Frauen in der Maintaler Politik

Maintal kinderfreundlicher machen: Nalan Arampatzi kritisiert Tatenlosigkeit der Altparteien

Neuling in der Politik: Nalan Arampatzi kandidiert für die neue Liste „Gemeinsam für Maintal“.
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Neuling in der Politik: Nalan Arampatzi kandidiert für die neue Liste „Gemeinsam für Maintal“.

Der Überraschungscoup ist gelungen: Bis zur Bekanntgabe der Wahllisten durch den Wahlausschuss hatte von der Wählergemeinschaft keiner etwas gehört. Erst wenige Monate ist es her, dass sich „Gemeinsam für Maintal (Gemeinsam)“ mit dem Ziel gegründet hat, bei der kommenden Kommunalwahl am 14. März ins Stadtparlament einzuziehen. Website und Facebook-Präsenz sind seit Kurzem online.

Maintal – Das Wahlprogramm umfasst 30 Punkte, die die politische Vision der neuen Vereinigung umreißen. Nalan Arampatzi kandidiert auf Listenplatz vier und ist absoluter Neuling auf dem politischen Parkett. Sie möchte sich für ein besseres Miteinander und für eine stärkere Beteiligung der Bürger in Maintal einsetzen.

„Mit der Wahlliste der AfD sehen wir eine Rechtstendenz, der wir eine Stimme entgegensetzen möchten“, sagt die 48-jährige Dörnigheimerin mit türkischen Wurzeln. Gegründet hat sich die Wählergemeinschaft aber auch, um Wähler besser zu erreichen, als es den alteingesessenen Fraktionen gelingt. „Unser Wahlprogramm umfasst viele allgemeine Belange, die uns alle interessieren, bei denen in den vergangenen Jahren einfach viel zu wenig passiert ist“, sagt Arampatzi. „Ich glaube, wir sprechen damit vielen Maintalern aus dem Herzen.“

Arampatzi zog 2002 nach Maintal

Die gelernte Krankenschwester ist seit 2013 Pflegedienstleiterin im Seniorenzentrum Kleeblatt in Dörnigheim und hat ein Ohr für die Sorgen und Probleme der Maintaler. In Hadamar bei Limburg geboren, ist sie 2002 mit ihrem Mann nach Maintal gezogen, erst nach Bischofsheim, dann nach Dörnigheim. Während ihres Studiums des Pflegemanagements hat sie zwei Kinder bekommen und ist nach der Elternzeit wieder im Kleeblatt eingestiegen.

„In unseren Einrichtungen herrscht eine familiäre Atmosphäre. Da kommt man schnell mit den Bewohnern und deren Angehörigen ins Gespräch und erfährt zum Beispiel, wie viele Einschränkungen es für Senioren in unserer Stadt gibt, ob das zu schmale, zugestellte Bürgersteige sind oder es an barrierefreien Zugängen fehlt“, erzählt sie. Mit Rollator oder Rollstuhl sei es für viele ältere Menschen schwierig und unsicher, in Maintal von A nach B zu kommen. „Schnell mal einen kurzen Ausflug an den Main zu machen, wo sich viele Maintaler treffen, wird im Alter zum großen Problem“, sagt die diplomierte Pflegewirtin.

Maintal: Liste ist im Durchschnitt am jüngsten

Mit „Gemeinsam für Maintal“ will Arampatzi Maintal kinder- und seniorenfreundlicher machen. Ganz konkret sind ihr Ziele wie der Ausbau des Fahrradwege-Netzes, der Spielplätze und der Kinderbetreuung, bessere Busverbindungen zu den Schulen und saubere, sichere Fußwege wichtig. Auch die Digitalisierung der Schulen und freies WLAN haben gerade jetzt Priorität für die neue Wählergemeinschaft. Dafür müsste zukünftig mehr Geld in die Bildung investiert werden. „Das alles sind Themen, die uns Maintaler bewegen und für unser Zusammenleben wichtig sind. Dafür wollen wir uns einsetzen, weil die Parteien bislang dafür zu wenig machen“, erklärt sie. Probleme zu benennen, wo bei den Traditionsparteien offenbar Betriebsblindheit herrsche, sieht die Vereinigung als ihre zentrale Aufgabe an. Die Bandbreite der Themen ist groß, die Palette der Expertise, die die Wählergemeinschaft in ihrer bunten Mischung mitbringt, auch. Auf ihre internationale Zusammensetzung möchte sie sich dennoch nicht reduzieren lassen. Mit insgesamt elf von 17 Kandidaten unter 50 ist ihre Wahlliste zwar im Durchschnitt die jüngste. Dennoch sind nur zwei Mitglieder weiblich. „Frauen haben oft eine andere Perspektive und Herangehensweise als Männer, sind meist emotionaler, empathischer. Deshalb wäre es wünschenswert, dass mehr Frauen Mitspracherecht einfordern“, sagt die Kandidatin, die trotz ihrer Unabhängigkeit großer Fan der Fachlichkeit und Besonnenheit von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ist. Sie hofft, dass sich die aktuelle Minderheit weiblicher Akteure in der Maintaler Lokalpolitik aber im Lauf der Zeit von selbst erledigt.

„Die Generationen, die nach uns kommen, werden ihre Stimme ganz selbstverständlich erheben und etwas bewegen“, sagt Nalan Arampatzi. (Von Bettina Merkelbach)

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