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Nach Einkaufstour mit qualitativ hochwertigen 500-Euro-„Blüten“: Geldfälscher müssen hinter Gitter

Kaum von echtem Geld zu unterscheiden: Mit falschen 500-Euro-Scheinen sind zwei Männer auf Einkaufstour gegangen. Jetzt müssen sie ins Gefängnis.
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Kaum von echtem Geld zu unterscheiden: Mit falschen 500-Euro-Scheinen sind zwei Männer auf Einkaufstour gegangen. Jetzt müssen sie ins Gefängnis.

Die Idee von zwei Männern, mit falschen 500-Euro-Banknoten munter auf Einkaufstour zu gehen, ist gründlich schief gegangen: Wegen Geldfälschung und Betrugs müssen beide hinter Gitter. Dieses Urteil hat die 1. Große Strafkammer am Hanauer Landgericht verkündet. So muss der 41-jährige Michael D. für vier Jahre, der 53-jährige Thomas W. für drei Jahre und drei Monate hinter Gitter.

Maintal/Hanau – Überraschend: Die Richter unter dem Vorsitz von Landgerichtspräsidentin Susanne Wetzel urteilen beim Strafmaß sogar etwas höher als von Oberstaatsanwalt Jürgen Heinze beantragt. Er hatte drei Jahre und zehn Monate sowie drei Jahre gefordert.

Als „skrupellos“ bezeichnet Wetzel das Vorgehen des Duos. Nach Überzeugung der Kammer hatte W. aus dunklen Kanälen rund 50 000 Euro an „Blüten“ erhalten und nach eigenen Angaben dafür die Hälfte des Nennwerts bezahlt. Da D. noch Schulden bei seinem Komplizen hatte, übernahm er den Job, das falsche Geld in echte Werte zu versilbern. So kaufte er Goldmünzen in Kassel und Pirmasens, einen Laptop in Miltenberg sowie einen Isetta-Kabinenroller in Koblenz.

Am Rhein lief die Barzahlung mit mindestens 14 gefälschten Scheinen zunächst unbemerkt. Dort nahm die Bank die „Blüten“ an. „In diesem Fall hatte nicht der Verkäufer der Isetta sondern die Bank den Schaden“, so die Vorsitzende. Sie verwies darauf, dass laut Hessischem Landeskriminalamt die falschen 500-Euro-Scheine als „qualitativ hochwertige Fälschungen“ klassifiziert wurden, die auf Anhieb nicht von echtem Geld zu unterscheiden gewesen seien.

Klärung des Falls war für Gericht recht einfach

Bei einem geplanten Coup in Maintal ging die Sache jedoch schief. Als ein BMW den Besitzer wechseln sollte, bestand der Verkäufer darauf, dass die Summe gleich in einem Sparkassenautomaten eingezahlt wird. Doch diesmal war die Software der Bank gewissenhafter: Der Automat zog die „Blüten“ ein und quittierte „Falschgeld“. Die Einkaufstour dauerte nur wenige Wochen, dann flog das Duo auf. Allerdings, das deutete die Vorsitzende an, könnte es nur die Spitze des Eisbergs gewesen sein, denn im Frühjahr 2016 waren noch mehr falsche 500er aufgetaucht.

Für die Kammer ist die Klärung des Falls recht einfach, denn vor allem D. hatte die Flucht nach vorne angetreten und „reinen Tisch“ gemacht. Er nahm den guten Rat seines Pflichtverteidigers Peter Oberländer an und legte ein umfassendes Geständnis ab, weshalb ihm schließlich wohl eine noch längere Freiheitsstrafe erspart haben dürfte. Denn D. hat schon bundesweit Erfahrung mit der Strafjustiz gemacht und verbüßt bereits eine Freiheitsstrafe. Nach längerem Zögern hatte auch W. zugegeben, das Falschgeld besorgt und an seinen Komplizen weitergegeben zu haben. Auch der Ältere ist bereits mehrfach und einschlägig vorbestraft.

Richterin: Falschgeld sei kein Kavaliersdelikt

Daher fällt der Rat von Wetzel auch sehr eindringlich aus: „Wir haben die Hoffnung, dass Sie sich besonnen haben und künftig die Finger von krummen Geschäften lassen.“ Beide Männer seien weiter „im Visier“. „Wenn Sie beide so weitermachen, dann dürften Sie noch längere Zeit im Gefängnis verbringen“, prophezeite ihnen die Landgerichtspräsidentin. So seien die beiden keineswegs im Bereich der organisierten Kriminalität einzuordnen. Viel mehr sei die „Geldwäsche mit Falschgeld“ das Werk von „vorbestraften Kleinkriminellen“.

Allerdings verwies Wetzel darauf, dass es sich bei Falschgeld keineswegs um ein Kavaliersdelikt handelt, sondern um ein Verbrechen, das mit einem bis zu 15 Jahren Haft bestraft werden kann. In diesem Fall ist die Kammer aber in der Pflicht, beiden Männern einen kleinen Rabatt mit auf den Weg zu geben, denn bei W. gelten sechs, bei D. drei Monate bereits als verbüßt. Grund ist die lange Verfahrensdauer, die nicht zu Lasten der Angeklagten gehen darf. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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