Voraussetzungen sind ungünstig

Möglichkeiten sind begrenzt: Hauptausschuss berät über Friedwald in Maintal

Bestattungen in einem Friedwald liegen immer mehr im Trend. Die WAM-Fraktion hat nun einen Prüfantrag gestellt, ob ein solcher Friedwald auch in Maintal möglich wäre.
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Bestattungen in einem Friedwald liegen immer mehr im Trend. Die WAM-Fraktion hat nun einen Prüfantrag gestellt, ob ein solcher Friedwald auch in Maintal möglich wäre.

Die Wahlalternative Maintal (WAM) hat mit einem Prüfantrag im Haupt- und Finanzausschuss die Einrichtung eines Friedwalds in Maintal ins Gespräch gebracht. Hier könnten sich Maintaler unter einem Baum im Friedwald bestatten lassen.

Maintal – „Die Erdbestattungen sind in den letzten Jahren überall massiv zurückgegangen, Urnengräber sind dagegen zunehmend beliebt. Noch mehr im Trend liegt es, die letzte Ruhestätte der Urne unter einem Baum in den eingerichteten Friedwäldern zu wählen“, heißt es im Antrag der WAM. Wie Erster Stadtrat Karl-Heinz Kaiser erklärte, habe sich der Magistrat schon vor der offiziellen Beauftragung zur Prüfung damit beschäftigt, wie man in Maintal den Bedarf von Personen decken kann, die sich ein schlichtes Urnengrab wünschen, das keiner großen Pflege bedarf.

„Bei den Voraussetzungen gibt es viele Dinge zu beachten. Es kommt auf die Beschaffenheit des Waldes an, ob Gebiete vom Baumbruch gefährdet sind. Wasserschutzgebiete fallen raus. Es braucht die entsprechende Beschaffenheit für Zufahrtswege, Parkplätze und Bauwerke für Abschiedsfeiern, minimum eine Holzhütte“, erklärte Kaiser.

Maintal verfügt nicht über genügend Plätze

Nach einer groben Prüfung kämen dafür in Maintal höchstens ein bis zwei Plätze infrage, so Kaiser: „Wir haben in Maintal das Problem, durch Frankfurt und Hanau eingeengt zu sein.“ Daher können nicht einfach Waldgebiete zu Friedwäldern umgewidmet werden, zumal man auch gesetzliche Vorgaben beachten muss. Entsprechende Gebiete müssten für 99 Jahre im Grundbuch abgesichert werden. „Verstorbene haben das Anrecht, dass das Gebiet auf 99 Jahre als Gedenkgebiet gesichert wird“, sagte Kaiser.

In Maintal habe man zudem bereits die Möglichkeit der Baumbestattung, die auch ziemlich begehrt sei. Auf dem sich derzeit in der Umgestaltung befindlichen Friedhof in Bischofsheim gebe es viele erhaltenswerte Bäume, die man für eine kostengünstige Bestattung nutzen könne, erklärte Kaiser. Einen ausgewiesenen Friedwald würde man in Maintal allein aufgrund der Fläche und Beschaffenheit des Waldes wohl nicht realisieren können.

Friedhöfe in den einzelnen Stadtteilen für Bürger wichtig

Zudem merkte Kaiser an, dass die Friedhöfe in ihren Stadtteilen jeweils einen hohen Stellenwert haben. So sei es meist der Wunsch der Verstorbenen, in ihrem jeweiligen Stadtteil beerdigt zu werden. „Jemand, der sein Leben lang in Wachenbuchen gelebt hat, will auch in Wachenbuchen beerdigt werden. Nicht in Hochstadt, Bischofsheim oder Dörnigheim“, gab Kaiser zu bedenken. Er fürchte daher Diskussionen, wenn in einem Stadtteil die Bestattung in einem Friedwald angeboten werden könne, in anderen jedoch nicht.

Jörg Schuschkow von der antragstellenden WAM teilte diese Bedenken nicht. „Diejenigen, die sich für eine solche Bestattung entscheiden, gehen ja jetzt schon über die Stadtgrenzen hinaus und nehmen weitere Wege in Kauf“, erklärte er.

Zudem stellte Schuschkow die Frage in den Raum, ob man nicht bereits perspektivisch vermehrt Bäume auf den Friedhöfen pflanzen könne. „Diese könnte man dann in 40 Jahren nutzen. Das wäre auch ein schöner Charakter für die Friedhöfe“, so Schuschkow. Ohne Gegenstimmen wurde der Antrag der WAM angenommen, den Magistrat mit einer Prüfung der Möglichkeiten zu beauftragen.

Von Michael Bellack

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