Die nächsten Ziele schon im Blick

Maintal: Schülerin Madiha Malik erhält für ihr vielfältiges Engagement ein START-Stipendium

Ausgezeichnet: Madiha Malik engagiert sich in zahlreichen Projekte in Schule in Gesellschaft. Ihr Engagement wird mit dem START-Stipendium belohnt.
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Ausgezeichnet: Madiha Malik engagiert sich in zahlreichen Projekte in Schule in Gesellschaft. Ihr Engagement wird mit dem START-Stipendium belohnt.

Maintal – Madiha Malik ist Maintalerin mit pakistanischen Wurzeln, geboren 2005 in Hanau. Im gemütlichen Wohnzimmer der Familie hat die Schülerin das neue ThinkPad aufgebaut, das sie als START-Stipendiatin erhalten hat.

Auf dem Laptop präsentiert sie einige der Projekte, die sie für das Stipendium qualifiziert haben. Ihr Englischlehrer an der Albert-Einstein-Schule, schätzt sie in seinem Empfehlungsschreiben als beharrliche, fleißige und wissbegierige Schülerin, die kritik- und teamfähig und geschickt im Aushandeln von Kompromissen ist. Vor allem lasse sie sich nicht entmutigen.

Gute Voraussetzungen, um Ämter wie Klassensprecherin, Mittelstufensprecherin, Sportvorstand oder die Mitarbeit bei der Schülerzeitung nicht nur engagiert, sondern mit großer Freude wahrzunehmen. Dass Madiha Malik vor Kurzem zur „Schülerin des Monats“ gewählt worden ist und beim bundesweiten Wettbewerb des Cornelsen-Verlags den ersten Preis gewonnen hat – das konnten die START-Juroren noch gar nicht berücksichtigen, als sie die Maintalerin als START-Stipendiatin auswählten.

Während es aus der Küche lecker duftet und Madiha Malik immer wieder mal nach dem Kuchen im Backofen schaut, erzählt die Schülerin mit strahlenden Augen, wofür sie sich in einem Schulprojekt leidenschaftlich einsetzt: gegen jegliche Art von Diskriminierung, gegen Sexismus, Islamophobie und Queer-Feindlichkeit. „Das Thema liegt einfach in Luft“, meint sie, „Letztlich waren der Mord an George Floyd und der Anschlag in Hanau die Auslöser für die Initiative an meiner Schule.“

AES gegen Diskriminierung nennt sich die Schülergruppe, in der alle Jahrgänge von der fünften Klasse bis zur Oberstufe vertreten sind. „Wir haben eine Bibliothek aufgebaut, mit Broschüren und Büchern zum Thema und Materialien für den Unterricht zusammengestellt.“, erzählt Madiha über die Aktivitäten der Gruppe. Zum 19. Februar, dem Jahrestag des Hanauer Anschlags, stellte die Gruppe ein beachtenswertes und eindrückliches Video auf die Schulseite (wir berichteten).

Der große Coup gelang den Schülern mit dem Beitrag zum bundesweiten Wettbewerb des Cornelsen-Verlags. Sie produzierten ein Video, in dem Lernende und Lehrende Rede und Antwort zum Thema standen. 5000 Euro hat „AES gegen Diskriminierung“ für die Schule gewonnen. Das Geld soll weiter in den Aufbau der Bibliothek fließen. Selbstverständlich war Madiha Malik sofort dabei, als im April 2020 von der Gruppe selbst für die AES ein „pink thursday“ organisiert wurde. Dieses Zeichen gegen Sexismus hielt sie in Form kurzer Interviews fest.

Madiha Malik ist „Digitale Heldin“, ein Projekt, das der Lions-Club Maintal fördert. Jugendliche werden auf die Gefahren im Netz aufmerksam gemacht und lernen, sich dagegen zu schützen. Für die „Digitalen Helden“ saß sie neben Jörg Bombach auf dem Podium im Comoedienhaus. Für das Parlamentsfernsehen moderierte sie eine Talkrunde mit zwei Kandidaten für das Bürgermeisteramt, Monika Böttcher und Götz Winter.

Bleibt neben so viel Engagement noch Zeit für Dinge außerhalb der Schule? „Na klar“, sagt sie. „Ich backe sehr gerne Kuchen. Ich spiele Fußball, schwimme gerne und gehe ins Fitnessstudio.“ Auch ihre Religion spiele in ihrer Familie und für sie selbst eine wichtige Rolle. „Der Dienst an den Menschen“ ist ein zentrales Gebot der Ahmadiyya Gemeinde, der Familie Malik angehört. Auch in der Religionsgemeinschaft ist die Schülerin ehrenamtlich aktiv. Sie betreut hier den „Buch-Shop“. Gemeinsam mit ihrer Mutter packt und verschickt sie die bestellte Literatur. Voller Vorfreude hält sie eine Einladung zum nationalen Ahmadiyya-Treffen in Hand. Als Mitglied der Religionsgemeinschaft ist es für sie daher selbstverständlich, in der Öffentlichkeit die Haare zu bedecken.

„Meine erste Sozialisation habe ich im Familienzentrum in der Uhlandstraße erfahren“, sagt die 16-Jährige. Gute Erinnerungen hat sie an diese Zeit. Dort will sie gerne ein Sozialpraktikum machen, vor den Sommerferien 2022.

Jetzt besucht Madiha Malik die Orientierungsstufe der Albert-Einstein-Schule in Bischofsheim. In zwei Jahren will sie ein sehr gutes Abitur schaffen. Ihre Lieblingsfächer sind Englisch, Sport, die Naturwissenschaften wie Chemie, Biologie und Physik und Politik und Wirtschaft. Gefragt, was sie nach dem Abitur gerne machen würde, zögert Madiha keine Sekunde: „Ich möchte Ärztin werden, Medizin studieren, mich in Amerika spezialisieren und später in Afrika die Organisation Humanity First meiner Gemeinde unterstützen.“

Von ihrem START-Stipendium erhofft sie sich, neue Anregungen für weiteres Engagement und Besserung der Gesellschaft zu erhalten und sich weiter mit engagierten Jugendlichen zu vernetzen.

„In den ersten Treffen habe ich wirklich sehr viele neue Menschen kennenlernen dürfen. Ich habe neue Freundschaften geknüpft, die mir jetzt sehr viel bedeuten. Außerdem haben wir schon angefangen, unser eigenes Projekt aufzubauen. Wir arbeiten zum Klimaschutz. Ich hoffe, wir können viel mehr solcher Projekte machen. Das ist echt spannend“, sagt sie.

Von Ulrike Pongratz

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