Aus dem Gericht

Maintal: Mutmaßlicher Tankstellenräuber schweigt am ersten Prozesstag

Auftakt einer Serie? Im Mai 2020 wurde diese Tankstelle in Bischofsheim überfallen. Der mutmaßliche Täter steht jetzt vor Gericht. Zwei weitere Überfälle könnten auch auf das Konto des Maintalers gehen.
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Auftakt einer Serie? Im Mai 2020 wurde diese Tankstelle in Bischofsheim überfallen. Der mutmaßliche Täter steht jetzt vor Gericht. Zwei weitere Überfälle könnten auch auf das Konto des Maintalers gehen.

Vor dem Landgericht Hanau hat am Dienstag der Prozess um einen Tankstellenüberfall in Bischofsheim im Mai 2020 begonnen. Auf der Anklagebank sitzt der heute 27-jährige Patrick B., der womöglich auch für die Tankstellenüberfälle am 4. und 10. März dieses Jahres verantwortlich ist.

Maintal – In den Gerichtssaal wird B. deshalb in Handschellen vorgeführt. Er wurde kurz nach dem letzten Überfall von der Polizei festgenommen, soll dabei auch Widerstand geleistet haben. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm versuchten Mord vor, weil er einen Schuss auf einen jungen Mann abgegeben haben soll.

Doch das ist am Dienstag nicht Gegenstand der Verhandlung, in der es allein um den Überfall im Frühjahr 2020 geht. Der Tatvorwurf lautet Raub und Erpressung. B. soll, so der Vorwurf von Staatsanwältin Ines Roser, die Tankstelle betreten und die Angestellte unter vorgehaltener Waffe dazu gezwungen haben, ihm Bargeld im Wert von rund 1500 Euro auszuhändigen.

Maintal: Räuber bedroht Angestellt mit einer Schusswaffe

Die Überwachungskameras der Agip-Tankstelle Am Kreuzstein in Bischofsheim haben einen Mann mit dunkler Basecap, Rucksack und Mundschutz aufgezeichnet, der den Verkaufsraum betritt und mit einer Schusswaffe vor der Kasse steht. Die Verkäuferin übergibt dem Mann das Bargeld, anschließend verlässt er auffallend ruhig die Tankstelle. Die ganze Aktion dauert nur wenige Augenblicke, auf den Videos der Überwachungskamera wirkt die Tat fast harmlos. Doch das täuscht.

Das wird bei der Aussage der Mitarbeiterin deutlich, die auch als Nebenklägerin auftritt. „Es waren vielleicht nur zwei Minuten, aber für mich war das eine Ewigkeit“, sagt die Frau aus. Die zur Tatzeit 20-Jährige hatte noch nicht lange in der Tankstelle gearbeitet, als es zu dem Überfall kam. „Ich hatte Angst, dass er wieder kommt“, sagt sie.

Tankstellen-Mitarbeiterin wird zweimal zum Opfer

Die Tage nach der Tat seien schlimm gewesen. Sie litt unter Übelkeit und Schlaflosigkeit, habe oft gezittert und geweint. Trotzdem ging sie wieder arbeiten. „Ich habe mich zur Arbeit gequält, habe oft über die Tat nachgedacht. Um 21.40 Uhr habe ich jedes Mal auf die Uhr geschaut“, erzählt sie. Denn gegen 21.40 Uhr wurde der Überfall im Mai verübt.

Als Richter Dr. Sascha Rüppel sie fragt, wie es ihr heute geht, wird sie stiller, ihre Stimme stockt. „Sehr schlecht“, sagt sie. Dass Richter Rüppel sie explizit nach ihrem jetzigen Zustand fragt, hat einen bestimmten Hintergrund. Denn als der mutmaßliche Täter am 4. März, also vor knapp vier Wochen, erneut die Agip-Tankstelle überfallen haben soll, steht ausgerechnet die 20-Jährige wieder hinter dem Verkaufstresen.

Tankstellenüberfall in Maintal: Mitarbeiterin erkennt mutmaßlichen Täter

„Ich war wieder alleine in der Abendschicht. Dass das zweimal passiert, hätte ich nie gedacht“, sagt sie, dann wischt sie sich ihre Tränen aus den Augen. Seit dem zweiten Überfall ist sie krankgeschrieben, an normales Arbeiten ist nicht zu denken. „Aber irgendwann muss das Geld ja wieder reinkommen“, sagt sie.

Nach dem ersten Überfall hatte sie der Polizei gesagt, sie würde den Täter erkennen, wenn sie ihn wieder sehen würde. Rüppel nutzt die Gelegenheit und verweist auf den auf der Anklagebank sitzenden B. „Ja“, antwortet D. deutlich auf die Frage, ob es sich um die gleiche Person handelt. Die auffällige Augenpartie nennt sie als entscheidendes Merkmal.

Angeklagter macht keine Angaben zur Tat

Außerdem würde sie ihn an der Stimme erkennen können. „Gib die Kohle her, alles“, hatte der Täter geforddert. Doch zum Stimmenvergleich kommt es nicht. Denn der Angeklagte sagt überhaupt kein Wort – und zwingen kann man ihn dazu auch nicht, wie Rüppel erklärt. Das hat der Angeklagte mit seinem Verteidiger Christian Heidrich so abgesprochen. Weder zur Tat noch zu sonstigen Fragen gibt B. Auskunft. Bei dieser Linie bleibt die Verteidigung auch, als Rüppel erneut bekräftigt, gerne etwas über die Lebensumstände des Angeklagten zu erfahren – und dass etwaige Aussagen zur Tat vom Gericht auch honoriert werden würden.

Der Bericht einer Sachverständigen ergab zudem, dass es sich beim Rucksack und der Kappe, die der Täter beim Überfall im Mai 2020 trug, höchstwahrscheinlich um B.’s Sachen handelt. Der Prozess wird am Mittwoch (31. März) fortgesetzt.

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