Über die Schulter geschaut

Ein Ohr für undichte Feuerwehr-Schläuche: Wir begleiten Gerätewart Jochen See bei der Schlauchwäsche

Für die Wartung und auch das Waschen all dieser Schläuche ist Gerätewart Jochen See verantwortlich
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Für die Wartung und auch das Waschen all dieser Schläuche ist Gerätewart Jochen See verantwortlich.

Stück für Stück verschwindet die gelbe Stoffschlange in der Maschine, wie ein überdimensionaler Regenwurm, der von einem hungrigen Vogel eingesaugt wird. Es spritzt, zischt und tropft, bis die leuchtende Stoffbahn aus der blauen Kiste wieder auftaucht. Runde für Runde dreht sich der tropfnasse Schlauch auf die Arme eines rotierenden Rondells auf. Jochen See drückt ein paar Tasten auf dem Bedienfeld der Anlage. Plötzlich füllt sich die gerade noch platte Röhre mit Wasser, das druckvoll hineinschießt, um zu prüfen, ob die Hülle hält. Was der Gerätewart bedient, ist die zentrale Schlauchwaschanlage für alle Maintaler Stadtteilwehren.

Maintal – Rund tausend Wasserschläuche reinigen er und seine Kollegen jährlich, damit sie für die Einsätze sauber und intakt sind. Innen Gummi, außen mit Kunststofffaser überzogen, zählen die verschieden dicken Schläuche zum wichtigsten Equipment der Feuerwehr. Durch Matsch und Ascherückstände werden sie bei jedem Einsatz verschmutzt und landen nach beendeter Mission in der Schlauchwerkstatt in einer Wanne wie in einem riesigen Wäschekorb, aus der ein Gerätewart sie meist einmal pro Woche durch die Waschmaschine jagt. Besonders dreckige Exemplare werden eingeweicht, bevor die Waschanlage sie mit Hochdruck wieder auf Vordermann bringt, automatisch trocknet, auf Dichtigkeit prüft und aufwickelt.

Die Dichtigkeitsprüfung belastet jeden Schlauch mit 16 bar, verrät Experte Jochen See. Er hört meist sofort, ob das Gummi dichthält oder ob Wasser austritt. „Es passiert sehr selten, dass ein Schlauch bei einem Einsatz mal wirklich platzt“, plaudert der Leiter der zentralen Schlauchwerkstatt der Maintaler Feuerwehr aus dem Nähkästchen.

Mehr als 800 Schläuche lagern im Feuerwehrhaus in Bischofsheim.

Löcher durch spitze Gegenstände können hingegen schon entstehen und müssen dann wie bei einem Fahrradschlauch geflickt werden. „Wenn das Loch direkt an der Kupplung ist, schneide ich den Schlauch einfach ein Stück ab oder mache zwei kürzere Schläuche draus, wenn er in Mitte undicht ist“, sagt Jochen See.

Zur Reparatur kommt ein Vulkanisiergerät zum Einsatz, das Schlauchgummi und Flicken wasserdicht miteinander verbindet. Dennoch mustert der Gerätewart rund 20 Schläuche jährlich aus. Das zur Dichtigkeitsprüfung genutzte Wasser fließt zurück in die Anlage und wird beim nächsten Waschgang einfach wiederverwendet. Der geprüfte Schlauch wird von speziellen Saugern vom Wasser befreit, läuft Stück für Stück auf der anderen Seite aus der Anlage heraus, wird aufgewickelt, getrocknet und ins Schlauchlager gelegt, aus dem die Löschfahrzeuge für den nächsten Einsatz bestückt werden. Hier, im zentralen Schlauchlager im Feuerwehrhaus im Dörnigheimer Weg in Bischofsheim, liegen insgesamt über 800 Schläuche mit unterschiedlichen Dicken. Die meisten davon sind sogenannte B-Schläuche. „Sie werden meist zum Wassertransport vom Hydranten zum Fahrzeug und vom Fahrzeug zur Brandstelle genutzt und erreichen eine Leistung von 400 bis 800 Liter“, erklärt Jochen See.

Hochmoderne Technik im Gerätehaus der Maintaler Feuerwehr. . .

Zusätzlich gibt es noch C- und D-Schläuche mit kleineren Durchmessern und entsprechend geringerer Literleistung, die leichter und dadurch einfacher zu handhaben sind. „Früher waren die Schläuche aus Hanf“, berichtet See. „Das war allerdings erst dicht, wenn es aufgequollen war.“

Früher, damit meint der langjährige Gerätewart vor seiner Zeit. Er ist seit 35 Jahren bei der Bischofsheimer Feuerwehr und dort seit rund 20 Jahren für die Schlauchwerkstatt verantwortlich. Rund drei Stunden verbringt er jede Woche Donnerstagsabends im Gerätehaus, wenn die Kollegen aus den anderen Stadtteilen die dreckigen Schläuche vorbeibringen. Werden dringend mehr Schläuche gebraucht, legt er eine Sonderschicht ein.

Die automatische Schlauchwaschanlage kennt er in- und auswendig. „Wenn man ihre Macken kennt, geht‘s“, erklärt er mit einem Augenzwinkern und schickt den nächsten Schlauch durch die Waschstraße.

. . . und die Maschinen für das Säubern der Feuerwehrschläuche erinnert optisch an eine Autowaschanlage.

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