Maintal

Nach gescheitertem Antrag: Zukunft der Mainfähre ungewiss

Die Zukunft der Dörnigheimer Mainfähre ist weiter ungewiss. Ein Antrag der Linken-Fraktion im Offenbacher Kreistag, die Verbindung zwischen Maintal und Mühlheim als Eigenbetrieb zu stemmen, wurde gestern mehrheitlich abgelehnt. Archivfoto: Christian Balke

Maintal/Dietzenbach. Eine längere Debatte lieferten sich die Abgeordneten des Kreistags Offenbach gestern zur Mainfähre zwischen Maintal und Mühlheim. Die Linken hatten beantragt, dass der Kreis die Möglichkeiten eines Eigenbetriebs prüfen soll.

Von Nils Britsch und Jan Max Gepperth

Die Fähre sei ein „kreispolitisches Fiasko“ und das Missmanagement in diesem Zusammenhang „eine Schande“, kritisierte Jeannette Hallmann (Linke). Ihre Fraktion wolle keine Grundsatzentscheidung, sondern nur eine Prüfung, ob ein Eigenbetrieb machbar sei – möglicherweise auch mit Hilfe von Fördergeldern.

Unterstützung bekam sie von den Freien Wählern: „Der Kreis kann sich nicht aus der Verantwortung stehlen“, so Jürgen Ries. Er vermutete gar, dass die Koalition die Stilllegung und ersatzlose Schließung geplant hat. „Sorgen Sie dafür, dass die Fähre wieder fährt“, appelliert er. „Wir hatten nie die Absicht, die Fähre stillzulegen“, wehrte sich Ingeborg Fischer (SPD) gegen den Vorwurf der Freien Wähler. Sie plädiert für eine gemeinsame Lösung der Kommunen Mühlheim, Maintal, Main-Kinzig-Kreis und Kreis Offenbach.

Fähre werde annähernd nur von Maintalern und Mühlheimern genutzt

„Wir würden uns auch freuen, wenn endlich eine Lösung gefunden wird“, bekräftigt Stefan Schmitt (CDU). Allerdings werde die Fähre „annähernd ausschließlich“ von Menschen aus Maintal und Mühlheim genutzt. Deswegen stelle sich die Frage, ob der Kreis da überhaupt verantwortlich sei. „Die betroffenen Städte müssen stärker in die Verantwortung genommen werden“, fordert er. „Die Fähre in Seligenstadt wird auch von der Kommune getragen.“

Clemens Jäger (CDU) rechnete vor, dass ein Eigenbetrieb den Kreis Offenbach einen „höheren sechsstelligen“ Betrag pro Jahr kosten würde. 90 Prozent der Fähren-Nutzer seien Autofahrer, die letztlich auch Brücken nutzen könnten. Er bezeichnete den Antrag als „populistische Forderung“.

„Jedoch liegt es eindeutig beim Kreis Offenbach, sich darum zu kümmern“

Das Thema Fähre habe bereits auch schon den Bund der Steuerzahler auf den Plan gerufen, berichtet Landrat Oliver Quilling. Er plädiert dafür, die laufenden Gespräche der beteiligten Kommunen abzuwarten. Wenn es dazu komme, dass der Kreis für die Fähre zahle, müsse er sich auch solidarisch an der Fähre in Seligenstadt beteiligen. Obwohl sich nahezu alle Redner einig waren, dass der Fährbetrieb weiter- geführt werden müsse, stimmten letztlich nur Linke, Freie Wähler und die Fraktion der Alternativen Liste Offenbach-Land (Alo) für den Antrag.

Jeannette Hallmann, parlamentarische Geschäftsführerin der Linken-Fraktion im Offenbacher Kreistag, zeigte sich im Gespräch mit unserer Zeitung nach der Sitzung enttäuscht. „Ich halte es für bedenklich, dass nicht einmal ein solcher Prüfantrag möglich ist“, stellte sie klar. Für sie sei es ein Zeichen dafür, dass weder CDU noch SPD ein echtes Interesse an einer Wiederinbetriebnahme der MS Dörnigheim hätten. Stattdessen zeige man lieber mit dem Finger auf die Städte Maintal und Mühlheim. „Jedoch liegt es eindeutig beim Kreis Offenbach, sich darum zu kümmern“, so Hallmann.

WAM stellt Anfrage an den Magistrat

Mit der Ablehnung des Prüfantrags sei die letzte Alternative in Bezug auf die Fähre abgelehnt worden. „Das war heute quasi der Todesstoß für die Fähre“, sagt Hallmann.

Auch in Maintal horcht man nun natürlich auf. So stellt die Fraktion der WAM für die nächste Stadtverordnetenversammlung Anfang März eine Anfrage an den Magistrat, die sich mit der Fähre beschäftigt. Kern dieser Anfrage sind die Gespräche über die Zukunft der Fähre. So fragt man sich bei der WAM, wie der Stand der Gespräche zwischen den beteiligten Kommunen und Kreisen sei. Zudem möchte die Fraktion erfahren, ob die Möglichkeit besteht, dass die Bürgerinitiative Mainfähre in diese Gespräche integriert werden könne.

Zukunft bleibt ungewiss

Die Fähre wurde wie berichtet im Oktober 2017 vom Eigentümer, dem Kreis Offenbach, stillgelegt. Grund hierfür waren starke Verstöße gegen Sicherheitsbestimmungen. Seither steht die Fähre fast ununterbrochen still. Im Juli 2019 sollte die MS Dörnigheim eigentlich wieder ihren Betrieb aufnehmen, havarierte jedoch schon wenige Stunden später. Anschließend wurden schwere Anschuldigungen gegen den neuen Betreiber laut und der Kreis kündigte den Vertrag fristlos. Seither gab es eine weitere Ausschreibung auf die Betreibung der Fähre, die jedoch erfolglos blieb. Wie es mit der Fähre jetzt nach dem abgeschmetterten Prüfantrag der Linken-Fraktion des Offenbacher Kreistages weitergeht, ist ungewiss.

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