AUS DEM GERICHT

Dritter Anlauf für Maintaler Mordprozess

Im mittlerweile dritten Prozess wegen der Tötung der Besitzer eines Reiterhofs im Juni 2014 nehmen der 66-jährige Vater (hinten) und sein 36 Jahre alter Sohn (vorne) auf der Anklagebank im Frankfurter Landgericht Platz.
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Im mittlerweile dritten Prozess wegen der Tötung der Besitzer eines Reiterhofs im Juni 2014 nehmen der 66-jährige Vater (hinten) und sein 36 Jahre alter Sohn (vorne) auf der Anklagebank im Frankfurter Landgericht Platz.

Bereits zum dritten Mal müssen sich Vater Klaus-Dieter B. (66) und Sohn Claus Pierre B. (36) für Mord (Vater) beziehungsweise Totschlag (Sohn) an ihrem Vermieter-Ehepaar Harry und Sieglinde K. (beide 57) verantworten.

Maintal/Frankfurt - Unstrittig ist, dass Claus Pierre B. Harry K. mit 17 Messerstichen getötet hat. Unstrittig ist ebenfalls, dass Klaus-Dieter B. Sieglinde K. erschossen hat. Das Ehepaar K. hatte die B.s am 6. Juni 2014 auf der „Main-River-Ranch“, einem heruntergekommenen ehemaligen Pferdehof in Maintal, heimgesucht, um die fällige Pacht einzutreiben. Die Leichen des Ehepaars waren erst Monate nach der Tat unter einem Misthaufen auf dem Gelände, das die Polizei zuvor mehrfach vergeblich abgesucht hatte, gefunden worden – nachdem die B.s den Fahndern verraten hatten, wo sie die Leichen versteckt hatten. Das Messer hatte Klaus-Dieter B. in den Main geworfen, die Pistole im Keller seiner Schwester gelagert, das Auto der K.s auf einem Supermarktparkplatz abgestellt.

Das Landgericht Hanau hatte die B.s im August 2015 freigesprochen, weil es eine Notwehr der beiden nicht ausschließen konnte. Nach Aussage der Angeklagten war Harry K., der von einigen Zeugen als cholerisch und gewaltbereit beschrieben worden war, zuerst mit dem Messer auf B. junior losgegangen. Der habe sich erst nur gewehrt und sich dann in eine Art Rausch hineingestochen, in dem er nicht mehr schuldfähig gewesen sei. B. senior habe wohl auf Sieglinde K. geschossen, weil diese dabei gewesen sei, auf seinen Sohn mit einem von ihr mitgebrachten Beil einzuschlagen.

Nach der Urteilsverkündung war es im Gerichtssaal zu Tumulten gekommen, die Angeklagten mussten unter Polizeischutz hinausgeführt werden.

Prozedere erinnert an den Fall Monika Weimar

Der Bundesgerichtshof (BGH) hob das Urteil im Februar 2017 nach einer Revision von Staatsanwaltschaft und Nebenklage wegen vermeintlicher Fehler in der Beweiswürdigung auf und verwies den Fall an das Landgericht Hanau zurück. Das aber kam im März 2018 abermals zu dem gleichen Ergebnis: Freispruch für beide Angeklagte, lediglich der Vater wurde wegen unerlaubten Waffenbesitzes zu einer Bewährungsstrafe von acht Monaten verurteilt. Erneut hob der BGH das Urteil aus denselben Erwägungen auf – und verwies den Fall an die Schwurgerichtskammer in Frankfurt.

So ein Prozedere ist selten und erinnert an den Fall Monika Weimar. Die wurde 1989 vom Landgericht Fulda wegen Mordes an ihren zwei Töchtern zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Zwar verwarf der BGH in diesem Fall die Revision, aber das Oberlandesgericht Frankfurt ordnete 1995 eine Wiederaufnahme des Verfahrens an. 1997 wurde die Frau, die mittlerweile wieder ihren Mädchennamen Böttcher führte, vom Landgericht Gießen freigesprochen. Diesmal aber gab der BGH dem Revisionsantrag der Staatsanwaltschaft statt – 1999 wurde Böttcher vom Landgericht Frankfurt abermals zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt.

Nun muss sich die Große Strafkammer unter dem Vorsitz von Volker Kaiser-Klan erneut mit dem Tod des Ehepaars K. beschäftigen – und nimmt sich dafür Zeit. 22 Verhandlungstage sind bislang terminiert, 70 Zeugen sollen gehört werden, auch eine Tatortbegehung ist wieder geplant. Am ersten Tag wiederholt die Verteidigung Vater B.s Verteidigungsrede aus dem Jahr 2014, in der er von Notwehr spricht. Sein Sohn hingegen verweigert zumindest am ersten Verhandlungstag jede Stellungnahme. Der BGH, so sein Verteidiger, scheine von den Stellungnahmen ohnehin nicht viel zu halten. (Von Stefan Behr)

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