Kultur in Maintal

Planen, absagen, abwarten: Volksbühne Maintal kämpft mit Corona-Beschränkungen und sinkenden Abo-Zahlen

Seit 2018 haben Katharina und Ulrich Lüer das Sagen bei der Volksbühne. Die Corona-Pandemie stellt sie jetzt vor besondere Herausforderungen, die sie gemeinsam meistern wollen.
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Seit 2018 haben Katharina und Ulrich Lüer das Sagen bei der Volksbühne. Die Corona-Pandemie stellt sie jetzt vor besondere Herausforderungen, die sie gemeinsam meistern wollen.

„Sobald wir dürfen, spielen wir.“ Diese klare Botschaft sendet die Volksbühne Maintal aus dem Corona-Lockdown. Wann das sein wird, steht jedoch weiter in den Sternen. Doch die Volksbühne bereitet sich vor.

Maintal – Vor fast genau einem Jahr wurde das letzte Theaterstück aufgeführt. Seitdem hoffen Katharina und Ulrich Lüer, in Maintal endlich wieder Kultur anbieten zu können. „Wir haben vor zwei Jahren den Verein nicht übernommen, um bei Problemen klein bei zu geben, sondern um die Volksbühne am Leben zu halten“, berichten die beiden Vorsitzenden. Mit den besonderen Herausforderungen der Corona-Pandemie konnte zu diesem Zeitpunkt natürlich niemand rechnen.

Für die Volksbühne ist es seit dem Ausbruch der Pandemie ein ständiges Auf und Ab. Termine werden vereinbart, dann verschoben, dann ganz abgesagt. Dabei hangelt sich die Volksbühne von einer behördlichen Anordnung zur nächsten. „Es gibt feste Verträge mit den Tourneetheatern“, erklärt Katharina Lüer. „Wir können Termine nur definitiv absagen, wenn das die Behörden vorgeben. Gibt es keinen Lockdown und wir sagen Termine ab, müssen wir trotzdem das Theater bezahlen“, sagt sie. Sieben Vorstellungen waren bis Mai geplant, im Februar mussten bereits zwei abgesagt werden und auch im März wird aller Voraussicht nach nichts stattfinden können.

Planung für die Theater ist schwierig

Daher ist Spontanität gefragt. Und spontane Änderungen und kurzfristige Verlegungen sind überhaupt nicht nach dem Geschmack der Theater, erklären die Lüers. „Tourneetheater sind nicht so flexibel, da die Wege nicht kurz sind. Spontane Verlegungen sind daher ungeheuer schwierig“, sagt Ulrich Lüer. „Einem Theater aus Zwickau kann man nicht sagen, dass es jetzt mal eben nächste Woche nach Maintal kommen soll statt diese“, verdeutlicht Lüer.

Auch für die Theater selbst sind die Planungen äußerst schwierig. Geprobt werden kann derzeit nicht in gewohnter Form. Und gerade die bekannten Schauspieler nehmen daher oft Rollen für Fernsehproduktionen an, um überhaupt Geld zu verdienen. Und von den Schauspielern sind die Volksbühnen abhängig. „Da ist es etwas anderes, wenn man Stücke selbst inszeniert und organisiert“, erläutert das Wachenbucher Ehepaar.

„Die Ticketeinnahmen würden aufgrund der wenigen Plätze bei Weitem nicht ausreichen“

Für einen Wiedereinstieg sehen sie sich gut gerüstet. Das Hygienekonzept für das Bischofsheimer Bürgerhaus stand schon im September. 120 Menschen hätten damals kommen dürfen, im Vergleich zu den sonst verfügbaren 530 Plätzen extrem wenig. Aufgrund der selbst im Falle einer stattfindenden Aufführung geringeren Einnahmen hat sich die Volksbühne erfolgreich für Gelder aus einem Hilfsprogramm der Bundesregierung beworben. Maximal die Hälfte der Kosten werden dann übernommen.

„Die Ticketeinnahmen würden aufgrund der wenigen Plätze bei Weitem nicht ausreichen“, sagt Katharina Lüer. Im vergangenen Herbst war eigentlich alles vorbereitet für zwei Theaterinszenierungen, dann kamen jedoch die im Main-Kinzig-Kreis verschärften Maßnahmen dazwischen. Zu allem Überfluss sagte eine Theatergruppe zudem noch ab.

Abonnentenzahlen sind zurückgegangen

Weil keine Aufführungen stattfinden, sinkt auch die Zahl der Abonnenten der Maintaler Volksbühne weiter. 340 Abonnenten sind es derzeit noch, in der über 40-jährigen Geschichte waren es lange knapp 600. „Man merkt, dass mehr Leute kündigen“, sagen die Lüers. Dabei verschärft die Corona-Pandemie ein Problem, das schon länger besteht, da die Abonnenten der Volksbühne größtenteils im fortgeschrittenen Alter sind. Eine Umfrage unter den Abonnenten hat dennoch ergeben, dass sie die Theaterstücke auch unter den erschwerten Bedingungen besuchen würden, wenn es erlaubt ist.

Um wieder Abonnenten zu gewinnen, sind Kinder- und Jugendtheater daher schon seit einiger Zeit im Repertoire und sollen auch in Zukunft mehr in den Fokus rücken. „Die Planungen werden jetzt natürlich ausgebremst“, so Katharina Lüer. In der nächsten Zeit wolle man gezielter Schüler und Abiturienten für das Theater gewinnen. Dieses Projekt wolle man im Herbst angehen. Dann, wenn auch in Maintal vielleicht wieder gespielt werden darf. (Von Michael Bellack)

Infos im Internet

Über das aktuelle Programm und mögliche Absagen sowie die Ausweichtermine informiert die Volksbühne auf ihrer Website.

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