Maintal

Nabu-Ortsgruppe feiert 40-jähriges Bestehen

Bei der kürzlichen Jahreshauptversammlung der Nabu-Ortsgruppe wurde im Evangelischen Gemeindehaus Hochstadt nicht nur das 40-jährige Jubiläum gefeiert, sondern auch langjährige Mitglieder geehrt: Hanns P. Golez (von links), Lothar Kiesele, Wilfried Huhn, Rüdiger Hensel, Jens Burger (für Otto Burger), Doris Messerschmidt und Heinz Hausotter. Foto: PM

Maintal. Ohne den örtlichen Naturschutzbund (Nabu) wäre es stiller in Maintals Wäldern. Denn die Aktiven, von denen manche seit Gründung der Gruppe im Jahr 1978 dabei sind, setzten und setzen sich besonders für den Erhalt von bedrohten Vogelarten ein. Jetzt feierten sie im kleinem Rahmen ihr Jubiläum.

Von Monica Bielesch

Im Einsatz für die Natur haben Lothar Kiesele und Heinz Hausotter schon so manches erlebt. „Ich bin mal aus knapp drei Metern von der Leiter gefallen, als ich einen Brutkasten im Wald reinigen wollte“, erzählt Kiesele, der zwar in Bergen-Enkheim wohnt, aber durch seinen Hochstädter Schwager Karl-Heinz Dietz zum Nabu Maintal kam. Und Hans Hausotter hatte es mit einer Maus zu tun, die ihm unter der Hose am Bein hochlief. „Ich musste schnell zupacken, damit sie nicht ganz hochlaufen kann“, lacht der Bischofsheimer bei der Erinnerung.

Bei Gründung im Jahre 1978 nannte sich die Gruppe „Vogelschutzgruppe Maintal“ und war organisiert im damaligen Deutschen Bund für Vogelschutz (DBV). Im ersten Vorstand waren Heinrich Leiß, Otto Burger, Werner Klöß, Karl-Heinz Dietz sowie Karl Imgrund.

Die Vorstände kannten sich, waren freundschaftlich vereint in ihrem Bemühen, die Vogelwelt zu schützen. So stand in den Anfangsjahren des Vereins der Vogelschutz im Vordergrund, berichten Kiesele und Hausotter beim Treffen in einem Maintaler Café. „Wir waren jeden Samstag im Wald unterwegs und haben Nistkästen angebracht oder gepflegt“, berichtet Kiesele, der über 20 Jahre im Vorstand aktiv war. Auch die Bestandsaufnahme der heimischen Vögel sei damals wichtig gewesen, ergänzt Hausotter, der lange Schleiereulenwart war.

Er war bei Vereinsgründung 33 Jahre alt und sei von jeher naturverbunden gewesen. Auf einem Aussiedlerhof aufgewachsen, ist Hausotter als Kind inmitten von Wiesen, Feldern und Wäldern groß geworden. „In meiner Jugend gab es noch mehr Vögel, darum wollte ich mich für deren Erhalt einsetzen.“

1990 wird der Dachverband DBV zum Naturschutzbund Deutschland (Nabu) und die Maintaler Gruppe wird zur Nabu-Ortsgruppe. Bis dahin hatte die Gruppe schon einiges erreicht: der Höllsee in Dörnigheim wurde auf Antrag der Gruppe unter Naturschutz gestellt (1978), sie organisierten jährliche Winterfütterungen für Vögel, wirkten beim Landschaftsschutzgebiet Distelberg (1985) mit.

Bis 1981 hatten die Naturschützer schon rund 1000 künstliche Nisthilfen im Stadtwald und in der Feldgemarkung aufgestellt. Sie übernahmen auch die Aufgabe der Pflege und Betreuung. Und das alles ohne spezielle Vorkenntnisse. „Wir sind alles Autodidakten“, betont Hanns P. Golez, der 1997 Kurtz Göritz als ersten Vorsitzenden ablöste und seitdem den Verein anführt.

So hätte beispielsweise Otto Burger mit seinem musikalischen Gehör und Faible für Vogelstimmen vielen Mitgliedern beigebracht, die verschiedenen Laute zu unterscheiden.

Und da der Schutz von Gartenrotschwanz, Schleiereule, Turteltaube, Weidenmeise, Mittelspecht, Waldbaumläufer, Mehlschwalbe, Feldlerche oder Eisvogel vor allem den Erhalt ihrer Lebensgrundlage bedeutet, beinhaltet Vogelschutz auch Naturschutz.

Seit 2015 ist die Nabu-Ortsgruppe zudem von der Stadt Maintal mit der Durchführung von Kompensationsmaßnahmen betraut. Dafür stehen dem Verein über drei Jahre 20 000 Euro zur Verfügung. Hintergrund ist ihr erfolgreicher Einspruch gegen die Bebauung und mangelhaften Ausgleichsmaßnahmen bei der Planung des Bauprojekts „Am Weides“ in Hochstadt.

„Naturschutz ist ein immerwährender Kampf mit der Politik“, stellt Golez fest. Zwar hätte die Stadt Maintal in den vergangenen Jahrzehnten wenigstens etwas in diesem Bereich getan, aber der Gedanke des Naturschutzes werde immer hintenan gestellt, bedauert der Nabu-Vorsitzende. „Es geht immer nur um neue Wohngebiete, mehr Gewerbegebiete, aber irgendwann sind die Grenzen des Wachstums erreicht.“ Oft wären Chancen vertan worden, grüne Oasen zu erhalten. Beispiel ehemalige Stadtgärtnerei in Wachenbuchen. „Das war ein wertvolles Biotop! Wir haben ein Gutachten dazu geschrieben, das wäre eine einmalige Gelegenheit für die Schaffung eines Landschaftsparks gewesen“, meint Golez. Aber: „Wir haben keine Lobby.“

So freuen sich die langjährigen Naturschützer über kleine Erfolge. Hansotter erinnert sich etwa stolz an eine Schleiereulen-Brut mit sechs Jungen in einem Nistkasten in Wachenbuchen. Der Bestand dieses seltenen Vogels konnte durch die Nabu-Arbeit wieder gefestigt werden. Auch der Steinkautz, von dem es bei Vereinsgründung gerade noch eine Handvoll Exemplare in der Gemarkung gab, ist wieder häufiger vertreten. Dank des Engagements der Nabu-Mitglieder und ihrer teilweise hartnäckigen Überzeugungsarbeit bei der Bevölkerung.

Während der kürzlichen Feierstunde im Rahmen der Jahreshauptversammlung ließ Vereinsvorsitzender Golez im Gemeindehaus Hochstadt vor allen Dingen die Errungenschaften der Gründerjahre Revue passieren, da, wie er betonte, nur darauf der spätere Erfolg der Naturschutzgruppe mit heute etwa 420 Mitgliedern aufbauen konnte.

Ende Februar beginnt für die Naturschützer wieder der Jahresreigen. Dann gehen Hansotter, Kiesele und Golez wie so oft in den vergangenen Jahrzehnten in den Wald, um die Nabu-Nistkästen zu kontrollieren und zu reinigen. Einzige Veränderung: Sie sind nun auch werktags im Einsatz für die Natur, denn mittlerweile sind alle schon Rentner.

Quelle: Hanauer Anzeiger

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