„Es geht darum, zuzuhören“

Interview: Dagmar Klein engagiert sich beim Telefonischen Besuchsdienst der Stadt

Gespräche sind gerade in Zeiten sozialer Isolation besonders wichtig. Die städtische Freiwilligenagentur hat dafür einen Telefonischen Besuchsdienst eingerichtet.
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Gespräche sind gerade in Zeiten sozialer Isolation besonders wichtig. Die städtische Freiwilligenagentur hat dafür einen Telefonischen Besuchsdienst eingerichtet.

Maintal – Sich persönlich treffen, über Gott und die Welt plaudern oder einfach mal das Herz ausschütten: In Zeiten von Corona ist das nicht so einfach. Deshalb hat die Freiwilligenagentur – Maintal Aktiv einen Telefonischen Besuchsdienst eingerichtet. Hier greifen freiwillig Engagierte zum Telefon und rufen Menschen an, die sich einsam fühlen, um ihnen zumindest im Gespräch nah zu sein. Eine von ihnen ist Dagmar Klein.

Wenn sie sich ehrenamtlich betätigt, ist ihr der Kontakt mit anderen Menschen wichtig. Sie war lange ehrenamtlich für die Kirchengemeinde tätig und hat sich zuletzt beim Besuchsdienst im Klinikum Hanau engagiert. Im Juli hat sie sich zum Telefonischen Besuchsdienst der Freiwilligenagentur gemeldet. Im Interview gibt sie einen Einblick in ein ehrenamtliches Engagement, das bequem von zu Hause aus und kontaktlos möglich ist und gleichzeitig ganz viel Nähe bringt.

Wie haben Sie den ersten Telefonischen Besuchsdienst erlebt?
Der erste Kontakt ist natürlich besonders spannend. Die oder der Angerufene wartet bereits auf den Anruf und freut sich über den Kontakt. Mein erstes Telefonat verlief sehr positiv und war deshalb der perfekte Start.
Was unterscheidet den Telefonischen Besuchsdienst von anderen Telefonaten?
Dass man mit einem Menschen spricht, der nicht zum täglichen Umfeld gehört. Bei den Gesprächen geht es darum, sich auf die Sichtweise des telefonischen Gegenübers zu konzentrieren und nicht auf die eigene. Schließlich geht es nicht um mich, sondern um einen anderen Menschen, der sich Kontakt wünscht. Man baut auch eine ganz spezielle Bindung auf. Es geht vor allem darum, zuzuhören.
Wie ist es, jemand Unbekanntes anzurufen?
Für viele ist es sicherlich etwas ungewohnt. Schließlich spricht man mitunter über sehr persönliche Dinge. Am besten hört man einfach auf sein Gefühl und handelt intuitiv. Falls die Person am anderen Ende der Leitung über persönliche Probleme spricht, sollte man Verständnis zeigen und dem Gegenüber deutlich machen, dass jedes Gefühl berechtigt ist. Es kann auch hilfreich sein, einen Gesprächsfaden zu entwickeln und sich während des Telefonats daran zu orientieren. Da Angerufene meist viel von sich erzählen, kann man beim nächsten Besuch diese Themen aufgreifen, um leichter ins Gespräch zu finden.
Wie ist Ihnen der Einstieg ins Telefonat gelungen?
Bei meinem ersten Anruf wurde ich mit den Worten „Ja, ich habe schon gewusst, gleich klingelt das Telefon“, begrüßt. Ich hatte mir im Vorfeld bereits Gedanken darüber gemacht, wie ich das Gespräch am besten beginnen könnte. Geleitet von dem Gedanken, dass das Wort „besuchen“ positiv belegt ist, begann ich mit: „Ja, ich darf Sie heute telefonisch besuchen.“
Dagmar Klein engagiert sich beim Telefonischen Besuchsdienst der städtischen Freiwilligenagentur und hat schon viele Erfahrungen gesammelt.
Worüber haben Sie sich beim ersten Gespräch unterhalten?
Meine Gesprächspartnerin erzählte zu Beginn davon, dass sie Menschen um sich hat, aber sich trotzdem einsam fühle. Der Einstieg wurde also direkt durch persönliche Informationen begleitet und wir fassten schnell Vertrauen. Die Dame, mit der ich sprach, hatte sich nach vielen gescheiterten Versuchen, einen Gesprächspartner zu finden, schließlich bei der Freiwilligenagentur gemeldet und sich über das angebotene Format gefreut.
Ist Ihnen ein Gesprächsmoment besonders in Erinnerung geblieben?
Wie es bei persönlichen Gesprächen zwischen zwei Menschen oft der Fall ist, gibt es natürlich Momente, die man ganz besonders in Erinnerung behält. Die Dame erzählte mir davon, wie sie ihren Ehepartner im Hospiz begleitet hatte. Das hat mich doch sehr beschäftigt. Sie hatte das Thema oft angesprochen, aber auch den Eindruck vermittelt, dass sie darüber gar nicht sprechen sollte, weil es schon so lange her sei. Während der Telefonate verhielt sie sich oft etwas unsicher. Als sie mir nach etwas über einem Monat mitteilte, dass sie den Telefonischen Besuchsdienst nicht mehr benötige, klang sie dann sehr sicher. Ich glaube, die Gespräche haben ihr gut getan.  ccc

Infos und Kontakt

Der telefonische Besuchsdienst der Maintal Aktiv - Freiwilligenagentur soll Menschen ganz unkompliziert und ohne Ansteckungsrisiko zusammenbringen. Wer sich dafür interessiert, oder Jemanden kennt der oder die gerne mal angerufen werden möchte, kann sich unter 06181 400432 oder per E-Mail an freiwilligenagentur@maintal.de melden.

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