Bauvorhaben im Sinne der Bürger

Maintal: SPD-Kandidat Martin Spichal ist der Überraschungskandidat bei der Bürgermeisterwahl

Von der Physiotherapiepraxis ins Maintaler Rathaus? Ideen für eine Zeit als Bürgermeister hätte Martin Spichal jedenfalls.
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Von der Physiotherapiepraxis ins Maintaler Rathaus? Ideen für eine Zeit als Bürgermeister hätte Martin Spichal jedenfalls.

Er ist die Überraschung im Maintaler Bürgermeister-Wahlkampf. „Dass die Wahl auf mich gefallen ist, hat mich selbst auch überrascht“, gibt Martin Spichal selbst zu. Als die SPD Maintal bekannt gab, wen sie ins Rennen um das Bürgermeisteramt schickt, hatten seinen Namen wohl die wenigsten auf dem Papier.

Maintal – Er ist erst seit vier Jahren in der Kommunalpolitik in der SPD aktiv und als Nachrücker in die Stadtverordnetenversammlung eingezogen. Lange gereift ist der Entschluss in ihm nicht. Der Termin, bei dem die Parteimitglieder ihn einstimmig zum Bürgermeisterkandidaten gewählt haben, lag nur wenige Tage vor dem Fristende für Wahlvorschläge.

Zuvor wurde in den sozialen Netzwerken daher schon diskutiert, ob neben Amtsinhaberin Monika Böttcher (parteilos) und CDU-Kandidat Götz Winter überhaupt noch weitere Anwärter ihren Hut in den Ring werfen. Trotz der Ad-hoc-Entscheidung ist die Kandidatur fundiert, sagt Martin Spichal.

Wohnungsbau und soziale Infrastruktur die zentralen Themen

Er sitzt seit drei Jahren im Bauausschuss und ist baupolitischer Sprecher der SPD-Fraktion. Seine zentralen Themen sind daher der Wohnungsbau und die soziale Infrastruktur. Dass es zum Beispiel seit vielen Jahren keinen Hausarzt mehr in seinem Stadtteil gibt, ist dem Wachenbuchener wie vielen anderen auch ein Dorn im Auge. „Fachärztemangel ist ein großes Thema. Wir brauchen Frauenärzte, wie es sich aktuell zeigt, und mehr Kinderärzte, auch mit Blick auf die entstehenden Neubaugebiete“, sagt er und verweist auf die aktuellen Bemühungen der Parteien, Ärzte bei der Praxisgründung zu unterstützen.

Er sieht die Stadt in der Pflicht, die niedergelassenen Ärzte bei der Nachfolgesuche zu unterstützen und eine vermittelnde Rolle einzunehmen. Bei diesem Thema kann er seine berufliche Expertise einbringen. Denn bekannt ist Martin Spichal vielen Maintalerinnen und Maintalern als Physiotherapeut. Im DRK-Seniorenzentrum „Kleeblatt“ in Bischofsheim betreibt er eine Praxis. Der Entschluss, den Behandlungsraum gegen ein Büro im Rathaus einzutauschen, muss daher wohlüberlegt sein. „Ich würde mit einem lachenden und einem weinenden Auge hauptamtlich in die Politik wechseln. Aber die gute Nachricht ist: Die Praxis wird weiter existieren“, gibt er seinen Patienten Entwarnung.

Bauvorhaben: Interessen Maintals stärker vertreten

Wichtig ist dem Sozialdemokraten, die Interessen Maintals in den anstehenden Bauprojekten mutiger zu vertreten. Zu den in der letzten Stadtverordnetenversammlung diskutierten Plänen für die auf dem und rund um das Real-Gelände in Dörnigheim geplanten Neubaugebiete hat er eine klare Meinung: „Die Bauvorhaben müssen sich, was Geschossflächenzahl und Verdichtung angeht, an die im integrierten Stadtentwicklungskonzept festgeschriebenen Vorgaben halten. In der Form, die wir in den ersten Entwürfen gesehen haben, kann es eine Bebauung nicht geben.“

Der Druck von außen und von Investorenseite nimmt zu. Maintal ist die letzte „grüne Wiese“ zwischen Frankfurt und Hanau. „Wir müssen den Mut haben, Bauvorhaben so umzusetzen, dass sie zum bisherigen Bild passen“, sagt er und kann sich dabei zumindest der Unterstützung des neuen Dreierbündnisses aus SPD, CDU und FDP sicher sein. Dabei sei es vorrangiges Ziel, bezahlbaren Wohnraum für alle Maintalerinnen und Maintaler zu schaffen. „Es gibt genügend Möglichkeiten, Fördertöpfe zu bedienen, um den Wohnungsmarkt zu entspannen“, erklärt er, wie er dies für möglich hält.

SPD-Kandidat entspannt bei Gartenarbeit und Bergsteigen

Spichal hat zwei erwachsene Kinder und ist seit gut zwei Jahren verwitwet. Entspannung zieht der 58-Jährige aus der Gartenarbeit rund um sein Haus und bei Outdoor-Sportarten wie Bergsteigen, Kajak- und Skifahren. Er ist ein ruhiger, besonnener Mensch. Aber ihm geht derzeit vieles zu langsam. Als Beispiele führt er die Lärmschutzwand am Sportplatz Dicke Buche an, die immer noch nicht gebaut ist, das geplante Bürger- und Dienstleistungszentrum und das neue Bürgerhaus in Bischofsheim.

„Unter dem Druck der steigenden Baukosten muss da schneller angefangen werden“, sagt Spichal. Beim Projekt Maintal Mitte hält er eine Überplanung für dringend erforderlich, um ein Gesamtkonzept zu erstellen und nicht in vielen kleinen Insellösungen zu denken. „Das ist eigentlich schon drei Jahre im Gedankenprozess, aber es ist bislang noch nichts passiert.“

Ausbau des Radwegenetzes von hoher Bedeutung

Ein weiteres Thema, das ihm wichtig ist und zu Ende gebracht werden sollte, ist der Ausbau des Radwegenetzes. „Es ist manchmal schon abenteuerlich, wenn man mit dem Fahrrad durch die Stadt fährt“, sagt er, der in seiner Freizeit selbst gerne mit dem Drahtesel unterwegs ist. „Damit würde Maintal auch über den Arbeits- und Schulweg hinaus an Lebensqualität gewinnen. Aber das sind dann eigentlich auch schon Projekte für mehr als sechs Jahre“, sagt er mit einem Augenzwinkern – und plant derzeit politisch zunächst bis zum 26. September.

Von Bettina Merkelbach

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