mitglied in der Ateliergemeinschaft Mozartstraße und stellte dort Ölmalerei und Grafik aus. Dem Thema Apfel und Apfelwein widmete er sich zuletzt mit Zeichnungen, die auch für Etiketten Verwendung fanden.

Zusammen mit der gelernten Försterin Maja Becker hat Vandamme vor fünf Jahren im Main Äppel Haus eine Pomologengruppe gegründet, um das noch vorhandene Wissen zu erhalten und neue Erkenntnisse zu generieren. „Die regionalen Schätze müssen gehütet werden, denn ohne das pomologische Wissen verschwände auch ein Reichtum an Genuss. Denn jeder Apfel gibt zum Beispiel dem Apfelwein durch Aroma und Gerbstoffe erst Tiefe, Struktur und Charakter“, betonte Vandamme. Doch ohne Streuobstwiesen, der „artenreichste ‚halboffene’ Lebensraum nördlich der Alpen“, deren „Bedeutung für die Biodiversität“ und die Herstellung von „ungespritztem Tafelobst, Säften und Apfelweinen“ gar nicht hoch genug eingeschätzt werden dürfe, gäbe es diese Apfelsorten nicht mehr.

Dazu hatte Dr. Ralf Vandamme eine Geschichte parat: „Die Bischofsmütze nach Zorn war ein für Bischofsheim typischer Apfel, der regelmäßig in den Frankfurter Großmarkt geliefert wurde. Als der letzte bekannte Baum in der Gemarkung eines Tages von einem Sturm gefällt wurde, schnitt ein Hobby-Pomologe buchstäblich im letzten Moment Zweige ab und pfropfte sie im darauffolgenden Frühjahr auf junge Bäume. So ist eine Nachzucht entstanden.“

Mit dem jetzt vorliegenden Kalender haben Becker und Vandamme sich ein ehrgeiziges Projekt vorgenommen, um auf den zwölf Blättern einen Querschnitt typischer Apfelsorten des „Hessischen Apfelweinäquators“, der vom Taunus bis in den Kahlgrund und den Spessart reicht – so Vandamme – vorzustellen. Der entsprechende Apfel wird einmal als beherrschendes Bildelement in seiner ganzen Schönheit oder Eigenart gezeigt.

Vandamme hat sich dabei den Kniff ausgedacht, die Früchte und die Schnitte durch dieselben vor einem schwarzen Hintergrund in einem eigens aufgebauten Tageslichtstudio mit einer digitalen Kamera abzulichten.

Rechts daneben stehen die Detailfotos, die Charakteristika der jeweiligen Sorte zeigen wie Schale, Kerngehäuse, Stielform und Geschmack. Das liest sich zum Beispiel beim Januar-Apfel, dem Rheinischen Bohnapfel, so: „Flach aufsitzender Kelch; lange, spitze Kerne; schmale Kelchröhre und schmale Kernhausfächer in fassförmiger Frucht; kurzer, knopfiger Stil“.

Weitere Sorten wie Transparent de Croncels, Landberger Renette, Kaiser Wilhelm, Rheinische Schafsnase und Roter Eiserapfel werden in dem auf hochwertigen Papier gedruckten Kalender vorgestellt und beschrieben. Das Kalendarium ist als „ewiger“ Kalender konzipiert, beinhaltet also keine Jahreszahlen oder Wochentage.

Weitere Informationen

Der Kalender „Apfeltypen“ ist im MainÄppelHaus Lohrberg in Frankfurt, im ApfelWeinLaden der Kelterei Stier in Maintal-Bischofsheim, Am Kreuzstein 25, sowie auch im MainGenussLaden in Hanau am Heumarkt zum Preis von zwölf Euro erhältlich.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare