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Die Zeichen stehen auf Arbeitskampf: IG Metall und Norma-Betriebsrat bestimmen ihren Kurs

Zukunft oder Widerstand: Norma-Betriebsrat Klaus Ditzel kämpft mit der Norma-Belegschaft gegen den geplanten Stellenabbau am Stammsitz.
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Zukunft oder Widerstand: Norma-Betriebsrat Klaus Ditzel kämpft mit der Norma-Belegschaft gegen den geplanten Stellenabbau am Stammsitz.

In Sachen Stellenabbau am Maintaler Stammsitz des Norma-Konzerns stehen die Zeichen auf Verhandlungen und nötigenfalls Arbeitskampf. Wie bereits mehrfach berichtet, plant das Unternehmen, rund 160 der über 500 Arbeitsplätze im Stammhaus abzubauen und eine Niederlassung in der thüringischen Gemeinde Gerbershausen mit rund 140 Mitarbeitern komplett zu schließen.

Maintal –Die Geschäftsführung der Norma-Group, die Verbindungselemente vorwiegend für die Automobilindustrie herstellt und vertreibt, begründet ihre Pläne mit einem wirtschaftlichen Einbruch in jüngster Zeit. Die Wettbewerbsfähigkeit ließe sich nur durch Personaleinsparungen aufrecht erhalten. Dagegen läuft die Maintaler Belegschaft, verkörpert durch die Industriegewerkschaft Metall (IGM), Sturm. Und Mitgliederversammlungen unter freiem Himmel sind in Zeiten von Corona nichts unbedingt Ungewöhnliches.

Am vergangenen Samstag hielt der IG-Metall-Bezirk Hanau-Fulda die seine auf dem Bischofsheimer Festplatz ab, mit einem einzigen Thema: Norma. Mit dem corona-bedingten Mindestabstand der über 200 erschienenen Mitglieder untereinander und überwiegend Mund- und Nasenbedeckung sowie weiteren Schutz- und Hygienemaßnahmen. 220 Hocker aus Pappe waren jeweils 1,5 Meter voneinander aufgestellt, kaum einer blieb unbesetzt – im Gegenteil. Einige Gewerkschafter suchten Schutz vor der prallen Mittagssonne und bei Temperaturen um die 30 Grad im Schatten der Bäume rings um den glühend heißen Platz.

Norma in Maintal: Mitglieder bestätigen Kurs des IGM-Bezirks-Bevollmächtigten

Die IG-Metall rund um Bezirksbevollmächtigten Robert Weißenbrunner hatte zu der Versammlung eingeladen.

Trillerpfeife, rote Baseballkappe und Zollstock, unverzichtbares Utensil in Corona-Zeiten, lagen ebenso bereit wie Schilder mit der Aufschrift „Zukunft“ und „Widerstand“. Die waren gleichzeitig Mittel zur Stimmabgabe, bei der die Mitglieder einstimmig den Kurs ihres Vorstands in Gestalt des IGM-Bezirks-Bevollmächtigten Robert Weißenbrunner bestätigten.

Wobei auch der eingestehen musste, dass die momentane wirtschaftliche Situation des Betriebs „nicht gerade rosig“ sei. Aber eine Sanierung dürfe nicht auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen werden, und einem Stellenabbau wie geplant müsse entschieden entgegengetreten werden. „Das, was in Maintal passiert, hat schon etwas mit Unmenschlichkeit zu tun“, rief Weißenbrunner unter dem Applaus der Gewerkschafter von der Tribüne.

Das Vertrauen in die Unternehmensführung, die Krise zu meistern, sei in der Belegschaft verloren gegangen. Zumal der Glaube, dass es bei „nur“ 160 Stellenstreichungen bleiben würde, ebenfalls schwinde. „Das ist ein Sterben auf Raten“, prophezeite auch Betriebsratsvorsitzender Klaus Ditzel.

Norma in Maintal habe laut Gewerkschaft keine Pläne für die Zukunft

Das Unternehmen habe nach Ansicht der Gewerkschaft „keinerlei Pläne über das Jahr 2022 hinaus“ und reagiere auch völlig unzureichend auf die Strukturkrise in der Automobilindustrie, die ebenfalls völlig verspätet den Trend zur Elektromobilität realisiert habe. „Corona ist überall auf der Welt, aber auch andere Unternehmen machen Verluste und müssen sich einschränken. Doch diesen Zukunftsplänen bei Norma müssen wir unsere Forderungen entgegensetzen und nötigenfalls auch streiken“, sagte Weißenbrunner. Ein „Zukunftspakt“, wie ihn die IGM fordert, darf nicht mit Arbeitskampfmaßnahmen durchgesetzt werden. Tarifpläne schon, dies regle das Tarifvertragsgesetz, wie Weißenbrunner erläuterte.

Und so sind die nächsten von den Mitgliedern unisono beschlossenen Schritte die Aufforderung an den Arbeitgeber zur Aufnahme von Tarifverhandlungen, mit gleichzeitigen Gesprächen über einen Zukunftspakt für die Norma Group Germany. Parallel dazu solle der juristische Disput zwischen Betriebsrat und Arbeitgeber auf betriebsverfassungsrechtlicher Ebene geführt werden.

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