Haupt- und Finanzausschuss

Kampf um die Erzieher: Ausschuss beschließt Gehaltserhöhung in Kitas und Familienzentren

Die Stadt Maintal erhöht die Gehälter der Erzieher, um beim Kampf um Fachkräfte mit den umliegenden Städten mithalten zu können.
+
Die Stadt Maintal erhöht die Gehälter der Erzieher, um beim Kampf um Fachkräfte mit den umliegenden Städten mithalten zu können.

Würde man einen Vergleich ziehen wollen, so könnte man den Tagesordnungspunkt neun der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses wohl am ehesten mit dem Transfermarkt im Profifußball vergleichen. Von „Tarifbruch“ war die Rede, von höheren Geldern und von unfairem Wettbewerb. Dabei ging es jedoch nicht im Spitzensportler, sondern um Erzieher.

Maintal – Denn die Stadt Maintal steht unter Zugzwang. Die Nachbarn Hanau und Frankfurt haben es vorgemacht und erhöhen das Gehalt der Erzieher. Damit verschaffen sie sich, so die einhellige Meinung der Politik, einen klaren Vorteil im Kampf um Fachkräfte. Bleibt man im fußballerischen Bild, dann sind Städte wie Hanau und Frankfurt aus Sicht der Maintaler die englische Premier League, die mit hohen Gehältern die Spitzenkräfte anlockt. Maintal dagegen, in diesem Fall die sich an alle finanziellen Regeln und Absprachen haltende deutsche Bundesliga, hat das Nachsehen.

Denn eigentlich sollten Situationen wie die aktuelle vermieden werden durch den Tarifvertrag für Erzieher. Blöd nur, wenn dann nebenan doch mehr gezahlt wird. „Das Gesamtkonzept hat völlig versagt“, brachte es Sebastian Maier (SPD) im Bürgerhaus Bischofsheim auf den Punkt. In die gleiche Kerbe schlug Friedhelm Duch von den Grünen: „Wir haben einen Wettbewerb der Kommunen. Frankfurt hat angefangen, dann Hanau und jetzt ziehen alle nach. Uns bleibt nichts anderes übrig.“

In Maintal befürchtet man, dass sich Erzieher „wegbewerben“ könnten

Die Wichtigkeit, die Gehälter der Erzieher auch in Maintal anzuheben, wurde von Bürgermeisterin Monika Böttcher (parteilos) unterstrichen. Die Situation habe sich verschärft, durch den Beschluss wolle man verhindern, dass sich Erzieher „aus Maintal wegbewerben“. In der Magistratsvorlage war gar von einer „bedrohlichen Situation“ die Rede.

Für eine weitere Verschärfung der Lage in Maintal sorgt die Tatsache, dass die Beschäftigten in Kindertageseinrichtungen weniger verdienen, als die in den Familienzentren. Das führe laut Böttcher zu „sozialem Unfrieden“. Dennoch müsse man die besonderen Aufgaben der Familienzentren beachten und diesen auch finanziell Rechnung tragen.

Die Beschlussvorlage sieht daher vor, dass alle anerkannten Erzieher der Stadt Maintal finanziell gleichgestellt werden und zum 1. Oktober 2020 in die Entgeltgruppe 8b nach dem Tarifvertrag für den Öffentlichen Dienst (TVöD) eingestuft werden. Um ihrem besonderen Bildungs- und Erziehungsauftrag gerecht zu werden, erhalten die Familienzentren eine jährliche Zuwendung in Höhe von 110 000 Euro zur Durchführung besonderer Projekte.

In Maintal kann es für die Erzieher bis zu 450 Euro mehr Lohn geben

Für die Erzieher in Maintal bedeutet die höhere Einstufung im Schnitt rund 100 Euro brutto mehr. Je nach Berufserfahrung kann die Erhöhung deutlich höher ausfallen – bis zu 450 Euro mehr gibt es für Erzieher, die entsprechend lange im Dienst sind. Beim Blick auf diese Zahlen wird der sonstige Nachteil Maintals deutlich. Und dass trotz der Anmerkung von Martin Fischer (CDU), dass die Stadt ihren Erziehern zum Beispiel durch das Jobticket und kostenlosen Eintritt ins Schwimmbad „eine ganze Menge mehr bietet.“

Jetzt muss die Stadt erst einmal in die eigene Tasche greifen. Die Mehrkosten durch die beschlossene Maßnahme belaufen sich auf rund 800 000 Euro. Auch in Anbetracht dieser Summe stieß ein Antrag zur Reduzierung der Kita-Gebühren bei Bürgermeisterin Böttcher auf wenig Gegenliebe (siehe Box). Ein Ergänzungsantrag der FDP, die beschlossene Zulage zeitlich zu beschränken, wurde abgelehnt.

Ergänzung: Die Stadtverordnetenversammlung entscheidet am Montag final über die Ausschussfassung.

Reduzierung der Kita-Gebühren gefordert

SPD und FDP haben sich mit einem gemeinsamen Antrag dafür eingesetzt, die Kita- und Hort-Gebühren in Maintal anzupassen. Konkret ging es um die Kosten für die Betreuung von Kindern im Alter von ein bis drei Jahren. Diese sollen der Gebühr für die Betreuung der Altersgruppe drei bis sechs gleichgestellt werden. Bisher ist für die U3-Betreuung eine höhere Gebühr fällig. Mit Blick auf die zuvor beschlossenen Mehrkosten durch die Erhöhung der Gehälter für Erzieher stand Bürgermeisterin Böttcher dem Antrag skeptisch gegenüber. „Eine Reduzierung der Kita-Gebühren ist zum jetzigen Zeitpunkt weder inhaltlich noch finanziell zu vertreten“, so Böttcher. Die Reduzierung würde für die Stadt rund 500 000 Euro Mindereinnahmen bedeuten. Böttcher verwies zudem auf den höheren Personalaufwand in der U3-Betreuung. Thomas Schäfer (FDP) sah das skeptisch: „Wir haben 800 000 Euro, um die Erzieher besser zu stellen, aber keine 500 000, um die Eltern besser zu stellen?“, fragte er in die Runde. Eine Entscheidung wurde nicht getroffen. Der Antrag wurde ohne Beschlussempfehlung an die Stadtverordnetenversammlung weitergeleitet. bel

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare