Maintal

Der Maintaler Charles Nickolai organisiert Partys auf Ibiza

Viele Leser unserer Zeitung kennen ihn bereits als Weihnachtsmann aus Ibiza: Den gebürtigen Maintaler Charles Nickolai zog es mit 19 Jahren in die Partyhochburg. Nun wohnt er dort seit über 20 Jahren als selbstständiger Unternehmer. Im Dezember organisierte er in Maintal eine Geschenkeaktion für bedürftige Kinder. Foto: Privat

Maintal. Vielen Lesern dürfte er bereits als Weihnachtsmann aus Ibiza bekannt sein. Denn er organisierte in der Vorweihnachtszeit eine Geschenkaktion für bedürftige Kinder in Maintal: Charles Nickolai, der am liebsten einfach nur Charly genannt wird, wohnt bereits seit über 20 Jahren auf Ibiza.

Von Jasmin Jakob

Mit 19 Jahren, direkt nach seinem Zivildienst, zieht es den gebürtigen Maintaler und seinen besten Freund in eine Partyhochburg: die Baleareninsel Ibiza. „Ich hab mein Glück in der Welt gesucht“, sagt Charly zwinkernd. „Die berühmteste Partyinsel der Welt hat uns zwei wilde Burschen einfach gelockt.“ Dann hat er sich in das Leben auf der Sonneninsel verliebt und ist dorthin ausgewandert.

Heute ist er 41 Jahre alt und wild sei er schon längst nicht mehr. Der ehemalige Beach Boy, der sich auf Facebook gerne oberkörperfrei am Strand zeigt, ist heute ein erfolgreicher Geschäftsmann. Auf die Frage, ob es ihm leicht gefallen ist, Deutschland zu verlassen, sagt er: „Familie und Freunde haben mir sehr gefehlt, aber ich musste meinen eigenen Weg finden.“

Bruchlandung mit Beach-Club

1998, ein Jahr bevor der Partyhit der Vengaboys mit dem Titel „We are going to Ibiza“ auch in deutschen Radios rauf und runter läuft, arbeitet er dort als Kellner. Sieben Jahre später eröffnet er dann seinen eigenen Beach-Club. Doch nach weiteren sechs Jahren muss er ihn wieder schließen. „Den Club hat ein großes Unternehmen gekauft. Danach war ich erst mal ruiniert“, sagt Charly.

Den Sommer darauf steigt er in die Touren-Branche ein, verkauft Partypakete an Touristen, die an einem Abend durch die vier coolsten Clubs Ibizas ziehen, am Pool oder auf dem Schiff in einzigartiger Kulisse feiern wollen. „Da hab ich schnell gemerkt, dass mir der Verkauf liegt“, schmunzelt Charly. Und heute gehört ihm die Firma, bei der er damals angefangen hat. Zudem hat er ein Tapas-Restaurant in Playa d'en Bossa eröffnet, das er gerade renoviert.

70-Stunden-Woche in der Hauptsaison

Vor allem in den Sommermonaten bedeutet das viel Arbeit für den gebürtigen Maintaler. „Zur Hauptsaison arbeite ich sieben Tage in einer 70-Stunden-Woche, sechs Wochen in Folge“, sagt er. „Ich liebe meine Arbeit. Ich bin mein eigener Chef und mein bester Freund ist mein Manager.“ Insgesamt beschäftigt er acht festangestellte Mitarbeiter und zahlreiche Freelancer.

„Mein Glaube und mein Sport geben mir Kraft, das Arbeitspensum zu bewältigen“, sagt Charly. „Das hält mich auf dem richtigen Pfad.“ Sein Glaubensbekenntnis geht unter die Haut: „Only God can judge me“ – was übersetzt so viel heißt, wie „nur Gott kann über mich urteilen“, steht von der einen Schulter zur anderen auf seinem Oberkörper. Doch das ist nicht sein einziges Tattoo, ein wenig darunter das Vaterunser auf Aramäisch. „Ich bin über den ganzen Körper tätowiert“, sagt er und zu jedem Bild oder Schriftzeichen könnte er eine Geschichte erzählen.

Großvater arbeitete bei der NASA

Auch sein Name hat eine tiefe Bedeutung für ihn. Charly wurde nämlich nach seinem Großvater Charles Vermillion benannt. „Er war Amerikaner und hat bei der NASA gearbeitet“ Als er mit der Army in Neu-Isenburg stationiert war, lernte er Charlys Großmutter mütterlicherseits kennen und lieben. Dann kehrte er jedoch wieder in die USA zurück.

Bei der NASA war er maßgeblich an der Entwicklung eines kostengünstigen Frühwarnsystems für Naturkatastrophen beteiligt. Als im Mai 1985 ein Zyklon mit einer 15 Meter hohen Flutwelle auf Bangladeschs Küste und Inselgruppen traf, rettete das Frühwarnsystem Schätzungen der amerikanischen Space Foundation zufolge 12 000 Menschenleben. Denn bereits 48 Stunden bevor das Unwetter heraufzog, alarmieren die örtlichen Radiosender die Bevölkerung, womit die betroffene Region teilweise evakuiert werden konnte.

Soziales Engagement liegt in der Familie

Wie viele Menschen bei dem Unglück genau ums Leben gekommen sind, ist bis heute nicht eindeutig auszumachen. Die öffentlichen Zahlen von Hilfsorganisationen (40 000 Tote) und Regierungssprechern (1300 Tote) gingen gravierend auseinander. Heute geht man davon aus, dass mindestens 15 000 Menschen bei dem Unglück starben. Zirka 500 000 Menschen wurden obdachlos, es fehlte an Nahrung, das Trinkwasser war stark verunreinigt und die Cholera brach aus.

„Mein Großvater hat sich dort dann auch sozial engagiert. Er war ein großes Vorbild für mich“, sagt Charly und bedauert es, seinen Opa selbst nie persönlich kennengelernt zu haben. Einmal habe er ihn in den USA besuchen wollen, kurz zuvor sei Vermillion jedoch bei einem Autounfall ums Leben gekommen.“ Sein Großvater habe ihn durch seine Arbeit und sein Engagement sehr beeindruckt und auf die Idee mit der Maintaler Charity-Aktion gebracht: „Ich wollte auch so etwas Cooles machen.“

Nickolai organisiert Geschenkaktion zu Weihnachten

Auf Ibiza informiert er sich über soziale Projekte und erinnert sich dabei an seine eigene Kindheit: „Ich bin in Maintals Brennpunktvierteln aufgewachsen. Das trage ich im Herzen.“ Er habe viel Zeit mit anderen Kindern im Dörnigheimer Jugendtreff verbracht. Als er mit den Verantwortlichen wieder Kontakt aufnimmt, erfährt er, dass bei der Maintaler Tafel auch 294 Kinder registriert sind. „Die Nachricht hat mich aus den Socken gehauen“, sagt er. „Ich konnte es einfach nicht ertragen, dass Kinder in Maintal zu Weihnachten keine Geschenke bekommen.“

Kurzerhand plant er eine Charity-Aktion und verbringt seinen Weihnachtsurlaub bei der Familie damit, Spenden zu sammeln, Geschenke zu kaufen und zu verpacken. Und das mit großem Erfolg und tatkräftiger Unterstützung vieler Maintaler. Seine Botschaft lautet: „Unser Maintal ist bunt. Gemeinsam sind wir stark!“

300 Geschenke konnten einen Tag vor Heiligabend an die 294 Kinder der Tafel übergeben werden. Darüber hinaus konnte er knapp 4000 Euro für Projekte der Maintaler Tafel übergeben. Damit soll unter anderem ein Secondhand-Kleiderladen für Kinder eingerichtet werden.

Mit Maintal immer verbunden

Bei der Aktion traf er auch viele alte Bekannte wieder, die er seit über 30 Jahren kannte und die ihm mit viel Freude und Engagement beim Verpacken und Einsammeln der Spenden halfen. „Auch wenn ich woanders lebe, werde ich immer Dörnigheimer sein“, sagt er und lacht.

Trotzdem kann er sich momentan nicht vorstellen, wieder in seiner alten Heimat zu leben: „Es gibt viele Probleme in Deutschland. Das Gesundheitssystem ist schlecht und es gibt im Vergleich zu Ibiza viel Alters- und Familienarmut.“ Wenn Charly noch mal zurückkommen würde, dann nur, „um gegen den Scheiß was zu machen“, sagt er energisch.

Quelle: Hanauer Anzeiger

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