Zu wenig Platz und Grundwasser in den Grabfeldern

Ausschüsse diskutieren Lösungen zum Problemherd Friedhof

Einige der Maintaler Friedhöfe – hier der neue Friedhof in Hochstadt - haben ein großes Problem mit Grundwasser.
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Einige der Maintaler Friedhöfe – hier der neue Friedhof in Hochstadt - haben ein großes Problem mit Grundwasser.

Die wohl größte Binsenweisheit des Lebens lautet: Gestorben wird immer. Deshalb gehören Friedhöfe zum gesellschaftlichen Leben unbedingt dazu, auch in der Politik. Kürzlich befassten sich sowohl der Haupt- und Finanzausschuss als auch der Ausschuss für Umwelt, Bau, Verkehr, Stadtentwicklung und Klimaschutz im Rahmen der Haushaltsplanung mit dem Thema „Maintaler Friedhöfe – Status Quo, Herausforderung und Weiterentwicklung“. Die gemeinsame Sitzung fand aus Infektionsschutzgründen ausschließlich per Videokonferenz mit rund 30 Teilnehmern statt.

Maintal – Erster Stadtrat Karl-Heinz Kaiser (SPD) betonte, dass es in der Periode 2020/2021 darum ginge, weitgehende Sachentscheidungen zu treffen, die auch finanzielle Auswirkungen auf den Haushalt hätten. Zugeschaltet waren neben Bürgermeisterin Monika Böttcher (parteilos) unter anderem auch die Fachbereichsleiterin Ordnung und Sicherheit der Stadt, Nicole Bilz, sowie der SPD-Stadtverordnete und Bestattungsunternehmer Rolf Gnoth.

Die Problembereiche, die sich aus Sicht der Verwaltung stellen, sind laut Kaiser „Wasser im Boden, Flächenauslastung und zur Verfügung stehende Ressourcen innerhalb der Verwaltung“. Auf den insgesamt sieben Friedhöfen der vier Stadtteile bestehen nicht alle Probleme zugleich, doch als genereller Trend ließe sich etwa ein Rückgang traditioneller Erdbestattungen zugunsten deutlicher Zunahme von Urnenbestattungen feststellen. Ebenfalls gebe es laut Bilz eine steigende Nachfrage nach neuen Begräbnisformen wie etwa Baumbestattungen oder anonyme Grabanlagen. Eine weitere Binsenweisheit: Das Leben ist endlich, die Flächen, die im urbanen Raum für Bestattungen zur Verfügung stehen, sind es auch. Auf einigen Friedhöfen werde es allmählich eng, so Kaiser.

Steigender Bedarf an Grabflächen könne immer weniger gedeckt werden

Beim neuen Friedhof in Hochstadt sowie beim Bischofsheimer Pendant sind zudem Teilflächen nicht nutzbar, weil Grundwasser in die Gräberfelder eindringt. „Bildlich gesprochen, stehen beide Friedhöfe mit den Füßen im Wasser“, sagte Martin Weiß vom Fachbereich technischer Umweltschutz. Bestattet werden solle aber in einem „gut durchlüfteten, trockenen Boden, damit der Sarg vergehen“ könne.

Dies sei hier aus unterschiedlichen Gründen nicht der Fall, führe in der Konsequenz aber dazu, dass Leichname wesentlich länger benötigten, um zu verwesen. Was wiederum bedeute, dass Gräber nicht mehr in üblichem Zeitrahmen (auch aus Pietätsgründen nach 30 bis 40 Jahren) neu ausgehoben und somit der steigende Bedarf an Grabflächen immer weniger gedeckt werden kann. Die Situation sei keine aktuelle, sondern bestehe aufgrund der Lage beider Friedhöfe bereits seit Jahrzehnten.

Magistrat schlägt das Prinzip der Grabkammern vor

Abhilfen gibt es einige, die Bilz und Weiß vorstellten. So wären Erdaufschüttungen aus wasserdurchlässigen Schichten denkbar („Hügelgräber“), oder Grabhüllen, wobei Särge in belüfteten und erdbefüllten Kunststoffhüllen „verpackt“ werden. Der Magistrat favorisiert jedoch eine andere Lösung: gemauerte und belüftete Grabkammern aus Beton. Eine Ringdrainage hält Weiß zudem für den Hochstädter Friedhof für unerlässlich, um die Wasserproblematik auch zukünftig in den Griff zu bekommen.

Das Prinzip der Grabkammern, die man sich als nebeneinander gesetzte und später mit Erde überdeckte Schachteln für Särge vorstellen kann, also technische Bauwerke ähnlich dem Reihenhausprinzip, schlägt der Magistrat sowohl auf einer geplanten Erweiterungsfläche für den Bischofsheimer Friedhof als auch für den Hochstädter vor.

Dass diese Lösung Geld kostet, ist klar: Zusätzlich zum bestehenden Haushaltsansatz von 690 000 Euro für die Erweiterung des Bischofsheimer Friedhofs sollen in den Etats für 2021 und 2024 insgesamt 400 000 Euro in 80 derartige Grabkammern fließen; je 40 Stück und 200 000 pro Haushaltsjahr. Die Bischofsheimer letzte Ruhestätte soll im Rahmen des bestehenden Budgets um rund 9500 Quadratmeter kommunale Waldfläche erweitert werden, die nördlich an den bestehenden Friedhof angrenzt und dort weitere Möglichkeiten für Baum-, Urnen- und Erdbestattungen schafft. Ziel ist die Gestaltung einer „naturnahen Ruhe- und Gedenkstätte mit Aufenthaltsqualität“, mit einem barrierefreien Rundweg, einem Platz mit Bänken für Andachten und Flächen für Wildblumen.

Die Sondersitzung des Haupt- und des Bauausschusses fand per Online-Videokonferenz statt.

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