Radweg wird zur Buckelpiste

Maintal: Stadt weist mit Schildern auf Schäden am Radweg hin – Radler sind verärgert

Bodenwellen und Straßenschäden: Verkehrsschilder weisen auf den schlechten Zustand der Radwege entlang des Mains hin.
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Bodenwellen und Straßenschäden: Verkehrsschilder weisen auf den schlechten Zustand der Radwege entlang des Mains hin.

Gras wächst hier schon länger nicht mehr. Die Wiese neben dem Radweg am Dörnigheimer Mainufer ist an manchen Stellen unweit der Schleuse an beiden Seiten durch die Radfahrer abgefahren. Und dort, wo besonders viel Wurzelwerk den Asphalt des eigentlichen Radwegs aufgebrochen hat, weisen seit Jahresbeginn Schilder auf die Bodenwellen und Straßenschäden hin.

Maintal - Seitdem ist nichts passiert. „Ich fahre diesen Radweg zweimal die Woche und ärgere mich jedes Mal“, sagt Reiner Boyé. Die Schäden seien bereits seit mehreren Jahren vorhanden. „Dass die Stadt jetzt aber Schilder aufstellt, anstatt die Schäden zu beseitigen, hat dem Ganzen die Krone aufgesetzt.“

Maintal: Radfahrer sehen große Gefahr in den Rissen im Asphalt

In den vergangenen Wochen hat der 72-jährige Bischofsheimer die Schäden mit Fotos dokumentiert. „An einer Stelle war jemand so aufmerksam und ein Loch mit ‘SOS’ markiert“, erzählt er und zeigt das Bild. Hier sei das Potenzial, mit dem Reifen hängen zu bleiben und zu stürzen, besonders groß.

Durch den Asphalt ziehen sich zum Teil große Risse.

Wenige Meter hinter dem Denkmal zum ehemaligen Wasserwerk „Kirche im Fluss“ durchziehen neun Risse den Asphalt. „Der Weg bei dem Denkmal ist auch eine Schwachstelle“, sagt er. „Da steht regelmäßig das Wasser, wenn es regnet.“

Stadt Maintal will Schäden „zeitnah“ beheben

Die Hinweisschilder sollen allerdings nur eine Zwischenlösung sein, wie die Stadt auf Anfrage unserer Zeitung bestätigt: „Die Schäden sind uns bekannt und werden selbstverständlich zeitnah behoben.“ Was „zeitnah“ konkret bedeutet, ließ die Stadt allerdings offen. Von vielen Seiten, unter anderem über das Anregungs- und Ereignis-Management-Tool (AEM) seien Schadensmeldungen eingegangen.

Einige Radfahrer wie Bernhard Stoll nehmen es jedoch mit Humor. „Dass der Radweg aufplatzt, liegt an den Wurzeln der Bäume. Ich bin ja froh, dass die am Rand stehen. Da muss man die in Kauf nehmen“, sagt er und fährt vor den Schildern entspannt vom Radweg auf die abgefahrene Wiese und hinter den Schildern wieder auf den Radweg. Allerdings sei der Radweg auch beim Campingplatz Mainkur in einem schlechten Zustand.

Radfahrer weichen auf das Wiesenstück neben dem Radweg aus

„Dort, wo die Schäden am gravierendsten sind, fährt eigentlich jeder neben dem Radweg“, sagt Boyé. Während er die Ausweichbewegung unweit der Staustufe in Dörnigheim zeigt, kommt prompt ein anderer Radfahrer, der ganz automatisch auf die abgefahrene Spur neben dem Radweg wechselt.

Auf die Frage angesprochen, was dieser Radfahrer von den Hinweisschildern hält, zeigt er sich sichtlich amüsiert. „Die hätte ich glatt übersehen. Na, da weiß man wenigstens, dass hier Straßenschäden sind“, sagt er und lacht, um dann ernst hinzuzufügen: „Die Schäden bestehen ja schon seit ein paar Jahren, da kenne ich ja schon meine Ausweichwege, aber es wäre auch nicht schlecht, wenn das mal gemacht werden würde.“

Weicht auf die abgefahrene Wiese aus: Reiner Boyé aus Maintal ärgert sich über den Zustand der Radwege nahe der Maintaler Schleuse.

Innerhalb von zehn Minuten radeln drei weitere Personen im Bereich zwischen den Schildern am Radweg vorbei. Ein paar Meter weiter ist das Schild von der Befestigung gerissen worden. Dieses will die Stadt jedoch schnellstmöglich wieder aufstellen lassen.

Maintal schneidet in Fahrradklima-Umfrage schlecht ab

Auch wenn die Maintaler sich offensichtlich stellenweise bereits an kaputte Radwege gewöhnt haben, besteht auch andernorts noch Verbesserungsbedarf: Bei der letzten ADFC-Fahrradklima-Umfrage von 2020 erhielt Maintal von den 144 Teilnehmern die Schulnote 4,0 – ausreichend. Innerhalb der Ortsgrößenklasse 20 000 bis 50 000 Einwohner belegte die Stadt mit Rang 239 von 415 einen Platz im unteren Mittelfeld (wir berichteten). Verbesserungspotenzial sahen die Maintaler vor allem bei der Bereitstellung von öffentlichen Fahrrädern, der Reinigung der Radwege und bei der Falschparkerkontrolle. Als Stärken der Fahrrad-Infrastruktur werteten die Teilnehmer geöffnete Einbahnstraßen in Gegenrichtung, die Fahrradmitnahme im Öffentlichen Nahverkehr sowie ein gutes Sicherheitsgefühl.

Bodenwellen und Straßenschäden: Verkehrsschilder weisen auf den schlechten Zustand der Radwege entlang des Mains hin.

Auch die Stadt räumt ein: „Der Zustand der Radwege ist an einigen Stellen verbesserungswürdig. Wir arbeiten allerdings an der Aufwertung der Nahmobilitätsinfrastruktur.“ So sollen in diesem Jahr noch die Radwege von Hochstadt und Wachenbuchen zur Hohen Straße ausgebessert werden. Im nächsten Schritt sollen Lückenschlüsse der vorhandenen Wege zwischen Bischofsheim und Hochstadt, die im Prioritätenplan aufgelistet sind, instandgesetzt werden.

Stadt Maintal will Radwegnetz ausbauen

Über die im Integrierten Verkehrsentwicklungsplan aufgelisteten Ziele hinaus – wie etwa der Ausbau des Radwegnetzes in der „Grünen Mitte“ – laufe derzeit bereits eine Vielzahl an Projekten. Auf dem Plan stehen unter anderem eine Fahrradabstellanlage am Bahnhof Maintal-Ost und Fahrradreparaturstationen im Stadtgebiet. Angedacht sei zudem die Neuplanung des Knotenpunkts Südumgehung Hochstadt mit einem Fahrradschutzstreifen.

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