Schüler kämpfen für Veränderungen

Maintal: Anti-Diskriminierungsgruppe der Albert-Einstein-Schule ausgezeichnet

Die Gruppe „AES gegen Diskriminierung – AES für Vielfalt“ hat an der Einstein-Schule bereits viele Projekte angestoßen und die Themen Diskriminierung und Ausgrenzung in den Fokus gerückt.
+
Die Gruppe „AES gegen Diskriminierung – AES für Vielfalt“ hat an der Einstein-Schule bereits viele Projekte angestoßen und die Themen Diskriminierung und Ausgrenzung in den Fokus gerückt.

Der Kampf gegen Rassismus, Vorurteile und Diskriminierung ist vielfältig. Das Schulnetzwerk „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ setzt in ganz Deutschland sichtbare Zeichen mit Schildern und weiteren Aktionen. Den Schülern der Albert-Einstein-Schule ging dieses Engagement aber nicht weit genug. Sie haben eine Gruppe ins Leben gerufen, die mittlerweile preisgekrönt ist.

Maintal – „Ein Banner aufzuhängen und Unterschriften zu sammeln, war uns zu wenig im Kampf gegen Rassismus“, erklärt Rhoda Zündorf. Mit dieser Ansicht ist sie nicht allein. Gemeinsam mit Mitschülern rief sie im vergangenen Jahr ein erstes Online-Treffen aus.

Schnell wird klar, dass die Schüler aus den verschiedensten Stufen die gleichen Ziele verfolgen: Rassismus bekämpfen, Gleichberechtigung fördern, Akzeptanz schaffen. Nach den Ferien stellen die Schüler ihre Ideen der Schülervertretung vor. Die Resonanz ist groß – und positiv. Es entsteht die Gruppe „AES gegen Diskriminierung – AES für Vielfalt“.

Anschlag von Hanau und BLM-Proteste ermutigen die Schüler

In einer Zeit, in der die Black-Lives-Matter-Proteste in den USA die Nachrichten beherrschen und in der der Anschlag von Hanau in den Köpfen der Schüler noch allgegenwärtig ist. „Es herrschte die Stimmung, dass man einfach etwas machen sollte“, sagt Zündorf.

Mit einem Video zum Anschlag vom 19. Februar beginnt das Projekt, in dem sich mittlerweile 25 Schüler aus allen Jahrgängen beteiligen. Kajali Jaiteh kommt nach den Ferien in die siebte Klasse und zählt zu den jüngsten in der Gruppe. Er wurde von seinem Bruder motiviert, erzählt er. Auch seine Schwester ist politisch aktiv, was auch für ihn hilfreich sei. Ida Finzelberg hat Mobbing erlebt, sie findet in der Gruppe Menschen, denen es gleich geht. „Hier versteht man mich“, sagt sie.

Schüler können ihre Ideen umsetzen

Das Engagement der Gruppe wird auch von der Schule unterstützt, gleichzeitig erhält sie aber keine Vorgaben in ihrem Tun, kann ihre Ideen umsetzen. „Das ist schon außergewöhnlich, dass alles von den Schülern selbst kommt. Das zeigt, wie reflektiert sie sind“, sagt Lehrerin Jodith Debesai, die als Ansprechpartnerin für die Gruppe fungiert. Durch das Engagement der Schüler sei das Thema Diskriminierung auch am Gymnasium mehr in den Fokus gerückt.

Dabei unterstützen die Schüler die Lehrkräfte mit Materialien, sie haben eine Online-Bibliothek ins Leben gerufen und machen mit Plakaten zum Beispiel auf den Pride Month im Juni aufmerksam. „So etwas war vorher an der Schule nicht so präsent, das hat gefehlt. Man hat also in den letzten Monaten gemerkt, dass die Gruppe da ist“, sagt Birgit Zimmermann von der Schulleitung.

Anti-Diskriminierungs-Grupp will Aktivitäten ausweiten

Die positiven Rückmeldungen spornen weiter an. „Das gibt einen Push weiterzumachen“, sagt Özge Karabulut. Sie wechselt nach dem Schuljahr die Schule, der Gruppe will sie aber weiter erhalten bleiben. Gleiches gilt für Mitglieder, die kürzlich Abitur gemacht haben. „Ein Ziel ist es, das ganze noch weiter auszubreiten, auch mit anderen Schulen in Maintal und der Umgebung zusammenzuarbeiten“, sagt Zündorf. Bisher ist die Gruppe in vier Bereiche unterteilt: Rassismus, Sexismus, LGBTQ und Islamfeindlichkeit. Auch weitere Themen sind denkbar.

Teil der Arbeit ist es auch, gegen Widerstände anzukämpfen. „Manche sehen nicht, warum es Veränderungen geben muss“, sagt Lehrerin Debesai. Wer selbst nicht von Diskriminierung, Ausgrenzung oder Rassismus betroffen sei, sehe die Probleme oft nicht. „Vieles läuft unbewusst, wird vielleicht gar nicht bemerkt.“

Schüler erhalten Auszeichnung für ihr Engagement

Ereignisse wie der Anschlag von Hanau seien aber nicht spurlos an der Gesellschaft und damit auch an der Schulgemeinde vorbeigegangen. „Das musste aufgefangen werden, so schnell konnte der Lehrplan nicht reagieren. Es mussten Antworten geliefert werden.“

Einen wesentlichen Beitrag dazu leistete die Anti-Diskriminierungsgruppe, die für ihr Engagement vom Cornelsen-Verlag und der Antidiskriminierungsstelle des Bundes ausgezeichnet wurde. Im bundesweiten Schulwettbewerb fair@school belegte man den ersten Platz. Hervorgehoben wurde dabei, dass die Gruppe nicht nur punktuell aktiv ist, sondern viele Bereich abdeckt und das sie für Nachhaltigkeit steht. Die angestoßenen Projekte sollen fortgeführt und ausgeweitet werden.

Von Michael Bellack

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare