Stadtentwicklung

Bürgerhaus Bischofsheim: So ist der aktuelle Planungsstand des Neubaus

Auf dem Gelände des Bürgerhauses in Bischofsheim sollen Wohnungen und ein Vollsortimenter entstehen. Das neue Bürgerhaus soll auf dem Nachbargrundstück entstehen. 
LUFTBIlD: AXEL HÄSLER
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Auf dem Gelände des Bürgerhauses in Bischofsheim sollen Wohnungen und ein Vollsortimenter entstehen. Das neue Bürgerhaus soll auf dem Nachbargrundstück entstehen.

Bereits seit über einem Jahr ist der Neubau des Bürgerhauses auf dem benachbarten Gelände der evangelischen Kirchengemeinde und die Errichtung eines Vollsortimenters mit Wohnungen auf dem Bestandsgrundstück beschlossene Sache. Doch seit einigen Wochen werden kritische Stimmen laut, die sich deutlich gegen einen Neubau und für eine Sanierung aussprechen. Die Argumente hierbei reichen von fehlender Wirtschaftlichkeit bis hin zu Tatsachenbehauptungen zu möglichen Investoren.

Maintal – Bei der Bauvariante, für die sich die Stadtverordneten am 11. Juni 2019 entschieden haben, handelt es sich um ein zweigeschossiges Gebäude mit im Vergleich zum Bestandsgebäude reduzierter Fläche. Dieser Neubau beinhaltet zwei Säle, wobei der größere bis zu 920 Personen und der kleinere bis zu 390 Gäste fassen soll. Zudem sind Mehrzweckräume für Vereine und eine Gastronomie geplant. Nach Angaben der Stadt sollen die Vereine die Räumlichkeiten im neuen Bürgerhaus wie bisher für ihren Übungsbetrieb und ihre Veranstaltungen nutzen können. „Die Funktion des Bürgerhauses ist ein Haus für Vereine und Veranstaltungen“, heißt es in der Mitteilung,

Im Gegensatz zu dem Bestandsgebäude wird es keine Kegelbahn und keinen Schießstand geben. Bereits bei der Planung für die Sanierung wurde (im Falle der 18-monatigen Schließung der Arbeiten wegen) an Ausweichmöglichkeiten gearbeitet. Während den Keglern empfohlen wurde, in die Maintal-Halle auszuweichen, verwies man die Schützen in die Bürgerhäuser in Hochstadt und Wachenbuchen sowie ebenfalls die Maintal-Halle.

Zwar trainieren zwei Schützenvereine im Bürgerhaus (SV Hubertus Bischofsheim und Sportschützengemeinschaft Maintal), jedoch gehören diese mit jeweils um die 50 Mitglieder zu den kleineren Vereinen in Maintal.

Maintal: Neubau des Bürgerhaus Bischofsheim soll 9,9 Millionen Euro kosten

Die Kosten des Neubaus belaufen sich auf insgesamt 9,9 Millionen Euro, wobei hier noch 1,2 Millionen Euro für den Abriss hinzukommen. In der ursprünglichen Wirtschaftlichkeitsbetrachtung vom 23. April 2019 wurde dem Gesamtbetrag ein möglicher Erlös für den Verkauf des Bestandsgrundstücks abgezogen. Dieser Erlös ergibt sich aus dem Verkauf des Grundstücks an die Maintaler Immobiliengesellschaft (MIG) und soll sich auf schätzungsweise 2,7 Millionen Euro belaufen.

Laut Wirtschaftlichkeitsbetrachtung kostet also der Neubau des Bürgerhauses in Kombination mit dem Abriss des Bestandsgeäudes rund 8,4 Millionen Euro und wurde anschließend des geplanten Sanierungskosten für das aktuelle Bürgerhaus (7,6 Millionen Euro) entgegengestellt.

Für Bürgermeisterin Monika Böttcher ist der Neubau daher die logische Konsequenz: „Die Sanierungskosten von 7,6 Millionen Euro sind sehr hoch für ein Gebäude, das auch nach einer solchen Sanierung ein über 40 Jahre altes Gebäude mit entsprechender Bausubstanz bleibt. Zudem müsste angesichts des Alters des Objekts auch nach Abschluss der Sanierung mit weiteren Maßnahmen gerechnet werden, die heute noch gar nicht absehbar sind. Dagegen erhalten wir mit einer überschaubar höheren Investition von 800.000 Euro ein komplett neues Gebäude mit langer Lebensdauer und langer Abschreibung.“

Bürgerhaus: Stadt Maintal hat einen Erbbauzins mit der evangelischen Kirchengemeinde Bischofsheim vereinbart

Da der Neubau auf dem Gelände der evangelischen Kirchengemeinde erfolgen soll, wurde eine Erbbauvereinbarung auf 99 Jahre vereinbart, Der Erbbauzins wurde auf 43.400 Euro jährlich festgesetzt. Dies entspricht vier Prozent des Grundstückswerts. In den ersten drei Jahren liegt dieser Zins jedoch bei nur jährlichen 18.480 Euro. „Damit kommen wir der Stadt entgegen“, so Pfarrer Jens Heller von der evangelischen Kirchengemeinde, „da bis zur Fertigstellung des Bürgerhauses noch einige Jahre vergehen werden.“

Für die Stadt habe es viele Vorteile auf dem Grundstück der Kirche zu bauen statt das Bestandsgebäude abzureißen und an selbiger Stelle das neue Bürgerhaus zu errichten. So erlaube dieses Vorgehen das bestehende Bürgerhaus bis zur Fertigstellung des neuen Bürgerhauses zu nutzen. „Dadurch wird ein nahtloser Übergang ermöglicht“, erklärt die Stadt auf Nachfrage, „schließlich ist das Bürgerhaus in Bischofsheim eine zentrale Veranstaltungsstätte. Eine mehrmonatige Schließung aufgrund von Abrissarbeiten und Neubau würde das Veranstaltungs- und Vereinsangebot in Maintal für einen beträchtlichen Zeitraum erheblich einschränken. Zudem bietet der Neubau die Möglichkeit, ein zeitgemäßes und optimiertes Raumkonzept umsetzen zu können.“

Für die Finanzierung des 9,9 Millionen teuren Neubaus werden laut der Stadt Maintal Fördermittel des Sondervermögens „Hessenkasse“ in Höhe von 9,27 Millionen Euro herangezogen. „Davon entfallen 8,3 Millionen Euro auf Investitionszuweisungen. Nur ein Zehntel des Förderprogramms (927.551 Euro) ist von der Stadt als Eigenanteil zu tilgen“, teilte die Stadt auf Nachfrage mit. Dieser Eigenanteil soll in Form eines Darlehens abgezahlt werden. Böttcher sieht dies als gute Chance: „Maintal gehört zu den wenigen Kommunen, die aufgrund solider Haushaltsführung der vergangenen Jahre von dem Förderprogramm des Landes profitieren und diese Mittel in ein Vorhaben investieren kann, das der Bürgerschaft Maintals zu Gute kommt“.

Baustart für den Neubau des Bürgerhaus Bischofsheim ist noch nicht geklärt

Wann genau die Arbeiten beginnen, ist noch unklar. Auf Nachfrage erklärt die Stadt: „Das Erbbaurecht ist bewilligt und eine Machbarkeitsstudie für den Neubau wurde erstellt. Der nächste Schritt ist die Suche nach einem Architekten, die EU-weit ausgeschrieben wird.“ Da eben noch kein Architekt gefunden sei, könne man noch kein Datum für einen Baubeginn nennen. Der Abriss und die Entwicklung des Grundstücks, auf dem sich aktuell das Bestandsgebäude befindet, würden erst beginnen, wenn das neue Bürgerhaus in Betrieb ist.

„Schließlich möchten wir eine durchgängige Nutzung dieser zentralen Veranstaltungsstätte sicherstellen“, erklärt die Stadt Maintal auf Nachfrage.

Da noch kein genauer Termin für den Bau des Vollsortimenters auf dem Bestandsgrundstück vorliege, könne man noch keine Verträge abschließen. Auf Nachfrage bestätigte die Pressestelle der Stadt jedoch, dass es in der Vergangenheit mehrfach Gespräche mit Vollsortiments-Anbietern gab, die stets großes Interesse bekundet hätten.

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