Maintalerin mit Kämpferherz

Nieves Schwierzeck leitet seit 20 Jahren den Ortsverband „Frauenselbsthilfe nach Krebs“

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Engagiert sich seit Jahrzehnten ehrenamtlich: Die Maintalerin Nieves Schwierzeck. Für ihr Engagement wird sie nun im Maintaler Frauenhain geehrt.

Nieves Schwierzeck engagiert sich seit Jahren für Frauen, die mit der Diagnose Krebs leben müssen. Seit 20 Jahren leitet sie zudem den Verband.

Der Sommer 1993 hat sich in den Erinnerungen von Nieves Schwierzeck als eine Zeit eingebrannt, in der sie zwischen größter Verzweiflung, Wut, Hoffnung und Dankbarkeit hin- und hergerissen war. „Die Diagnose Brustkrebs hat mir den Boden unter den Füßen weggezogen“, sagt sie noch heute. Die Fröhlichkeit in Stimme und Mimik scheint für einen Moment verflogen. 

Nieves Schwierzeck schenkt Kaffee ein, wir sitzen im gemütlichen Wohnzimmer auf dem Sofa, ins Auge fällt eine Fotogalerie auf dem Sideboard: „Meine drei Enkelinnen“, sagt die 67-jährige Dörnigheimerin. Dafür hat sie gekämpft, ihre beiden Kinder bis ins Erwachsenalter begleiten zu können – und als Oma Enkel zu erleben. Zwei Vormittage betreut Nieves Schwierzeck den Familiennachwuchs mit allergrößter Freude. 

Seit 20 Jahren leitet die Maintaler den Ortsverband „Frauenselbsthilfe nach Krebs“

„Das ist ganz toll für die Enkelkinder – und die Oma“, sagt sie und lacht. „Heute kann ich auch sagen: Ich habe den Krebs überlebt. Er hat mein Leben verändert, ja, aber auch zum Positiven“, sagt sie. Zur „Habenseite“ gehören ganz sicher die Frauen der Gruppe Selbsthilfe nach Krebs. Seit 1980 bereits gibt es den Ortsverband in Maintal, den Annelies Gerstendörfer ins Leben gerufen hat. Die Vorsitzende war es auch, die Nieves Schwierzeck sofort zur Seite stand. So ist sie selbst seit 1993 Teilnehmerin der Gruppe. 

Seit 20 Jahren leitet Schwierzeck gemeinsam mit Karin Daferner und Susanne Hoffmann den Ortsverband „Frauenselbsthilfe nach Krebs“ in Maintal. Bis heute ist sie von dem Angebot absolut überzeugt. „Es macht anderen Frauen Hoffnung, wenn sie sehen, dass man gut 25 Jahre mit Krebs leben kann.“ Die Frauen tauschen nicht nur Erfahrungen aus, sie informieren sich über neue Entwicklungen im Gesundheitssystem und laden Experten zu Vorträgen ein. „Wir lachen auch viel gemeinsam, die Gruppe ist ein Ort der Lebensfreude. Ich habe hier viele Freundschaften gefunden“, sagt Schwierzeck. 

Enge Kontakte nach Saudi-Arabien

Das gemeinsame Schicksal, das eigene Erleben verbinde, denn auch wenn Freunde und Familie nicht mehr über das Thema Krebs sprechen wollten, oft kämen Angst und Verzweiflung vor und mit der Nachuntersuchung wieder. Nieves Schwierzeck lebt seit 1977 in Maintal. Geboren und aufgewachsen ist die 67-Jährige in Spanien, genauer gesagt in Katalonien. „Zu Hause wurde Katalanisch gesprochen“, erinnert sie sich, „aber Postkarten und Briefe an die Großeltern wurden in Spanisch geschrieben.“ 

Bereits Ende der 1950er Jahre zog die Familie nach Offenbach-Bieber, wo Schwierzeck die Schule besuchte und anschließend eine Ausbildung zur Bankkauffrau begann. Bis 1983 war sie in ihrem Beruf tätig, zuletzt in Frankfurt in der Bank of America. Zu diesem Zeitpunkt war sie bereits sechs Jahre mit Ehemann Walter verheiratet und zwei Kinder machten das Glück perfekt. 1983 bis 1986 lebte die junge Familie in einem internationalen Camp in Saudi-Arabien. Walter Schwierzeck war für ein deutsches Unternehmen dort am Bau eines Krankenhauses beteiligt. „Das war eine sehr schöne Zeit, weil wir Kontakt zu sehr vielen Menschen aus aller Welt hatten. Einige Freundschaften halten bis heute,“ denkt Schwierzeck an die Zeit in „Saudi“ zurück. 

Zur Zeiten von Priska Hinz (Grüne) als Maintaler Stadträtin gab es Zuschüsse

Zurück in Maintal fand Nieves Schwierzeck über Kindergarten und Schule schnell Kontakt, engagierte sich in verschiedenen Elternbeiräten, war jahrelang für Dienste und allerlei Aktionen immer eine zuverlässige Ansprechpartnerin. Besonders ans Herz gewachsen war ihr die Jugend- Musik- und Kunstschule Maintal (JMKS), die sich 1968 aus einer Elterninitiative gegründet hatte. „Es war damals ein unglaublicher Hype um die JMKS“, erinnert sich Schwierzeck. 

„Unheimlich viel wurde damals ehrenamtlich gemacht.“ Sehr schnell und weil ihr Kinder dort unterrichtet wurden, gehörte auch Nieves Schwierzeck zu den ehrenamtlichen Helfern. Sie unterstützte die Geschäftsstelle, erledigte im Grunde die Personalverwaltung. „Ich hatte das Büro zu Hause“, erklärt Schwierzeck. Als Priska Hinz Stadträtin in Maintal war, gab es für die JMKS einen städtischen Zuschuss, so dass die Geschäftsstelle für Tätigkeiten wie Kurseinteilungen, Honorarabrechnungen oder An- und Abmeldungen eine halbe Stelle einrichten konnte. „Bis zu meiner Rente habe ich das sehr gerne gemacht. Ich hatte immer mit sehr netten Leuten zu tun.“ 

Intensive Auseinandersetzung mit der Diagnose Krebs

Rafael Lukjanik, der Leiter der Geschäftsstelle, darf auch heute noch auf die langjährige Mitarbeiterin zählen, wenn es sich um knifflige Fragen oder um die Abrechnung der Gehälter handelt. Bei allem ehrenamtlichen Engagement war Familie Schwierzeck auch gerne auf Reisen, war häufig bei Verwandten und Freunden in Spanien zu Gast. Zu den besonderen Urlaubserinnerungen gehören eine Kurzreise nach Andalusien, die Nieves Schwierzeck mit ihrer Tochter unternommen hat, und eine Ballonfahrt über den Uluru, den heiligen Berg der Aborigines. Zweimal besuchte sie Freunde in Australien. Nach wie vor bleibt die „Frauenselbsthilfe nach Krebs“ für Nieves Schwierzeck ein zentraler Ankerpunkt. 

Das aktuelle Projekt, eine Wanderausstellung mit Fotografien und sehr persönlichen Texten, bewirkte, dass die Maintaler Frauen sich noch einmal intensiv mit Diagnose und Behandlung auseinandersetzten, die öffentliche Präsentation führte aber auch zu Konflikten mit Angehörigen. „Unsere Ausstellung ist ein großer Erfolg. Sie wird sehr nachgefragt“, freut sich die langjährige Gruppenleiterin über den Erfolg für Susanne Hoffmann, die das Projekt geleitet hat. Mit großer Energie ruft Nieves Schwierzeck zudem aktuell das „Onko-Café“ ins Leben, ein zwangloser Austausch für Krebspatientinnen und -patienten im Klinikum Hanau. 

Ehrung für Nieves Schwierzeck am Weltfrauentag

„Der Kampf gegen den Krebs ist nie vorbei, aber ich habe gelernt mit der Angst umzugehen“, sagt die Maintalerin, „Heute weiß ich: Mein Leben ist reich, reicher als ich es mir vor 25 Jahren hätte ausmalen können.“ 

Für ihr ehrenamtliches Engagement wird Nieves Schwierzeck – zusammen mit zwei anderen Maintalerinnen – am Sonntag, 8. März, im Frauenhain geehrt. Diese Ehrung findet traditionell rund um den Weltfrauentag statt.

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