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„Besonders wichtig gegen Vereinsamung“: Maintaler Bürgerhilfe startet mit verjüngtem Vorstand ins neue Jahr

Michael Gruhn soll in den erweiterten Vorstand
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Michael Gruhn soll in den erweiterten Vorstand

Menschen, die einsam sind und Hilfe bei alltäglichen Besorgungen und Terminen brauchen, mit Menschen zusammenzubringen, die ihnen helfen und Zeit schenken – diese Grundidee der Bürgerhilfe wird in Pandemiezeiten zur Herausforderung. Denn die Tafel, der Textil- und der Kindershop, der Leihladen, Besuchs- und Begleitdienste, Kaffeeklatsch, Spieletreffs, Spaziergänge, Radtouren – das alles funktioniert nur durch das direkte Zusammentreffen der Helfenden mit den Hilfebedürftigen.

Maintal – Gerade in den Lockdown-Monaten sind für ältere Menschen die Angebote der Bürgerhilfe oft die einzigen Kontakte überhaupt und wichtiger denn je. Die Mammutaufgabe, diese Hilfsdienste aufrecht zu erhalten und weiterzuentwickeln, tritt die Bürgerhilfe Maintal in diesem Jahr mit einem verjüngten Vorstand an: „Bei der nächsten Mitgliederversammlung, wann immer sie stattfinden kann, scheiden vier Mitglieder altersbedingt aus, die als Gründungsmitglieder bereits seit 20 Jahren aktiv sind“, sagt Wilfried Siegmund, erster Vorsitzender der Bürgerhilfe Maintal. Neu als zweite Vorsitzende kooptiert, also bislang nur von den anderen Vorstandsmitgliedern gewählt, bis wieder Mitgliederversammlungen möglich sind, wurde Ellen Tappert.

Neu ist Ellen Tappert bei der Bürgerhilfe allerdings nicht. Schon seit 2003 ist sie Mitglied und hat sich mehrere Jahre in vielen Hilfsdiensten des gemeinnützigen Vereins engagiert, hat Menschen zum Arzt begleitet, beim Einkaufen geholfen. Zwischenzeitlich musste sich die heute 65-Jährige jedoch stärker um ihre eigene Familie kümmern. Zudem ist die Bürgerhilfe nicht ihr einziges Ehrenamt. Die Software-Entwicklerin ist außerdem auch im Verein der Freunde und Förderer der DRK-Seniorenzentren Kleeblatt aktiv, und im März endet ihr Engagement als ehrenamtliche Stadträtin. „Das gibt mir neue Freiräume, um mich in der Bürgerhilfe zu engagieren“, sagt die frisch gebackene Rentnerin. „Ich bin ein Mensch, der schon immer gerne mit anderen Menschen gearbeitet hat und das soziale Miteinander fördern will. Die Bürgerhilfe ist eine großartige Plattform dafür. Ich möchte meinen Teil dazu beitragen, dass der Verein in Maintal erfolgreich bleibt und weiterhin so gut von der Bevölkerung angenommen wird.“

Michael Gruhn soll Beisitzer werden

Mit ihr, Wilfried Sigmund, Kassierer und Schriftführerin ist der vierköpfige geschäftsführende Vorstand komplett. Der erweiterte Vorstand besteht aus mehreren Beisitzern, die einzelne Projekte und Veranstaltungen betreuen.

Hierfür konnte die Bürgerhilfe mit Michael Gruhn ebenfalls ein neues Mitglied gewinnen. Der 61-Jährige hat schon einige Freizeitaktivitäten wie beispielsweise das Waldbaden umgesetzt. „Solche Freizeitangebote sind für unsere Mitglieder gerade jetzt besonders wichtig, weil sie gegen die Vereinsamung helfen“, sagt der selbstständige Kaufmann aus Bischofsheim.

Meiste Veranstaltungen der Bürgerhilfe mussten abgesagt werden

Ellen Tappert ist seit 2003 bei der Bürgerhilfe

Im vergangenen Jahr musste die Bürgerhilfe ihre Veranstaltungen jedoch bis auf wenige Ausnahmen, die draußen stattfanden, absagen. Im Lockdown im Frühjahr war für einige Woche alles geschlossen. Als sich die Lage im Frühsommer entspannte, waren rund hundert aktive Mitglieder bereit, die Angebote unter Pandemiebedingungen wieder aufzunehmen. „Wir waren kreativ und haben alles Mögliche versucht, um berührungsfreie Konzepte zu entwickeln und unsere Einrichtungen wieder aufzumachen“, sagt Wilfried Siegmund. Dennoch verzeichnet die Bürgerhilfe bei ihren „Aufträgen“, wie sie die Hilfsleistungen abgesehen von der Tafel nennt, einen deutlichen Rückgang: Vor Corona wurden jährlich rund 800 Besuchs- und Begleitdienste abgefragt, 2020 nur circa 500.

Obwohl der Verein dafür mit rund 2500 Mitgliedern, davon 350 aktiven, auf eine solide Personalbasis bauen kann, sind Öffentlichkeitsarbeit und Mitgliedergewinnung zentrale Aufgaben für den neuen Vorstand.

Wilfried Siegmund blickt optimistisch in die Zukunft

„Das Durchschnittsalter ist relativ hoch, sodass wir uns permanent um neue Mitglieder bemühen müssen, um in allen Bereichen einen fließenden Generationenwechsel zu erreichen“, sagt Siegmund. Zudem soll die Bürgerhilfe sich stärker zu einer Plattform entwickeln, auf der Maintaler Bürgerinnen und Bürger eigene Ideen und Projekte vorschlagen und umsetzen können.

So seien der Kindershop als eigenständiger Secondhand-Verkauf für Kinderkleidung und Spielsachen und der Leihladen entstanden. Ein neuer Vorschlag aus der Bevölkerung, der umgesetzt werden soll, sobald es die Corona-Maßnahmen zulassen, ist zum Beispiel ein Eltern-Kind-Treff – der für einen Zulauf jüngerer Mitglieder sorgen könnte. Auch ein telefonischer Besuchsdienst steht für das neue Jahr auf dem Programm. „Mit Ellen Tappert und Michael Gruhn haben wir zwei kreative, eifrige Leute mit vielen neuen Ideen gewonnen. Ich bin sehr glücklich, dass wir mit beiden einen jüngeren, schlagkräftigen Vorstand aufstellen, um die Herausforderungen der kommenden Jahre anzugehen“, blickt Wilfried Siegmund optimistisch in die Zukunft. „Wir stehen mit vielen Ideen in den Startlöchern und warten darauf, dass es bald wieder losgeht“, ergänzt Ellen Tappert. Derzeit sind Textil- und Kindershop geschlossen. Der Leihladen verleiht sein Angebot auf E-Mail-Anfrage. Die Geschäftsstelle ist geschlossen, aber per E-Mail unter info@buergerhilfe-maintal.de und unter der Telefonnummer 06181-438629 erreichbar. (Von Bettina Merkelbach)

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