„Tun alles, dass wir offenbleiben können“

Ralf Krause über die Herausforderungen für Fahrlehrer während der Corona-Pandemie

Der Maintaler Ralf Krause wurde im Februar zum zweiten stellvertretenden Vorsitzenden des Landesverbands der Hessischen Fahrlehrer gewählt.
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Der Maintaler Ralf Krause wurde im Februar zum zweiten stellvertretenden Vorsitzenden des Landesverbands der Hessischen Fahrlehrer gewählt.

Im Frühjahr waren sie zwei Monate komplett geschlossen, dann folgte ein riesiger Run. Vor wenigen Wochen hoffen, bangen, aufatmen: Sie dürfen trotz Lockdown weiterfahren. Für Fahrschulen ist das Corona-Jahr 2020 eine Achterbahnfahrt. „Jetzt haben wir mehr als genug zu tun, aber die zwei Lockdown-Monate holen wir nicht mehr rein“, sagt Ralf Krause, Inhaber der Fahrschule Hanslik. Im Februar wurde der Maintaler Fahrlehrer zum zweiten stellvertretenden Vorsitzenden des Landesverbands der Hessischen Fahrlehrer gewählt.

Maintal – Krause ist seit fast 30 Jahren Fahrlehrer und seit 28 Jahren Mitglied des hessischen Verbands. „Wir sind ja alles Freiberufler, ohne Gewerkschaft oder Ähnliches. Deshalb habe ich den Landesverband schon immer als wichtige Interessenvertretung verstanden“, sagt er zu seiner Motivation, sich Anfang des Jahres zur Wahl aufstellen zu lassen. Er ist schon viele Jahre über seine Mitgliedschaft hinaus aktiv, erst als Bezirks-, dann als einer von fünf Regionalvorsitzenden in Hessen.

„Es ist mehr Arbeit als ich dachte“, resümiert er heute. Rund einen halben bis einen Tag pro Woche widmet er der Verbandsarbeit. Aktuelles Dauerthema: die Corona-Maßnahmen. „Die hessische Fahrlehrerschaft tut alles dafür, dass die Fahrschulen offenbleiben können, obwohl der geforderte Mindestabstand zwischen Lehrer und Schüler im Auto nicht einzuhalten ist“, sagt Krause. „Klar, ist da eine potenzielle Ansteckungsgefahr gegeben. Ausschließen kann man nichts.“ Dennoch sei das Bemühen in der gesamten hessischen Fahrlehrerschaft hoch, mit entsprechenden Hygienekonzepten und Anstrengungen, die Infektionsgefahr so gering wie möglich zu halten und weiter unterrichten zu können.

Zusammenarbeit mit den Ministerien läuft gut

„Das ist eine besondere Situation für alle, für unsere Schüler und uns Lehrer“, beschreibt er die aktuelle Situation.

Auch über Corona hinaus arbeitet der Verband eng mit den Ministerien zusammen, ist Sprachrohr der Fahrlehrer in Richtung Politik und TÜV. „Die Zusammenarbeit läuft sehr gut, wir sind ein gefragter Partner und permanent im Austausch“, sagt Ralf Krause. Die Ansprechpartner seien offen für die Vorschläge der Interessenvertretung. Der Verband bündelt aber nicht nur die Interessen und Wünsche der Fahrlehrer. Er informiert auch mit regelmäßigen Veröffentlichungen über neue Entwicklungen, organisiert Fortbildungen und bietet eine Fahrlehrerversicherung an.

600 Mitglieder hat der hessische Landesverband. „Corona hat uns einen Mitgliederzuwachs beschert“, sagt der zweite stellvertretende Vorsitzende. Das Interesse, sich trotz fehlender Veranstaltungen und Kongresse zu vernetzen und austauschen, sei durch die Pandemie gestiegen.

TÜV sei mit der Arbeit nicht mehr hinterher gekommen

„Im Frühjahr standen bei vielen ganz konkrete Existenzängste im Raum“, blickt er auf den ersten Lockdown zurück, als die Fahrschulen schließen mussten. „Dass Nagelstudios beispielsweise als systemrelevanter angesehen wurde als wir, gab vielen zu denken.“ Auch seine Beschäftigten mussten in Kurzarbeit. „Zwei Fahrschulen meldeten sich mit großen finanziellen Problemen, alle anderen kamen mit den Zuschüssen des Landes über die Runden.“ In Hessen durften die Schulen für Berufskraftfahrer weiter ausbilden, um die Versorgung weiterhin zu sichern.

Als er seine Filialen wieder öffnete, war die Nachfrage immens. „Auch der TÜV kam nicht mehr hinterher, obwohl seit Herbst sogar samstags Prüfungen abgenommen werden“, sagt Krause, der vier Standorte in allen Maintaler Stadtteilen und einen in Bruchköbel betreibt.

Nur wenige Fahrschulen nehmen Online-Unterricht in Anspruch

Trotz der Lockerungen im Sommer stand er vor der ständigen Herausforderung, sich an alle aktuellen Vorgaben zu halten. Für den Theorieunterricht gab es Personenbegrenzungen. „Da kamen uns die fünf Standorte zugute. Wir haben die Schülerinnen und Schüler so verteilt, dass wir die Teilnehmerzahlen überall einhalten konnten.“

Online-Unterricht sei zwar grundsätzlich möglich, werde aber nur von wenigen Fahrschulen in Anspruch genommen. „Gruppenarbeit, die Visualisierung bestimmter Inhalte, das ist digital kaum machbar“, erklärt Krause.

An Konzepten, um Präsenz-unterricht und E-Learning zum sogenannten Blended Learning zu kombinieren, arbeitet er gerade mit dem Landesverband, ganz unabhängig von Corona.

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