Stimmungsvolle Videos

Maintaler Karnevalisten verlagern die Corona-Kampagne ins Internet

Der HMV Edelweiß hat ein Video unter dem Motto „I will survive“ veröffentlicht.
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Der HMV Edelweiß hat ein Video unter dem Motto „I will survive“ veröffentlicht.

Leere Hallen, stumme Mikrofone, verwaiste Sitzreihen, trockene Gläser: Die Faschingskampagne 2021 ist eine trostlose. Auch in Maintal bleiben die Narren zu Hause. Kein Umzug, keine Sitzungen. Doch einen Komplettausfall kann es nicht geben, da sind sich die Maintaler Faschingsvereine einig.

Maintal – Stadt durch die Straßen ziehen die Narren deshalb ins Netz. Dorthin, wo sich das Coronavirus nicht verbreiten kann. Vor den heimischen Computern ist Abstand garantiert. Und für das Publikum haben sich die Vereine ein buntes und kreatives Programm ausgedacht. Im Netz und in den sozialen Medien werden Videos geteilt, die die ausgefallenen Sitzungen in die heimischen vier Wände bringen.

HMV Edelweiß feiert mit dem Motto „I will survive“

Der Humor-Musik-Verein Edelweiß hat die abgesagten Sitzungen „zumindest symbolisch ersetzt“, teilt Nina Walzer-Stein mit. Unter Beteiligung vieler Aktiver haben die Humoristen ein Video mit humorvollen Tanz- und Redebeiträgen veröffentlicht. Pünktlich am 16. Januar, an dem eigentlich die Sitzung stattgefunden hätte. Und auch auf die Kreppel-Zeitung müssen die Hochstädter nicht verzichten (wir berichteten). „Das ersetzt bei Weitem nicht alles rund um Fastnacht, es hat aber die Vereinsmitglieder trotz Distanz und weniger Kontakte zusammengebracht“, sagt Walzer-Stein.

Nicht anders ist die Stimmung bei den Freien Turnern Wachenbuchen. Dass derzeit nichts so ist, wie es sein sollte, wurde insbesondere am 11. November deutlich, dem traditionellen Auftakt zur fünften Jahreszeit. „Es war emotional, aber im negativen Sinne. Man hat da so richtig gemerkt, was man alles vermissten wird“, sagt Vanessa Conrad, Pressewartin der Freien Turner. Conrad ist zudem als Übungsleiterin für Kinder, Jugendliche und Erwachsene aktiv.

Freie Turner Wachenbuchen ersetzen Sitzungen mit Videos

Im Laufe der Corona-Pandemie haben die Freien Turner zumindest im Rahmen der möglichen Übungsstunden veranstaltet. Im Freien oder in deutlich reduzierter Zahl in Hallen. „Natürlich mussten Abstriche gemacht werden, das ist vor allem für die Kinder schade. Wir haben versucht, alles was möglich war, auch zu ermöglichen“; sagt sie. Spätestens mit den steigenden Fallzahlen im Herbst wurde dann auch den größten Optimisten bewusst, dass es eine Faschingskampagne im regulären Sinne nicht geben wird.

Schon im ersten Lockdown wurden Pläne geschmiedet, etwaige Hygienekonzepte erstellt. „Ein unheimlicher bürokratischer Aufwand“, erklärt Abteilungsleiter Timo Stein. „Irgendwann hat man darauf keine Lust mehr.“ Der große Vorteil der Online-Veranstaltungen ist die Planungssicherheit, weshalb man sich schon früh für diese Variante entschieden hat. Fasching ganz ausfallen zu lassen, kam nicht infrage.

Auch die Freien Turner sind daher im Netz aktiv. Auch sie haben Videos vorbereitet, die in der eigentlichen Sitzungswoche veröffentlich werden. Von Büttenreden über Tanzbeiträge und Comedy-Einlagen ist alles dabei. „Wir versuchen, alle, die sonst auch auf der Bühne stehen, einzubinden“, sagt FTW-Abteilungsleiter Timo Stein. Eine richtige Faschingssitzung ersetzen kann das jedoch nicht. „Alles lebt von dem Sozialen. Fasching hat jetzt nicht die Präsenz, die es normal hat. Man vermisst das Gegenüber. Die Menschen sind nicht da, das nervt fürchterlich“, fasst er die Gemütslage der Narren zusammen.

Online-Cochung bei den Hochstädter Käwern

„Es ist nichts so wie sonst“, weiß auch Sara Aylin Tosman von den Käwern. Die Hochstädter veranstalten am heutigen Samstag, 6. Februar, eine Sitzung über die Online-Plattform Zoom. „Couchung“ nennen die Käwern ihre Aktion passenderweise, denn statt in der Halle wird eben auf der Couch gefeiert.

Die Zuschauer können dabei in Erinnerungen schwelgen, es gibt ausgewählte Clips von den Veranstaltungen der vergangenen Jahre und dazu die passende Moderation. Am 14. Februar findet eine „Mini-Couchung“ für Kinder statt. Außerdem haben die Käwern einen Malwettbewerb ins Leben gerufen, Kinder bis zwölf Jahre können ihr Kostüm malen und es an die Fastnachter schicken.

Karnevalsabteilung Blau-Weiß stellt Best-Of ins Netz

Nicht untätig waren auch die Karnevalisten der Turnerschaft Dörnigheim. In Zusammenarbeit mit den anderen Maintaler Vereinen wurde ein Anstecker kreiert, auf dem alle Wappen zu sehen sind. „Wir wollen natürlich im Gespräch bleiben, das war eine schöne Gemeinschaftsaktion“, berichtet der Vorsitzende Rolf Eisenhauer. Auch die Blau-Weißen haben ein Besf-of-Video der vergangenen Kampagnen erstellt, das seit gestern online zu sehen ist.

An Weiberfastnacht wird zudem ein Video zur traditionellen Hexennacht veröffentlicht. „Die Stimmung ist getrübt, vor allem bei den Kindern und Jugendlichen, die sonst das ganze Jahr an ihren Auftritten gearbeitet haben“, macht auch Eisenhauer deutlich. Mit Videokonferenzen halten sich die Mitglieder bei Laune. „Da müssen wir jetzt durch, es geht nur miteinander“, sagt Eisenhauer

Bitter ist der Ausfall auch für den Karnevalszugverein. Zum zweiten Mal in Folge wird es keinen Umzug durch Dörnigheim geben. 2020 wurde der Zug als Reaktion auf den Anschlag in Hanau drei Tage zuvor kurzfristig durch die Stadt abgesagt. Jetzt funkt die Corona-Pandemie dazwischen.

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