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Der Herr der Schleiereulen: Heinz Hausotter betreut die Nistkästen im Bischofsheimer Kirchturm

Heinz Hausotter versorgt Schleiereulen und Turmfalken
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Toller Ausblick: Heinz Hausotter versorgt Schleiereulen und Turmfalken oben auf dem Bischofsheimer Kirchturm.

Im Bischofsheimer Kirchturm leben Turmfalken und Schleiereulen. Heinz Hausotter vom NaBu kümmert sich um deren Nistkästen

Maintal – 126 Vogelarten leben in Maintal. Nicht alle sind so willkommen wie die Turmfalken und Schleiereulen, die im Turm der Evangelischen Kirche in Bischofsheim nisten. Damit zwar die hellen Schleiereulen, aber möglichst keine Tauben den Weg in den Nistkasten finden, hat Heinz Hausotter von der Maintaler Ortsgruppe des Naturschutzbundes Nabu bei der Kirchturm-Sanierung vor zwei Jahren auf der freien Nordseite des Turmes Einfluglöcher in Postkartengröße angebracht.

Schon 1986 hat der ehrenamtliche Vogelschützer den Nistkasten ganz oben im Kirchturm installiert. „Es hat einige Jahre gedauert, bis die erste Schleiereule hier eingezogen ist“, erklärt der Pensionär.

Schleiereulen nehmen eine Sonderstellung in der Vogelkunde ein

Die Schleiereulen im Bischofsheimer Kirchturm schauen recht verschlafen drein.

Charakteristisch für die Vogelart, die als eigene Familie eine Sonderstellung im Vergleich zu anderen Eulen einnimmt, ist ihr herzförmiger, weißer Gesichtsschleier. Da sie Brutplätze innerhalb von Ortschaften bevorzugen, ist es wichtig, exponierte Gebäude wie Kirchtürme, aber auch Ruheplätze in Scheunen und Ställen für Schleiereulen zugänglich zu machen. „Wenn die Jungvögel ein gewisses Alter erreicht haben, werden den Eltern die Bettelrufe nach Futter zu laut“, erklärt Hobby-Ornithologe Heinz Hausotter. Die nachtaktiven Alttiere suchen sich tagsüber einen ruhigen Platz zum Schlafen. Die Nestlinge bleiben im Nistkasten.

„Die Jungtiere sind unterschiedlich groß, weil das Schleiereulen-Weibchen mit dem ersten Ei anfängt zu brüten und weitere Eier legt. Die Kleinen schlüpfen im Abstand von wenigen Tagen und sind nach etwa zwei Monaten Nestlingszeit flügge“, weiß Hausotter, der seit der Installation des Nistkastens hundert Jungtiere hat ausfliegen sehen. Um nachverfolgen zu können, wo sie sich ansiedeln, beringt die im Vogelschutz besonders aktive Nabu-Ortsgruppe die Jungtiere – eine Aufgabe, die Hausotter, seit rund 40 Jahren Nabu-Mitglied, übernommen hat.

Hausotter hat Spaß an der Arbeit an den Nistkästen der Schleiereulen

„Ich kontrolliere die Nistkästen regelmäßig und mache sie sauber, das macht mir Spaß“, berichtet der rüstige Rentner. Eine gewisse körperliche Fitness ist dafür tatsächlich auch erforderlich. Immerhin muss er bis ganz hinauf in den Kirchturm klettern, um die Brutstätten besichtigen und pflegen zu können.

Auf der Ostseite außen ist ein weiterer Nistkasten angebracht, in dem Turmfalken brüten. Die hier geschlüpften Greifvogel-Jungen sind allerdings schon im Juni ausgeflogen. „Der Kirchenvorstand war damit einverstanden“, erinnert sich Nabu-Mitglied Hausotter an die Absprache 1986, im und am Kirchturm Nistkästen für Schleiereulen und Turmfalken anzubringen. Immerhin, so der Vogelexperte, gebe es momentan nur fünf bis sechs Schleiereulen-Brutpaare im gesamten Main-Kinzig-Kreis.

Mäusepopulation hat Auswirkungen auf das Brut- und NIstverhalten

Heinz Hausotter inspiziert den Brutkasten der Schleiereulen.

„Ob sich hier Schleiereulen zum Brüten niederlassen, ist hauptsächlich von der Mäusepopulation abhängig“, erklärt der Vogelschutz-Experte. Daher ist es nicht nur wichtig, Brutplätze zu schaffen, sondern auch den Lebensraum von Kleinsäugetieren auf Feldern und Wiesen zu erhalten, damit die Nachtjäger genügend Futter für sich und ihre Brut finden. Hausotter beobachtet oft, wie die Schleiereulen, die mit beginnender Dunkelheit vom Kirchturm aus auf Raubflüge über die Streuobstwiesen und Felder rund um Bischofsheim gehen, mit kleinen Beutetieren in den Krallen zurückkehren.

Dabei verlassen sie sich allein auf ihr Gehör. „Sie landen mit der Maus in den Krallen auf dem Geländer um den Turm und nehmen dann das Futter in den Schnabel, um die Jungen damit zu füttern“, berichtet er. Anhand des sogenannten Gewölles unverdauliche Nahrungsreste wie Knochen, die die Vögel auswürgen – kann der Hobby-Experte sehen, wie viele Mäuse die Schleiereulen verputzen. Aufgrund seiner jahrzehntelangen Erfahrung weiß er, dass er den Nistkasten am besten spätabends besucht. Ansonsten, so Hausotter, sei die Gefahr, das Brutpaar abzuschrecken, sodass es nicht mehr zum Brüten zurückkehrt, zu groß.

VON BETTINA MERKELBACH

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