1. Startseite
  2. Region
  3. Main-Kinzig-Kreis
  4. Maintal

Malen als Therapie für Körper und Seele: Petra Gomes stellt ihre Kunst in der Alten Kirche am Main aus

Erstellt:

Kommentare

Aus einem Unfall entwuchs Kreativität: Petra Gomes vor ihrem Lieblingsbild „Alles ist gut, was gut endet“ (rechts), links daneben hängt die „Hommage an den Blauen Reiter“.
Aus einem Unfall entwuchs Kreativität: Petra Gomes vor ihrem Lieblingsbild „Alles ist gut, was gut endet“ (rechts), links daneben hängt die „Hommage an den Blauen Reiter“. © BETTINA MERKELBACH

Maintal – Es war ein Moment, der ihr Leben veränderte: Im Oktober 2021 ging Petra Gomes mit ihrem Schäferhund Franz spazieren, als ein zweiter großer Hund ihren vierbeinigen Begleiter überrannte. Beide schlugen an ihr rechtes Knie, das sofort brach.

Neun Wochen im Rollstuhl folgen auf die Operation. Eine Zeit, die ihr bewusst gemacht hat, wie wichtig die eigene Gesundheit ist, sich bewegen und selbst versorgen zu können. „Ich war total angewiesen auf die Hilfe meiner Familie und von Freunden“, sagt die 64-Jährige, die bis dahin immer in Bewegung war. „Auf einmal war es eine Herausforderung, mir selbst einen Kaffee zu machen oder die Treppe hoch und runter zu kommen. Das war keine einfache Zeit und hat mich nachhaltig verändert.“

Die Zwangspause entfesselt ihre Kreativität. Petra Gomes malt – und das schon seit ihrer Jugend. „Ich habe mit 13 angefangen zu zeichnen“, erzählt die 64-Jährige. Schon damals hat das Malen eine therapeutische Wirkung für die Hochstädterin. Als 13-Jährige verarbeitet sie ihren Pubertätsfrust in ihren Bildern. Nach ihrem Unfall bahnen sich Angst und Trauma ihren Weg auf die Leinwand. „Ich habe durch den Unfall erlebt, dass man nichts selbst unter Kontrolle hat“, erklärt sie die Bilder, die häufig die Angst als Person zeigen.

Einige ihrer jüngsten Werke sind ab kommendem Sonntag, 21. August, eine Woche lang in der Alten Kirche am Main in Dörnigheim zu sehen. „Die Seele ist ein zweifarbiger Fluss“ lautet der Titel der kleinen Ausstellung und gleichzeitig eines der ausgestellten Bilder. „Das ist neu, dass ich meinen Bildern Titel gebe“ erklärt die Künstlerin. Sie will damit den Betrachtern einen Zugang zu ihrer Kunst bieten. Deshalb sind die Titel offen und lassen Raum für eigene Gedanken und Sichtweisen.

„Alles ist gut, was gut endet“ ist ihr Lieblingsbild, verrät sie. Es hängt direkt neben der „Hommage an den Blauen Reiter“. Stilistisch sind ihre Werke schwer einzuordnen. Petra Gomes malt expressionistisch, abstrakt, nicht gegenständlich. Die Ausnahme: drei kleine Porträts, die auch Teil der aktuellen Schau sind. „Man muss ja auch zeigen, was man kann“, erklärt die Künstlerin. Malerisch ist sie nämlich Autodidaktin, hauptberuflich war Petra Gomes Sozialarbeiterin. Die Erziehungswissenschaftlerin war lange Jahre in einer psychiatrischen Tagesklinik in Hanau tätig, bevor sie vor vier Jahren mit 60 vorzeitig in Rente ging. „Seitdem male ich wieder mehr. Ich habe Zeit, zu entdecken und zu experimentieren.“

Deshalb hat sie sich schon seit Langem auf die Möglichkeit gefreut, ihre Bilder in der Dörnigheimer Kirche zu präsentieren. Diese Ausstellung ist jedoch nicht ihre erste. Seit 1989 zeigt die gebürtige Hanauerin ihre Kunst dem interessierten Publikum in aller Welt. Erstmals hat sie ihre Bilder während ihrer Schauspielausbildung in New York ausgestellt. Es folgt sogar eine Schau auf der karibischen Insel Antigua, wo sie ihren Mann kennenlernt. 1995 zieht es die Weltenbummlerin zurück in ihr Elternhaus nach Maintal. Im Sommer verbringt sie jedoch – typisch Malerin – einige Zeit in der Normandie.

Ihre Kunst hat sich im Lauf der Jahre mit ihr verändert. „Früher habe ich viel Aquarelle gemalt und die großen Meister kopiert“, erinnert sie sich an den Weg zu ihrem eigenen Stil. Der kommt gut an. Mittlerweile erhält sie regelmäßig Aufträge. „Seitdem ich herausgefunden habe, dass man Bilder auch wieder übermalen kann, bin ich wagemutiger geworden. Oft kann ich gar nichts anderes tun, bis ein Bild wirklich fertig ist.“ Den künstlerischen Prozess unterstützt die Hochstädterin mit Musik. „Dadurch entsteht eine ganz besondere Stimmung, die mich trägt. Dann fließt es einfach aus mir heraus“, beschreibt sie die Entstehung ihrer Bilder, die sie nicht behalten, sondern verkaufen will. „Sie sind ja nicht für mich, sondern sollen raus in die Welt“, lacht Petra Gomes.

Die Eröffnung ihrer Ausstellung musste coronabedingt um eine Woche verschoben werden und findet nun an diesem Sonntag um 15 Uhr statt. Bis zum 28. August kann die Ausstellung während der Offenen Kirche sonntags von 15 bis 17 Uhr besichtigt werden.

Wer Petra Gomes’ Bilder außerhalb dieser Zeit sehen möchte, kann sich per E-Mail an petra@haihappen.com direkt an die Künstlerin wenden und einen Termin vereinbaren.

Von Bettina Merkelbach

Auch interessant

Kommentare