Gedenken

„Kompromisslos gegen Rassismus“: Maintal gedenkt der Opfer des Anschlags in Hanau am 19. Februar 2020

Bürgermeisterin Monika Böttcher legte am Käthe-Jonas-Platz Blumen nieder.
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Bürgermeisterin Monika Böttcher legte am Käthe-Jonas-Platz Blumen nieder.

Ein Jahr ist es her, dass ein Rassist in Hanau neun Menschen getötet und im Anschluss seine Mutter und sich erschossen hat. Da Fatih Saraçoglu, eines der Opfer, aus Maintal kam und als direkte Nachbarin Hanaus hat die Stadt Maintal am vergangenen Freitag, dem ersten Jahrestag des Attentats, am Käthe-Jonas-Platz in Dörnigheim eine Gedenkstätte geschaffen.

Maintal – Der Ort, an dem schon direkt nach dem Terroranschlag Maintaler der Opfer gedachten, wurde ein Jahr später zur Stätte der Erinnerung des schrecklichen Ereignisses und der jungen Menschen, die es aus dem Leben riss. Innehalten, schweigen, sich erinnern, mitfühlen, mitleiden, trauern – das stand bei vielen, die zufällig auf ihrem Weg vorbeikamen, und jenen, die ganz bewusst zu diesem Ort des öffentlichen Gedenkens kamen, im Mittelpunkt. Viele legten Blumen ab oder zündeten Teelichter an. Manche blieben auch einfach nur kurz stehen und betrachteten die Bilder und Namen der Opfer. Das Brüder-Schönfeld-Forum, der Arbeitskreis Asyl und die SPD hatten Kränze abgelegt. „Wir werden euch nicht vergessen“, war auf einem der Bänder zu lesen.

„Es kann jeden treffen“, sagte eine Passantin, die mit den Tränen kämpfte. Die Betroffenheit war greifbar. „Es kommt immer näher. Früher war der Terror in Städten wie Berlin. Jetzt ist er bei uns. Das macht mir Angst“, sagte Fabiola Granata. „Es hätte auch mich treffen können“, bekannte auch eine junge Frau, die mit ihrer Familie zum Käthe-Jonas-Platz gekommen war. Deshalb suche sie ganz bewusst die Verbindung zu den Opfern und ihren Angehörigen. Ihre dreijährige Tochter stellte ein Teelicht zu den Kerzen. Initiiert hatten diese öffentliche Gedenkstätte Bürgermeisterin Monika Böttcher, Erster Stadtrat Karl-Heinz Kaiser und Integrationsbeauftragte Verena Strub. „Wir sind direkt betroffen. Deshalb ist es gut, dass wir hier einen Platz haben, an dem Menschen trauen und gedenken können, gerade in dieser Zeit, in der so vieles digital ist“, sagte Strub.

Böttcher appelliert an die Menschen

Die Bürgermeisterin sprach auch bei dem ökumenischen Gedenkgottesdienst, der abends in der Alten Kirche am Main stattfand: „Wir können diesen Anschlag nicht mehr ungeschehen machen, aber wir sind es den Opfern und den Angehörigen schuldig, uns mit all unserer Kraft und mit einer klaren Haltung kompromisslos gegen Rassismus, gegen Antisemitismus und gegen Rechtsextremismus einzusetzen.“

Ihr eindringlicher Appell war es, hinzusehen und einzuschreiten, wo Menschen im Alltag ausgegrenzt und angefeindet werden. „Der Kampf gegen Rassismus und Extremismus braucht uns alle, jeden Tag.“

Gemeinsames Glockenläuten

Sie verlas die Namen der Verstorbenen wie auch Pfarrer Dr. Martin Streck, der gemeinsam mit Pfarrer Stephan Becker von der katholischen Pfarrei St. Edith Stein und Pfarrer Erzpriester Panagiotis Koniaris von der griechischen orthodoxen Gemeinde ein Friedensgebet sprach und zehn Kerzen anzündete – zehn Lichter für Gökhan Gültekin, Sedat Gürbüz, Said Nesar Hashemi, Mercedes Kierpacz, Hamza Kurtovic, Vili Viorel Paun, Fatih Saraçoglu, Ferhat Unvar, Kaloyan Velkov und für die Mutter des Attentäters. Da aufgrund der Corona-Lage nur wenige Gäste vor Ort teilnehmen konnten, hat das Stadtparlamentsfernsehen den Gottesdienst live im Internet gestreamt.

Um 19:02 Uhr stimmten die Maintaler Kirchen in das Glockengeläut zum Gedenken ein. Die Blumen, Kränze und Kerzen sollen am Käthe-Jonas-Platz bleiben, für alle, die in den kommenden Tagen einen Ort suchen, um der Opfer des Terroranschlags zu gedenken.(Von Bettina Merkelbach)

Ein Ort zum trauern: Am Käthe-Jonas-Platz in Dörnigheim konnten die Menschen ihren Gefühlen Ausdruck verleihen.

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