Neue Mitglieder gesucht

Naturschutz schläft nicht: Nabu-Ortsgruppe Maintal auch im Corona-Jahr aktiv

Mit einem Amphibienzaun schützen die Mitglieder des Naturschutzbundes zum Beispiel Kröten vor dem Verkehr. Auch in Maintal hat die Ortsgruppe sich um einen Zaun gekümmert. Nicht das einzige Projekt. 
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Mit einem Amphibienzaun schützen die Mitglieder des Naturschutzbundes zum Beispiel Kröten vor dem Verkehr. Auch in Maintal hat die Ortsgruppe sich um einen Zaun gekümmert. Nicht das einzige Projekt. Symbol

Auch wenn die Corona-Pandemie beinahe alle Bereiche des Lebens im vergangenen Jahr fest im Griff hatte, kam der Naturschutz in Maintal nicht zu kurz. Die Nabu-Ortsgruppe konnte einige Projekte umsetzen und hat auch für das neue Jahr eine Menge vor.

Maintal – Der Großteil der Präsenzveranstaltungen in Form von Vorträgen, Diskussionsrunden und Weiterbildungen fiel der Pandemie zu Opfer. Der regelmäßig stattfindende Stammtisch wurde ins Netz verlagert, berichtet Georg Spielberger.

Der 49-Jährige ist Teil des Vorstandsteams, das an der Spitze der Ortsgruppe steht. Nach dem Tod des langjährigen ersten Vorsitzenden Hanns Peter Golez im März 2019 hatte Spielberger dessen Aufgaben zunächst kommissarisch übernommen. Bei der Jahreshauptversammlung, die im Januar 2020 noch normal stattfinden konnte, wurde dann die Satzung des Vereins überarbeitet. „Es gibt jetzt keinen klassischen ersten oder zweiten Vorsitzenden mehr, sondern bis zu fünf Leute im Team-Vorstand, die sich die Aufgaben untereinander aufteilen“, berichtet Spielberger.

Gartenschläfer im Fokus

Die Aufgabenteilung scheint zu funktionieren, davon zeugen die trotz der erschwerten Umstände umgesetzten Projekte. Bereits im März wurde in Hochstadt ein neuer Nistkasten für Turmfalken angebracht (wir berichteten). Im Frühjahr standen dann die Amphibien im Fokus der Nabu-Mitglieder und freiwilligen Helfer. Denn da wurde täglich gleich mehrfach der Amphibienzaun abgelaufen. „Auf einer Strecke von 300 Metern hatten wir alle zehn Meter einen Eimer postiert, in dem die Tiere dann landen“, berichtet Spielberger. Über 500 Molche, Kröten und Frösche konnten so am Überqueren der Straße gehindert und vor dem drohenden Tod durch den Verkehr gehindert werden. Auch eine Ringelnatter hatte sich in einen Eimer verirrt. „Aber das sind Ausnahmen“, so Spielberger.

Im Fokus stand in diesem Jahr jedoch keine Amphibie, sondern ein putziger kleiner Nager: der Gartenschläfer. Das seltene Tier hat sich bereits vor einigen Jahren in Maintal niedergelassen – Maintal ist damit der am östlichsten gelegene bekannte Verbreitungspunkt.

Aktion lief von Ende Mai bis September

Nun geht es darum, mehr über die Tiere zu erfahren. „Die Bestände gehen zurück, keiner weiß genau warum, weil es auch keine belastbaren Zahlen gibt“, erklärt Spielberger. Um mehr über die Population und die Verbreitung in Maintal zu erfahren, hat der Nabu im Sommer ein bekanntes Verbreitungsgebiet kartiert. Dafür wurden Röhren an Bäumen postiert, in denen die Tiere Spuren hinterlassen. „Gartenschläfer sind neugierig und erkunden ihre Umgebung. Sie laufen durch die Rohre durch.“

Die Aktion lief von Ende Mai bis September, alle zwei Wochen wurden die Röhren kontrolliert. Die genauen Ergebnisse stehen noch aus und werden vom bundesweiten Projekt „Spurensuche Gartenschläfer“ ausgewertet.

Menschen sollen mit der Natur und Tieren in Kontakt kommen

Im Mittelpunkt des laufenden Jahres wird jetzt die Fledermaus stehen. Auch hier wird sich der Nabu Maintal an Projekten beteiligen. Außerdem hofft Spielberger, mehr und vor allem jüngere Mitglieder zu gewinnen. Die Zusammenarbeit mit der Kinder- und Jugendfarm Hochstadt soll ausgeweitet werden. Zudem hat der Nabu ein Jahresprogramm an die Maintaler Haushalte verteilt, auf der auch für eine Mitgliedschaft geworben wird. Wie Spielberger berichtet, haben sich einige ältere Mitglieder bereits zurückgezogen. Vor allem die Kontrollen der über 800 Nistkästen in und um Maintal hält die Mitglieder auf Trab. Eine Aufgabe, die mit zunehmendem Alter anspruchsvoller wird. „Mit einem Rollator kann man das nicht mehr machen“, sagt Spielberger.

Er will versuchen, mehr Menschen mit der Natur und den Tieren in Kontakt zu bringen. „Die Menschen haben mehr Interesse, wenn sie wissen weiß, was genau sie schützen“, so der 49-Jährige. Zudem hat die Arbeit in der Natur einen in diesen Zeiten nicht zu verachtenden Vorteil. „Man ist immer an der frischen Luft“, weiß Spielberger, „und genug Abstand kann man auch problemlos halten.“ (Von Michael Bellack)

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