„Ein erheblicher Stau“

Wochenlange Wartezeiten für neue Ausweisdokumente

Dass der Pass abgelaufen ist, fällt vielen erst jetzt auf. Die Ämter kommen kaum hinterher.
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Dass der Pass abgelaufen ist, fällt vielen erst jetzt auf. Die Ämter kommen kaum hinterher.

Alle Hände voll zu tun hat derzeit der Stadtladen in Maintal. Zahlreiche Maintaler wollen neue Personalausweise oder Reisepässe beantragen. Das kann mitunter Wochen dauern.

Maintal – Ein „erheblicher Stau“ hat sich laut dem Ersten Stadtrat Karl-Heinz in den vergangenen Wochen gebildet. Die Ursache scheint schnell gefunden: Mit der Aussicht auf Lockerungen bei den Reise-Bestimmungen und damit einhergehende Urlaubsplanungen gewinnen die Pässe wieder an Wichtigkeit. „Die Leute schauen auf ihre Pässe und sehen, dass diese bald ablaufen oder abgelaufen sind“, erklärt Kaiser. In den Monaten des Lockdowns war das in Vergessenheit geraten. Denn, sagt Kaiser, die wenigsten kontrollieren ohne einen konkreten Anlass die Gültigkeit ihrer Ausweisdokumente.

Pandemie-Bedingungen erschweren Terminvergabe

Ende April hatte die Wartezeit zur Beantragung eines Passes noch bei vier Wochen gelegen, mittlerweile sind es zehn. „Das ist auf den ersten Blick natürlich erschreckend“, erklärt Kaiser, der auch Verständnis für den Unmut der Maintaler zeigt, die lange auf ihren Termin warten müssen. Vor einigen Wochen wurde auf der Website der Stadt eine Online-Terminvergabe eingerichtet, die die Prozesse beschleunigen soll. Dort kann auch der Status des Antrags eingesehen werden. Das schaffte jedoch offensichtlich nur kurze Entlastung.

Denn auch die derzeitig notwendige Terminvergabe verzögert die Arbeit im Stadtladen. Wer einen Termin hat, bekommt ein festes Zeitfenster zugewiesen. Dauert dieser Termin statt den geplanten 20 Minuten nur fünf, würde es im Normalfall für die nachfolgenden Wartenden schneller gehen. Da diese jedoch corona-bedingt auch ein festes Zeitfenster haben, zu dem sie im Stadtladen erscheinen sollen, könne man nicht eben den Nächsten aus dem Wartebereich hereinbitten. Dauert allerdings ein Termin länger, schiebt sich alles nach hinten. „Wenn nicht alle erforderlichen Dokumente vorliegen, kein biometrisches Passbild gemacht wurde, dann dauert alles länger“, weiß Kaiser.

Auch sei vielen nicht bekannt, dass der alte Pass abgegeben und folglich mitgebracht werden muss. Würden bereits alle Dokumente vorbereitet sein, sei ein neuer Antrag in wenigen Minuten erledigt.

Ansturm auf Ausweisdokumente nach Corona-Lockerungen

Wie Kaiser erklärt, gebe es in jedem Jahr bei der Anzahl der beantragten Ausweisdokumente Schwankungen. Genau planen, wie viele Ausweise neu beantragt werden müssen, könne man nicht. „Wenn das linear verlaufen würde, wären wir sehr gut aufgestellt“, sagt Kaiser. So wurden 2019 in Maintal insgesamt 5300 neue Ausweisdokumente ausgestellt. Eine Zahl, die laut Kaiser auch unter Pandemiebedingungen bewältigt werden könne. In diesem Jahr wurden bis April 750 neue Dokumente beantragt, hochgerechnet also sogar eher weniger. Der große Ansturm kam dann erst mit der Aussicht auf mehr Freiheiten.

Terminvereinbarungen

Termine im Stadtladen können online auf der Website der Stadt oder telefonisch unter z 06181 400 205 vereinbart werden. Fragen können per E-Mail an stadladen@maintal.de gerichtet werden.

In Ausnahmefällen würden die Mitarbeiter im Stadtladen auch abends Termine vergeben, um schneller Ausweise ausstellen zu können. „Das gilt aber nur in ganz besonderen Fällen“, stellt Kaiser klar und ergänzt: „Wer in vier Wochen Urlaub gebucht hat und dafür einen neuen Pass braucht, der ist kein dringender Fall.“

Ausweisdokumente können nicht einfach mit der Post verschickt werden

Nicht unbedingt erleichtert wird die Lage durch gesetzliche Vorgaben, die erfüllt werden müssen. Denn auch für das Abholen des fertigen Passes muss ein Termin vereinbart werden. „Man kann die Pässe nicht mit der Post verschicken, da sie beim Abholen persönlich unterschrieben werden müssen. Daran scheitert das dann“, erklärt Kaiser.

Am Montag fand eine Sonderaktion im Stadtladen statt. Alle Pässe, die bereits fertig waren, konnten ohne Termin abgeholt werden. Dadurch erhoffte man sich, zumindest den Stau an bereits fertigen Pässen etwas abzuarbeiten. Das Angebot wurde allerdings nur von 25 Personen genutzt.

Vorerst bleibt den Maintalern also nichts anderes übrig, als sich in Geduld zu üben. Die ist auch bei der telefonischen Terminvereinbarung gefragt. Hier wurde eine Warteschleife eingerichtet. „Da kann es sein, dass man zehn bis 15 Minuten in der Leitung wartet“, sagt Kaiser.

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