Norma Group

Warnstreik mit Autokorso: Norma-Belegschaft wehrt sich gegen Stellenabbau

Es wird allmählich ernst bei Norma, die Zeichen stehen auf Streik. Laut Robert Weißenbrunner, dem ersten Bevollmächtigten der IG Metall Hanau-Fulda, liegt der Beschluss des IGM-Vorstands zu einer Urwahl zwecks Ausstand beim Maintaler Automobilzulieferer Norma Group Germany vor.

Maintal –Gestern (16. September 2020) hat die Gewerkschaft aber vorerst ihren zweiten, auf drei Stunden befristeten Warnstreik im Norma-Konflikt gestartet, diesmal in Form eines Autokorsos. Ein erster fand bereits am 2. September statt. Gut 100 Autos und Motorräder sammelten sich gegen Mittag am Maintalbad zwischen Dörnigheim und Hochstadt und fuhren in geschlossener Kolonne, angeführt von Polizeifahrzeugen, über die B8 nach Offenbach, wo eine Kundgebung geplant war.

Dort waren es dann rund 500 Teilnehmer, da in einer Eventlocation an der Sprendlinger Landstraße auch zeitgleich ein IG-Metall-Kongress mit mehreren Hundert Gewerkschaftern aus Hessen, dem Saarland, Rheinland-Pfalz und Thüringen tagte. Entlang der Korso-Strecke über die B8, die Hanauer Landstraße, die Autobahn A661 und im westlichen Offenbacher Stadtgebiet kam es zu einigen kürzeren Staus und Behinderungen um die Mittagszeit; ebenso wie auf dem Rückweg der Kolonne am frühen Nachmittag.

Zahlreiche Menschen nahmen an dem Autokorso teil

IG Metall will mit Autokorso in Maintal auf den Konflikt mit der Norma Group aufmerksam machen

Mit der Aktion des Autokorsos will die IGM auch publikumswirksam auf den schwelenden Konflikt mit dem Arbeitgeber Norma Group, einem Produzenten von Verbindungselementen als Zulieferer der Automobilindustrie mit Niederlassungen unter anderem in Maintal und Gerbershausen (Thüringen), aufmerksam machen. Der Konzern plant, über 160 Arbeitsplätze in Maintal zu streichen und die Niederlassung am thüringischen Standort komplett zu schließen (wir berichteten mehrfach ausführlich).

Stellung bezogen: Robert Weißenbrunner (links) von der IG Metall Hanau-Fulda und Herbert Hept, Stadtverordneter der Wahlalternative Maintal.

Die Unternehmenspläne sind auch im Zusammenhang mit ähnlichen Ansinnen anderer Automobilzulieferbetriebe, wie etwa Continental zu sehen, wo ebenfalls ein erheblicher Stellenabbau und Werksschließungen in Vorbereitung sind. Bei Norma geht es konkret um einen Sozialtarifvertrag für die Beschäftigten und einen „Zukunftspakt“, in dem die IG Metall ihre Forderungen realisiert sehen will. Tarifvertragliche Mindestabfindungen bei Kündigungen und betriebsbedingten Aufhebungsverträgen von drei Bruttomonatsentgelten pro Beschäftigungsjahr sind die erste Voraussetzung für eine Einigung aus IGM-Sicht.

Forderung der IG Metall-Mitglieder für die Norma-Beschäftigten aus Maintal: Erhöhung der tariflichen Mindestabfindungen

Des Weiteren eine Bonus-Regelung für IG Metall-Mitglieder durch Erhöhung der tariflichen Mindestabfindungen um den zweifachen Wert der während der Beschäftigungszeit bei Norma gezahlten Gewerkschaftsbeiträge. Zudem eine Finanzierung von Transfermaßnahmen und Transfergesellschaft durch den Arbeitgeber für mindestens zwölf Monate, sowie Anspruch auf Übergang in eine Transfergesellschaft für alle nach Beendigung der individuellen Kündigungsfristen und des Arbeitsverhältnisses mit tariflicher Mindestzuzahlung auf 80 Prozent des Bruttomonatsentgeltes.

Ein „Qualifizierungs-Budget“ von mindestens 5000 Euro pro Kopf schließt den Forderungskatalog der IGM ab. Die Arbeitgeberseite habe sich bisher in keinster Weise bewegt, so der Betriebsratsvorsitzende im Werk Maintal, Klaus Dippel.

Die Norma-Beschäftigten machen mobil: Mit einem Autokorso nach Offenbach wurde gegen den geplanten Stellenabbau demonstriert.

Bei der Kundgebung vor der Eventlocation Fredenhagen in Offenbach sprachen der Leiter des IG Metall-Bezirks Mitte, Jörg Köhlinger, sowie Weißenbrunner. „Wir stellen eine breite Solidarität mit den Norma-Beschäftigten auch bei anderen Unternehmen der Branche fest“, resümierte Weißenbrunner den zweiten Warnstreik.

Weitere Verhandlungstermine zwischen IGM und Norma sind für Mittwoch, 23., und Samstag, 26. September, geplant. Von deren Ausgang hängt ab, ob eine Urwahl stattfindet, in welcher die in der IGM organisierte Belegschaft über einen befristeten oder unbefristeten Streik entscheidet.

Rubriklistenbild: © Rainer Habermann

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